17. Mai 2012 09:09 Uhr
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Lauterbacher Anzeiger

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Hochschule 

Dem Groove auf der Spur

22.02.2012

GIESSEN (red). Wer hat nicht schon mal zu Jazz-Musik getanzt oder zu funkigen Beats mitgewippt? Wenn man fragt, warum solche Musik fast automatisch direkt „ins Blut“ und in die Beine geht, so bekommt man häufig die Antwort: „Einfach, weil das grooved - das spürt man doch!“ Der gehörte Rhythmus wirkt unbewusst psychomotorisch stimulierend. Um dem Rätsel des Groove-Gefühls auf die Spur zu kommen, wurde an der Justus-Liebig-Universität (JLU) nun ein sogenannter Lead Agency Projektantrag durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) in Höhe von rund 125 000 Euro bewilligt.

In den kommenden zwei Jahren sollen am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der JLU unter Leitung der Musikwissenschaftlerin Prof. Claudia Bullerjahn und dem Musikpsychologen Privatdozent Dr. Richard von Georgi in Zusammenarbeit mit dem Institute for Music Performance der Schweizer Hochschule Luzern die Bedeutung von dynamischen Verschiebungen zwischen den gehörten Instrumenten für das Groove-Empfinden erforscht werden, teilt die Hochschule mit. Obwohl inzwischen viel darüber geschrieben und geforscht wurde, was ein Rhythmus nicht nur psychologisch, sondern auch neurophysiologisch bewirken kann, ist nach wie vor unklar, wie Musiker es schaffen, eben dieses Gefühl bei uns auszulösen. So wird bezüglich des Swings immer wieder betont, dass das Groove-Gefühl durch das synkopische Grundmuster (rhythmische Verschiebung durch Bindung eines unbetonten Wertes an den folgenden betonten) ausgelöst wird. Jedoch allein die Tatsache, dass nicht jede Swing-Band tatsächlich swingt und nicht jede Funk-Band automatisch grooved, verweist auf die Tatsache, dass noch andere Parameter von Bedeutung sind, heißt es weiter. Eine Theorie geht davon aus, dass es im einfachsten Fall die so genannten „perzeptuellen Diskrepanzen“ (PDs) zwischen den gehörten Instrumenten sind. Sie bewegen sich im Bereich von fünf bis 20 Millisekunden und variieren in Abhängigkeit von der Struktur des Gesamtstücks. Bisher wurden PDs vorwiegend in Zusammenhang mit dem sogenannten „laid back“- und „push“-Gefühl gebracht -Empfindungen die entstehen, wenn ein Instrument vor oder hinter dem eigentlichen Band-Timing spielt. Jedoch gebe es auch Autoren die betonen, dass es gerade diese PDs und deren dynamische Verschiebungen zwischen den Instrumenten während eines Musikstücks sind, die ein Groove-Gefühl entstehen lassen. Allerdings gibt es zu dieser Annahme bisher kaum empirisch fundierte und kontrollierte Studien. Zudem besteht die Problematik, dass die Wirkung der PDs deutlich unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle liegen muss, da es sich um ein Gefühl der psychophysischen Aktivierung handelt und nicht um die bewusste Wahrnehmung einer zeitlicher Verzögerung, wie es zum Beispiel beim „laid back“-Spiel zumindest für geübte Hörerinnen und Hörer der Fall ist.

In dem Gießener Forschungsprojekt werden die PDs systematisch variiert, um deren Wirkung auf nicht primär bewusste emotionale, psychophysiologische und motorische Reaktionen der Hörerinnen und Hörer zu untersuchen. Dabei nutzen die Forscherinnen und Forscher sowohl Stücke mit elektronischen (Midi-) Musikinstrumenten, als auch nachträglich bearbeitete Jazz- und Funkbeispiele, die professionelle Musiker der Hochschule Luzern eingespielt haben. „Das Besondere an diesem Projekt ist dessen Interdisziplinarität und die Kombination aus einer rein experimentellen Grundlagenforschung und praktischem Musizieren“, betont Richard von Georgi, der sich der JLU sowohl in der Psychologie als auch den Musikwissenschaften qualifizierte und für die Projektkoordination verantwortlich ist. Projektleiterin Prof. Bullerjahn sagt: „Die Bewilligung dieses Projekts ist ein wichtiger Schritt für das Verständnis dafür, was uns an Musik tatsächlich bewegt.“

Yeah: Bei flotter Musik wippt der Fuß und tanzt das Bein von ganz allein.	Foto: Archiv

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