Politische Plaudereien beim Baumschmücken auf dem Turm
27.12.2010 - ALSFELD
Frühstück mit Helfern und ideellen Unterstützern am Vormittag vor Christkindwiegen
(gk). Es war wie immer und doch anders! Zum traditionellen Baumschmücken und -aufstellen mit anschließendem Frühstück und „kleinen gesellschaftlichen und politischen Plaudereien“ trafen sich auch diesmal die Helfer und viele ideelle Unterstützer dieser jahrzehntelangen Tradition am Vormittag des Heiligen Abends auf dem Turm der Walpurgiskirche.
Diesmal wehte ein rauher Wind, als sich die „Mannen um Hansi Buchhammer“ daran machten, die zwei Weihnachtsbäume an den Ecken des Turmumganges aufzustellen. Wolfgang Klaschke und Adolf Burg drehten die letzten bunten Glühbirnen in die Fassung - und dann wurde der 5,50 Meter hohe Weihnachtsbaum mit gemeinsamen Kräften in die vertikale Stellung gehoben, leichtes Korrigieren, es passte. Die Männer mussten aufpassen, denn der Turmumgang war stark vereist. Umso schöner der Blick auf die Dächer von Alsfeld. Wie mit „Zuckerguss“ bedeckt - zeigte sich die Altstadt von oben. Eine schöne weihnachtliche Atmosphäre!
Dann ging es in die Turmstube, um nach getaner Arbeit von wenigen das gemeinsame Frühstück, diesmal zur Verfügung gestellt von Bürgermeister Ralf Becker, der Wert darauf legte, eine „revisionsamtssichere“ Finanzierung gefunden zu haben. Es waren wieder zahlreiche Gäste zum „traditionellen Baumschmücken“ gekommen, darunter Landrat Rudolf Marx, Bürgermeister Ralf Becker, Hartmut Koch, der die Tradition seiner Vorgänger im Verkehrsverein fortsetzt, Stadthistoriker Heinrich Dittmar, Hausherr und Pfarrer Peter Remy und viele andere mehr, darunter auch OZ-Verleger Martin Ehrenklau. Und letzterer überraschte in besonderer Weise, als er zwischen den Weihnachtsliedern für eine aus seiner Sicht notwendige Renovierung dieser Turmstube eine Spende zusicherte, um im kommenden Jahr bei der Pflege des Brauchtums, dem auch die OZ verbunden ist, die „etwas heruntergekommene Räumlichkeit“ in einem „besseren Licht“ erstrahlen zu lassen. Pfarrer Peter Remy dankte und erklärte, dass man ohnehin bereits im zeitigen Frühjahr eine seit einigen Jahren fällige Renovierung des Turmes von außen beabsichtige.
Zuvor hatte Bürgermeister Becker eine „politische Rede“ gehalten, in dem er auf das Jahr 2010 abstellte, das aus seiner Sicht für die Stadt Alsfeld zufriedenstellend verlaufen sei. Becker sprach vom Konjunkturprogramm und davon, dass einige ortsansässige Unternehmen aufgrund der guten Wirtschaftslage in Alsfeld expandieren, aber von außen „klopft leider niemand bei uns an die Tür“. Finanziell gehen die Stadt wie der Vogelsbergkreis „leider am Stock“, klagte der Bürgermeister fast 40 Meter über seinem Amtssitz im Rathaus. Der angekündigte „Schutzschirm aus Wiesbaden hilft nicht, wenn damit nicht erfüllbare Auflagen verbunden werden“. Jetzt müsse man die von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossene „kommunale Grundrechtsklage“ gegen das Land Hessen auf den Weg bringen, kündigte Ralf A. Becker auf dem Turm an - und Landrat Rudolf Marx hörte interessiert zu. „Gemeinsam sollten Stadt und Vogelsbergkreis kämpfen, dass die Region nicht untergeht“, war der Schluss-Satz des Stadtoberhauptes. Heinrich Dittmar spontan: „Hier oben auf dem Turm haben Ihnen die Leute besser zugehört als in der Stadtverordnetenversammlung!“
Landrat Rudolf Marx beschränkte sich auf die Traditionspflege, das Brauchtum, das der Gesangverein Liederkranz-Harmonie Alsfeld pflege. Er dankte allen, die tatkräftig dabei mitwirken, er selbst war im elften Jahr dabei. An Hans-Otto Schneider, dem seit über 40 Jahre amtierenden Dirigenten beim Christkindwiegen, überreichte er eine CD aus der Musikakademie Hessen, die in Schlitz untergebracht ist.
Dann kam es wieder zu der alten Tradition: Es wurden hoch auf dem Turm Weihnachtslieder gesungen - mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ endete auch diesmal die Baumschmückaktion fünf Stunden vor dem eigentlichen Christkindwiegen (siehe Bericht auf Seite 13).