„Der Fundort der Leiche ist auch der Tatort“
02.09.2010 - GIESSEN/GEMÜNDEN
Dritte Auflage des Mordprozesses gegen 49-Jährigen, der seine Lebensgefährtin bei Gemünden erschossen haben soll
(aml). „Ich habe gedacht, es hätte jemand illegal Müll abgeladen, aber es war kein Müll, sondern Stoff“, sagte ein 51-jähriger Forstbeamter. „Der Blick aus dem Fenster hat schon gereicht, um dann zu erkennen, dass es sich eindeutig um einen menschlichen Körper handelte.“ Dass es sich bei dem am Rande eines Waldwegs in der Gemarkung Gemünden aufgefundenen Leichnam um eine 29-jährige Frau aus Alsfeld handelte, konnte die Polizei kurze Zeit später feststellen. Die junge Mutter wurde im Januar 2008 mit vier Schüssen in Kopf und Brust niedergestreckt. Wegen Mordes muss sich nun ihr damaliger Lebensgefährte verantworten - und das bereits zum dritten Mal.
Der erste Prozess war im Januar 2009 geplatzt. Im zweiten Verfahren wurde der 49-Jährige fünf Monate später wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt. Doch dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof im Februar auf. Nach Überzeugung der Karlsruher Richter hat die Gießener Schwurgerichtskammer nämlich die Mordmerkmale vorschnell verneint. Deshalb muss der Fall nun nochmals komplett aufgerollt werden.
„Die Leiche war blutverschmiert“, schilderte ein 36-jähriger Kriminalbeamter dem Gericht. Deshalb sei eine eindeutige Identifizierung der Frau erst durch den Abgleich von Fingerabdrücken möglich gewesen. Es spreche einiges dafür, dass die 29-Jährige am Rand des Waldstücks getötet wurde. „Ich gehe davon aus, dass der Fundort der Leiche auch der Tatort ist“, so der 36-Jährige. Eine „starke Blutspur“ sowie Projektile und Hülsen „im unmittelbaren Umfeld“ könnten als Beweise dafür gelten, „dass hier auch geschossen wurde“.
Zudem berichtete der Kriminalbeamte dem Gericht von einem Öffentlichkeitsaufruf der Polizei. Auf diesen habe sich unter anderen ein Reifenmonteur gemeldet, der am Tag nach dem Tod der 29-Jährigen die Reifen am PKW des Lebensgefährten ausgetauscht haben soll. Er habe der Polizei geschildert, dass er sich darüber gewundert habe, da die Reifen „nahezu keine Abnutzungserscheinungen“ gezeigt hätten. Dieser Hinweis sei „sehr aufschlussreich“ gewesen, da eine sichergestellte Spur am Tatort „zu den Reifen passte, die wir bei dem Autohändler sicherstellen konnten“.
Auch ein 27-Jähriger meldete sich auf den polizeilichen Aufruf. Er berichtete, dass er am Tattag „gegen 20.30 Uhr“ an dem besagten Waldweg ein Auto mit Standlicht bemerkt habe.