„Solch Potenzial beim Nachwuchs gab es nie“
07.02.2012 - ALSFELD
Horst Hrubesch im OZ-Gespräch über Fußball
(gk). „Im Fußball muss man, wie im Leben, ein Ziel haben! Und das Ziel in diesem Jahr kann nur heißen: Fußball-Europameister. Die Zeit ist reif, die Mannschaft absolute Weltklasse, das sollte durch den Erfolg bei der EM bestätigt werden“. Dies sagte einer, der mit seinem entscheidend Tor zum 2:1 gegen Belgien, selbst vor 32 Jahren Fußball-Europameister wurde: Horst Hrubesch, mittlerweile 60 Jahre alt, DFB-Trainer für die U18-Nationalmannschaft und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Edelbluthaflinger anlässlich der Hengstpräsentation seines Verbandes im Pferdezentrum in Alsfeld (siehe nebenstehender Bericht).
„Wir sind jetzt einfach dran, das muss klar gesagt werden“, sagt er mit Blick auf die Fußballnationalmannschaft. Die jahrelange kontinuierliche Ausbildung des DFB trage ihre Früchte. Der DFB habe mit klaren Konzepten und Strukturen und einer sehr guten Nachwuchsarbeit und -ausbildung die Basis für den Erfolg selbst gelegt. „Ein solch großes Potenzial an gutem Fußballnachwuchs in Deutschland gab es bisher noch nie“, schwärmt der Ex-Nationalspieler. Nicht umsonst spielten die Deutschen auch in den Jugendbereichen in der europäischen Spitzenklasse. „Jetzt müssen wir uns bestätigen. Das wird aber nicht leicht“, stellt Hrubesch fest. Die Spitzenklasse im Fußball zu halten, das sei die eigentlich schwere Aufgabe. Hrubesch ist jedenfalls davon überzeugt, dass an der Mannschaft von Jogi Löw keiner vorbekommt. „Deutschland wird Europameister“, hofft er.
Er kennt die meisten der aktuelle Nationalspieler und die Leistungsträger aus eigener Erfahrung, sie tragen auch seine Handschrift, sind durch seine Trainingseinheiten gegangen. Spieler wie Mesut Özil, Sami Khedira, Manuel Neuer sind mit ihm bereits 2009 U19-Fußball-Europameister geworden. Auch Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski hat er bereits betreut.
Schnörkellos und geradewegs erzielte Hrubesch einst seine Tore, viele mit dem Kopf, daher sein Spitzname „Kopfballungeheuer“, unvergessen seine beiden Treffer zum Gewinn der Europameisterschaft 1980 gegen Belgien in Italien. Der EM-Titel war sein größter sportlicher Erfolg. Bei der WM 1982 in Frankreich wurde er Vize-Weltmeister; die DFB-Elf verlor gegen Italien mit 1:3, es war sein 21. und letztes Länderspiel. Sechs Treffer erzielte er im Nationaldress, 136 Tore in 224 Bundesligaspielen.
1978 war von RW Essen zum Hamburger SV gewechselt. Mit dem HSV wurde er 1983 Europapokal-Sieger der Landesmeister. Standard Lüttich und Borussia Dortmund waren danach weitere Stationen. Verletzungsbedingt beendete Horst Hrubesch 1988 seine aktive Laufbahn. Danach begannen seine Trainerstation bei RW Essen, VfL Wolfsburg, FC Tirol, Hansa Rostock, Dynamo Dresden oder Austria Wien, ehe er dann im Jahre 2000 als Assistenztrainer von Erich Ribbeck zum DFB wechselte. Heute betreut er dort die U-18-Nationalmannschaft - mit großem Erfolg. „Wir arbeiten alle für die A-Nationalmannschaft, das ist doch klar“, stellt Hrubesch fest.
Von den jungen Fußballern wird Horst Hrubesch, wenn er nicht gerade im Trainingsanzug des DFB unterwegs ist, kaum noch erkannt. Aber die etwas älteren Fußballfreunde kennen Hrubesch. Auch in Alsfeld im Pferdezentrum war er den meisten Besuchern als Nationalspieler bekannt. Auch Gerhard Rückl, einst aktiver Fußballspieler und langjähriger Referee, kam spontan zum Interview mit Horst Hrubesch. „Dass ich noch einmal einem Fußball-Europameister die Hand drücken kann, freut mich“, sagte Rückl.