Abschied von der „Türsteherin“ im Crainfelder Gotteshaus
25.10.2010 - CRAINFELD
Anneliese Flach aus dem Amt der Küsterin verabschiedet - Nachfolgerin: Christine Malkus
(gst). Nach 18 Jahren als Küsterin der Kirchengemeinde Crainfeld wurde jetzt Anneliese Flach in einem feierlichen Gottesdienst verabschiedet und Christine Malkus als Nachfolgerin in ihr Amt eingeführt. Ganz unerfahren ist die Nachfolgerin von Anneliese Flach aber nicht, denn sie versieht in der Grebenhainer Kirche den Dienst der Küsterin seit über zehn Jahren.
In dem Gottesdienst, der vom Posaunenchor Crainfeld und dem Kirchenchor Crainfeld mitgestaltete wurde, befasste sich Pfarrer Sascha Heiligenthal in der Predigt mit dem Amt des Küsters. Das Wort Küster leite sich ursprünglich von dem lateinischen „Custos“ ab und bedeute Wächter. Küster seien Wächter der Kirche. Heute gehe es speziell um Anneliese Flach und er, so Heiligenthal, könne sagen: „Sie wusste, dass es nicht darum gehen kann, ein heiliges Gebäude gegen lebendigen Gebrauch zu schützen. Sie hat darüber gewacht, dass sich das Leben in unserer Kirche voll entfalten konnte. Denn Gott will ein Gotteshaus, das zugleich auch ein Haus für Menschen ist!“
Auch deshalb komme zu dem Wächteramt der Küster noch ein anderer Aspekt, der bei der kirchlichen Einführung in dieses Amt immer betont werde. Da werde nämlich der Vers aus dem Psalm 84 zitiert: „Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Haus als da sein, wo die Gottlosen, sprich die Gewissenlosen wohnen.“ Das bedeute: Eine wesentliche Aufgabe der Küster bestehe darin, Menschen, die zur Kirche kommen, über die Schwelle zu helfen. Und die sei bei einigen inzwischen ziemlich hoch, weil ihnen alles, was mit Gott zu tun hat, völlig fremd geworden sei. Die, die an der Tür stünden, sollten zeigen: Jeder, der komme, sei willkommen. In Gottes Haus und in seiner Gemeinde gebe es für jeden Platz.
Er habe oft erlebt, wie Anneliese Flach diese Aufgabe erfüllt habe, wie sie aufgeregte Brautpaare oder Tauffamilien mit dem ihr eigenen Zauber beruhigt habe, gelangweilte Konfirmanden habe sie mit sanftem Druck Gesangbücher in die Hand gedrückt und so aufgefordert mitzusingen.
„Türsteher“ im Hause Gottes müssten den Herzen der Menschen nahestehen, denn schon auf der Schwelle dieses Hauses solle etwas davon spürbar werden, was drinnen gepredigt werde: „Kein Mensch geht über die Erde, den Gott nicht liebt.“
Nicht nur in der Predigt wurde der Dank an Anneliese Flach deutlich gemacht, sondern auch die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Anneliese Schmelz, ließ es sich nicht nehmen, Anneliese Flach für ihre langjährige gute Arbeit zu danken und ihr als Erinnerungsgeschenk einen Pflaumenbaum und ein Buch über die Kirche zu überreichen.
Anneliese Flach zeigte sich tief bewegt und sprach von einer schönen Zeit während ihrer Tätigkeit. Auch wenn nur fünf Besucher zum Gottesdienst gekommen seien, sei es immer wieder etwas Besonderes gewesen. Sie wünschte ihrer Nachfolgerin eine „gute Zeit“.
Bei der Einführung von Christine Malkus verwies Heiligenthal noch einmal darauf, dass Küsterin ein geistliches Amt sei und man deshalb an Gottes Werk mitbaue und mithelfe. Trotz der Erfahrung, die die Nachfolgerin habe, sei es etwas Neues für sie. Der Pfarrer überreichte einen Riesenschlüssel als sichtbares Zeichen der neuen Tätigkeit. Den anschließenden kleinen Umtrunk nutzten viele Gemeindemitglieder, sich bei der ehemaligen Küsterin persönlich zu bedanken.