Schauspieler Peter Sodann plauderte im "Johannesberg" aus seinem Leben und seinen Büchern
(ar). Mit seiner Aktentasche "bewaffnet" betrat Peter Sodann den wider Erwarten nicht ganz gefüllten Saal des "Posthotels Johannesberg", nachdem er vorher im Hof noch etwas frische Luft geschnappt und den Gästen vorab einige Fragen beantwortet hatte. "Junge, lies nicht soviel, sonst wirst Du noch ganz dumm im Kopf" - das habe ihm früher immer seine Mutter gesagt. Dass dies dem kleinen Sodann nicht geschadet hat, davon konnten sich die rund 60 Zuhörer eines kurzweiligen Programms überzeugen.
Eingeladen hatte der Rosa-Luxemburg-Club Vogelsberg zur kostenlosen Veranstaltung mit dem Ausnahme-Schauspieler, -Regisseur und -Kabarettisten. "Die Stiftung Rosa Luxemburg übernimmt die Kosten", erklärte Dietmar Schnell, einer der Sprecher der Vogelsberger Gruppe, in seinen Begrüßungsworten vorab.
Auftritt Sodann: "Womit fange ich denn an", fragte der 1936 in Meißen geborene, gelernte Werkzeugmacher sein Publikum zu Beginn, als er einen Stapel Bücher aus seiner Aktentasche zog. Ein ausgeklügeltes Programm schien Sodann nicht zu haben, was allerdings seinem Auftritt nicht schadete. Angefangen mit einer von Norbert Blüm geschenkten Spieluhr mit der Melodie "Wacht auf, Verdammte dieser Erde", die Sodann in den ihm viel passender erscheinenden Text "Lacht auf, Verdummte dieser Erde" umdichtete, war die Richtung des Abends ohnehin schon vorgezeichnet.
So beschäftigte sich Sodann mit den Irrsinnigkeiten der Bürokratie, mit der Verbohrtheit mancher Politiker, aber auch mit dem Unverstand mancher "Normalbürger". Eine der vielleicht drängendsten Fragen, warum er sich für die Linken als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten hat aufstellen lassen, beantwortete er ganz lapidar: "Gysi hat mich gefragt, und ich dachte mir: Warum nicht?" Das, was die anderen können, könne er auch. Obwohl er gerade jetzt in Zeiten des Bundestagswahlkampfes froh zu sein schien, nicht die Wahl gewonnen zu haben: "Wenn ich diese ganzen Wahlplakate sehe. Heute hängen sie sich freiwillig an die Laterne, früher war das anders. Es ist eben ein Jammer, dass die Dummen so sicher sind und die Tugendhaften so zweifelnd."
Trotz seiner während des Abends immer wieder auftauchenden Kritik an Politik und Wirtschaft, die vielen Zuhörern direkt aus dem Herzen sprach, ließ Peter Sodann jedoch stets erkennen, dass er die Welt immer noch gerne verändern und würde. "Man muss seinen Blickpunkt nur ein bisschen ändern, dann kommt man auf ganz andere Gedanken", plädierte er dafür, das Weltgeschehen immer aufmerksam zu verfolgen.
Sehr interessant waren auch die Ausflüge in Peter Sodanns Vergangenheit. Anhand seiner drei Bücher berichtete er aus seinem Leben als in der DDR wegen "konterrevolutionärer Umtriebe" inhaftierter Student, er erinnerte sich an seine erste große Liebe, an seine Kritik am Russisch-Unterricht, für die er sich 1956 einen "weltpolitisch ungünstigen Zeitpunkt" ausgesucht hatte. Mit einem Lächeln las er aus seinem Ablehnungsschreiben der Schauspielschule vor, das ihm "keinerlei Begabung" attestierte, er erinnerte sich an einen Auftritt bei Sabine Christiansen oder plauderte aus seinem Nähkästchen der Begegnungen mit Bekannten, Freunden, weniger freundlichen Menschen, Literaten und Bundespräsidenten - "die Steigerung von Kohl ist Köhler".
Peter Sodann sagt, was er denkt, und damit hat er beim Lauterbacher Publikum sicher viele "Stimmen" für sich eingeheimst.