Internationaler Hochschulsommerkurs der JLU startet mit 71 Teilnehmern aus 27 Nationen
03.09.2010
GIESSEN (fod). Für die meisten ist es der erste Aufenthalt in Deutschland überhaupt, für manche sogar in Europa. Denn ein großer Teil der 71 Teilnehmer aus 27 Nationen, die zum jetzt beginnenden Internationalen Hochschulsommerkurs an die Justus-Liebig-Universität (JLU) gekommen sind, stammt von anderen Kontinenten. Seit fast drei Jahrzehnten werden alljährlich vor Beginn des Wintersemesters Gaststudierende, Doktoranden und Gastwissenschaftler so innerhalb von vier Wochen auf ihre Zeit an der JLU vorbereitet.
Die Dauer ist dabei ganz unterschiedlich: Während viele der jungen Leute, die zum Auftakt im Unihauptgebäude von der Ersten Vizepräsidentin Prof. Eva Burwitz-Melzer empfangen wurden, für ein Semester Studienluft in Deutschland schnuppern, stehen Doktoranden und Gastwissenschaftlern bis zu drei harte Jahre ihrer Doktorarbeit bevor. Einige bleiben aber auch nur für den Kurs selbst, so etwa Umeda Schokirowa aus Tadschikistan. Die 21-jährige Studentin mit dem Fach Deutsch und Germanistik an der Universität von Chudschand, der zweitgrößten Stadt des im Süden an Afghanistan grenzenden Staates, hat vor allem ein Ziel: „Ich möchte hier im Kontakt mit Menschen meine Deutschkenntnisse verbessern“, sagt sie. Und kann auf einen großen Erfolg verweisen, der ihr vor nicht allzu langem gelungen sei; da belegte die junge Frau nämlich den dritten Platz bei der staatlichen Olympiade im Bereich Fremdsprachen. Für die nächsten vier Wochen hat sich Umeda Schokirowa außerdem vorgenommen, möglichst viele Kontakte zu den übrigen Kursteilnehmern zu knüpfen. „Es ist immer sehr interessant, andere Weltanschauungen kennenzulernen“, meint sie. Vorher jedoch geht es darum, sich an der JLU und in Gießen zu orientieren. Hierzu können die Gäste auf die Unterstützung durch die Hauptorganisatorinnen Dr. Margot Schneider-März und Melanie Schunk-Wießner vom Akademischen Auslandsamt sowie neun studentische Mentoren bauen. „Wir zeigen ihnen die Stadt, führen über den Campus und helfen bei Bankengängen“, schildert Tanja Spirina einige der Aufgaben. Die Psychologie-Studentin und ihre Kommilitonin Anja Gatzsche möchten ebenso Tipps geben, „wo man gut einkaufen kann“.
Für solcherlei Beschäftigungen wird Marcus Baccega kaum Zeit haben. Nach Beendigung eines Jura- und Geschichtsstudiums an der Universität von Sao Paulo (Brasilien) gilt seine Konzentration in den kommenden sechs Monaten ganz der Doktorarbeit über die im 13. Jahrhundert verfasste „Prosa-Lancelot“, die sich der Sagenfigur der mittelalterlichen Artus-Romane widmet. Für den 31-Jährigen ist es gleichzeitig eine Art Heimkehr, „meine Großmutter stammt aus Deutschland und war nach Brasilien ausgewandert“, erzählt er. Die häufige Beschäftigung mit deutscher Literatur, angeregt durch seine Eltern, habe schließlich das Interesse am Thema Mittelalter geweckt und Geschichte über Jura als Berufswunsch siegen lassen. „Obwohl ich als Anwalt in Brasilien natürlich viel mehr Geld verdienen könnte“, weiß Marcus Baccega. Zwar ist während des Kurses intensives Deutsch-Pauken angesagt, wofür insgesamt zehn Lehrerinnen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen sorgen, doch sollen die Teilnehmer bei Exkursionen etwa an den Rhein, nach Heidelberg oder Frankfurt einiges von ihrem Gastland kennenlernen. Auf Letzteres freut sich auch Kirsty Lynn. Die 22-Jährige studiert an der Universität von Belfast (Nordirland) Biomedical Engineering und wird dies nun mit einem Semester in Biomedizinischer Technik an der Fachhochschule Gießen-Friedberg fortsetzen und dazu bei Siemens in Marburg ein Praktikum absolvieren. „Fürs Partymachen soll aber dennoch Zeit bleiben“, sagt sie auf Englisch und nimmt sich schon einmal eines der Sektgläser, die zum Empfang serviert wurden.