Über den Umgang mit Leerstand
14.12.2011 - VOGELSBERGKREIS/ETTERSBURG
Erste Diskussionsrunde zur Demographie-Studie
(red). Heute sind Lautertals Bürgermeister Heiko Stock und Margit Wagner, Demografie-Expertin in der Vogelsberger Kreisverwaltung, in Thüringen, um auf Schloss Ettersburg über die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume zu diskutieren.
Deutschlands Bevölkerung schrumpft und altert. Insbesondere ländliche Räume verlieren deutlich an Einwohnern. Viele jüngere Menschen wandern ab, es fehlt an Fachkräften, die Einnahmen der Kommunen sinken. Wohnhäuser stehen leer und Immobilien verlieren stark an Wert. Die Dörfer sind zum Teil in ihrer Existenz gefährdet, stellt das „Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung“ in einer Studie fest. Dazu hat das renommierte Institut den Vogelsbergkreis und den Landkreis Greiz in Thüringen wissenschaftlich genauer in den Blick genommen (die OZ berichtete), um unter anderem herauszufinden, was denn die Faktoren sein könnten, die die Dörfer stabilisieren. Die beiden Kreise sind im Forschungsprojekt „Die Zukunft der Dörfer“ sozusagen die Prototypen um wesentliche Erkenntnisse abzuleiten - nicht zuletzt für die Kreis- und Kommunalpolitik. Eine Erkenntnis: Je kleiner die Orte und je weiter sie von Städten entfernt sind, desto schwieriger ist oft die Situation.
In Schloss Ettersburg bei Weimar findet mit Vertretern aus Politik und Verwaltung, der lokalen Wirtschaft sowie Regionalplanern und Demografieexperten eine erste Informations- und Diskussionsrunde zu den Ergebnissen der Studie statt. Der Vogelsbergkreis wird mit Margit Wagner, als Leiterin der Dorf- und Regionalentwicklung in der Kreisverwaltung und mit Lautertals Bürgermeister Heiko Stock vertreten sein.
Stock wird ein Impulsreferat zu den demografischen Herausforderungen für Kommunen im ländlichen Raum geben. Zentrale Themen sind dabei die Anpassung der technischen Infrastruktur und der Umgang mit Leerstand. Zugleich wird der Ausbau von erneuerbaren Energien als große Chance für den ländlichen Raum zum Thema gemacht.
Auf der Grundlage der Analyse geht es letztendlich um Zukunftschancen und erste Handlungsempfehlungen für den ländlichen Raum. „Das passt inhaltlich gut zum Aktionsprogramm „Regionalstrategie Daseinsvorsorge“, so Wagner. Der Vogelsbergkreis ist eine der 21 Modellregionen, die sich intensiv mit den genannten Themenbereichen beschäftigen wird. Zudem können diese Plattformen dazu genutzt werden, die begonnene Diskussion zu differenzierten Standards zwischen Stadt und Land weiter voranzubringen, ist Margit Wagner überzeugt.
In der Studie des Berlin-Instituts im Auftrag der Stiftung Schloss Ettersburg (Thüringen) wurden mehr als 300 Dörfer mit bis zu 500 Einwohnern in Thüringen in den Kreisen detailliert untersucht hinsichtlich ihrer Zukunftschancen. Begleitet wurde die Studie vom Amt für den ländlichen Raum des Vogelsbergkreises sowie von etlichen Bürgermeistern durch Interviews und das Bereitstellen von Daten.
Eine wichtige Erkenntnis: Dorf ist nicht gleich Dorf, zum Beispiel „werden die Entwicklungschancen von der Lage oder vom bürgerschaftlichen Engagement wesentlich beeinflusst“, betont Wagner. Wesentliche Faktoren für die Zukunftsfähigkeit seien die Altersstruktur, die Bevölkerungsentwicklung, der Leerstand von Gebäuden, der Vitalitätsgrad des Vereinslebens und die Entfernung zu den nächstgelegenen Zentren. Laut Berlin-Institut lassen sich jetzt Schlussfolgerungen und erste Handlungsempfehlungen zur Zukunftsfähigkeit dörflicher Siedlungsstrukturen ableiten.
Die Ergebnisse der Studie „Zukunft der Dörfer“ werden am 16. Januar 2012 in Romrod präsentiert und mit Vertretern von Land, Kreis, Kommunen und weiteren Experten diskutiert, erläutert Margit Wagner.
Informationen zur Studie „Die Zukunft der Dörfer“: www.berlin-institut.org.