An ihr ist eine gute Kabarettistin verloren gegangen
04.09.2010 - LAUTERBACH
Von Martin G. Günkel
Annina Braunmiller über ihre Arbeit als Synchronsprecherin für „Twiglight“
Eigentlich ist an Annina Braunmiller eine hervorragende Kabarettistin verloren gegangen. Die Art, wie sie über ihre Arbeit als Synchronsprecherin spricht, begeistert die Besucher einer Lesung in der Reihe „Der Vulkan lässt lesen“ im Lauterbacher Lichtspielhaus. Mit sehr viel Humor und äußerst anschaulich beschreibt sie, was sie beim Synchronisieren unter anderem der „Twilight“-Filme erlebt hat. Zudem liest sie aus den Romanen von Stephenie Meyer, die sie komplett als Hörbücher aufgenommen hat.
Es versteht sich zwar von selbst, dass eine Sprecherin im wahren Leben nicht unbedingt so spricht wie ihre Filmrolle, aber wie die Lesung dies vor Augen führt, ist dennoch beeindruckend. Denn Bella, die Protagonistin von „Twilight“, der Annina Braunmiller ihre Stimme leiht, ist extrem introvertiert, sie spricht sehr ruhig und leicht unsicher.
Genau das kann man von Braunmiller beim Gespräch mit den Zuschauern in Lauterbach nicht behaupten. Als sie das Publikum begrüßt, erscheint sie als das genaue Gegenteil ihrer vielleicht bekanntesten Filmstimme.
Dann der Einstieg in den ersten Roman: Sofort ist Bella zu hören. Annina Braunmiller schaltet in einem Sekundenbruchteil um und liest so zart und einfühlsam vor, wie sie für „Twilight“ im Studio agiert hat. Sie spricht auch selbst an, dass fast jeder Synchronsprecher zwei Stimmen habe. Bei ihren mit vielen eindrucksvollen Imitationen illustrierten Erklärungen wechselt sie manchmal mitten im Satz mehrfach die Stimme.
Der Einstieg in den Roman hat sie nach eigenen Angaben nicht einmal besonders beeindruckt. Sie habe das Buch darauf hin wieder ins Regal gestellt. Als sie den Trailer zur Verfilmung synchronisiert habe, habe sie sich gesagt: „Das ist doch dieser Vampir-Schmonz.“
Da sei sie doch neugierig geworden. Doch noch immer habe sie die Bücher nicht lesen wollen, ganz einfach um sich nicht zu ärgern, falls sie ihr gefallen, aber sie die Synchronrolle für die Filme nicht bekommen würde. Wer nämlich am Trailer beteiligt ist, wird deshalb nicht unbedingt für den ganzen Film engagiert. Nach der Zusage habe sie die Bücher allerdings verschlungen. „Ich bin ja auch nur ein Mädchen.“
Ganz einfach ist Synchronsprechen natürlich nicht, erst recht nicht bei den heutigen Kopierschutzmaßnahmen. Die Sprecher bekommen nach Braunmillers Angaben ein kleines schwarzweißes Bild zu sehen, auf dem ein weißes Kreuz zu sehen ist. Allzu oft verschwinden dahinter die Lippen der Schauspieler. „Und worauf achtet man als Synchronsprecher besonders? Auf den Mund. Sprecht da mal etwas Passendes, wenn ihr nichts seht.“
Im Synchronstudio gebe es „drei Leute, die an einem herumnörgeln“: den Regisseur, den Tonmeister und den Cutter. Der Tonmeister achte unter anderem auf Dialekte. Das spiele sich bisweilen etwa so ab: „Des musst’ nochmal machen, da hast’ mit Dialekt g’sprochen“ - „Du kannst mich auch mal.“
Synchronsprechen bedeute zum Beispiel auch, synchron zu atmen, selbst dann, wenn kein Dialog zu sprechen sei. „Anwesendsein“ stehe dann im Skript. Braunmiller imitiert, wie Kristen Stewart atmet. „Im Wald mit einem Vampir würde ich auch so atmen, aber Kristen Stewart macht das immer! Mittlerweile kann ich es.“ Beim Küssen müsse man - je nachdem, wie viele Anteile des Originaltons übernommen würden - nur atmen oder eben seinen Finger küssen. „Habe ich erwähnt, dass man keine Hemmungen haben darf in diesem Beruf?“