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Jugend  

"Pimp my church" - "Motz meine Kirche auf"

16.01.2010

Jugendgottesdienst im Grebenhainer Bürgerhaus mit Rockmusik und Theaterstück - Einnahmen zu Gunsten der Opfer auf Haiti

Grebenhain (ku). "Kirche ist langweilig" - mit dieser Aussage wird und wurde der evangelische Grebenhainer Pfarrer Sascha Heiligenthal immer wieder von Seiten der jugendlichen Gemeindemitglieder konfrontiert. Auch der von ihm durchaus ernst und gut gemeinte Rat an die Jugendlichen, den Gottesdienst doch einfach mal ganz bewusst zu erleben, genau auf die Worte der Andacht, als auch auf die der gesungenen Lieder zu achten, half da nichts. Die Begeisterung für eine Teilnahme an Gottesdiensten und anderen Kirchenaktivitäten blieb auf unterem Niveau.

Doch, wer Heiligenthal kennt, der kennt ihn als einen Mann der Tat. Als Organisationstalent, als einen Menschen mit ungewöhnlichen Ideen und Visionen.

Junge Menschen müssen in die Kirche geholt werden, soviel ist ihm klar. Doch wie soll das, am besten auch außerhalb des Konfirmandenunterrichts zu schaffen sein? Wie kann man Heranwachsende dazu bringen, freiwillig an einem Gottesdienst teilzunehmen? Nun, inspiriert durch die Sprache der jungen Menschen, durch das, was sie interessiert, initiiert der engagierte Pfarrer zur Zeit eine Aktion, die sich "pimp my church" nennt. Oder, im deutschen Jargon "Motz meine Kirche auf". Die Kirche aufmotzen, geht das? Darf man das überhaupt? Und warum muss die Aktion überhaupt einen englischen Namen haben? Gibt es nicht schon mehr als genug Englisch im deutschen Alltag? Diese und ähnliche Fragen dürften sich zumindest diejenigen gestellt haben, die dem jungen Pfarrer in einem anonymen Brief nahelegten, dann doch bitteschön seine Gottesdienste im englischsprachigen Raum abzuhalten.

Doch, um Missverständnisse vorweg zu nehmen: Der Gottesdienst wird in deutscher Sprache stattfinden. Das von den Schülerinnen und Schülern der achten Gymnasialklasse einstudierte Theaterstück wird ebenfalls in Deutsch aufgeführt.

Soll man sich da wirklich über Namen streiten? Sollte nicht der Inhalt entscheidend sein? Und an dem gibt es beileibe nichts zu rütteln: Eine alte Geschichte, das Leben und Leiden Jakobs, in die heutige Zeit übertragen und von Jugendlichen als Theater vorgespielt. Die zu vermittelnden Werte, die Kernaussage bleibt die gleiche.

Einen langen Weg muss Jakob gehen. Gesäumt von Hindernissen. Begleitet von seinem schlechten Gewissen kämpft er sich durch das Leben. Lang ist auch der Weg, den Heiligenthal bisher mit seinen Schülern zurückgelegt hat. Hindernisse gab es ebenfalls reichlich. Am Dienstag dieser Woche sah es sogar so aus, als ließe sich das mit viel Elan ins Leben gerufene Projekt nicht realisieren und müsse "gecancelt" werden, wie die Schüler mitteilten. Doch letztlich wollen sie ihr Stück aufführen. Wollen zeigen, was sie "drauf haben". Zeigen, warum Gottesdienst für sie wichtig, aber eben anders ist, als der, der sonst abgehalten wird.

Das "feedback", das Echo aus der Gemeinde, sei insgesamt durchaus positiv gewesen, so Heiligenthal am Freitag. Die bunten Bändchen, die verteilt worden waren, und zur Gottesdienst-Teilnahme berechtigen, sind alle weg. Es waren 500. Aber auch wer kein Bändchen bekommen hat, ist herzlich eingeladen, sich das, was in mühevoller Arbeit entstanden ist, am Sonntag ab 18 Uhr im Bürgerhaus Grebenhain anzusehen und anzuhören. Für die musikalische Untermalung sorgt übrigens die Kirchenband Rebound.

"Wir müssen auf jeden Fall der Schule danken, dass wir das im Rahmen des Religionsunterrichtes machen konnten", so Heiligenthal, der während der Proben gegen die Rockmusik anredet, die das Theaterstück begleitet, und die großen Scheinwerfer bedient und dem Jungen am Mischpult ein Zeichen gibt. "Wir teilen uns das ,equipement´, die technische Ausstattung, mit dem TSV Grebenhain, die das für Karneval brauchen." Nur so können die Kosten einigermaßen überschaubar bleiben, denn die Gemeindekassen sind leer. Trotzdem soll das mit dem Jugendgottesdienst eingenommene Geld für die Opfer des Erdbebens auf Haiti verwendet werden.

Nun, auch eine gute Idee, die unterstützenswert ist.

Pfarrer Sascha Heiligenthal schaut während der Proben zu "pimp my church" kritisch und nachdenklich auf das Thema "Jugend und Kirche". Bild: KunertVergrößern

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