BDM Vogelsberg informierte über aktuelle Entwicklung - Nachwuchsgruppe gegründet
(dg). "Die Zeit ist reif für eine Milch, die biologisch wertvoll, natürlich, gentechnikfrei, gesund und gerecht zu Bauern und Verbrauchern ist", betonte der Vorsitzende des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) Romuald Schaber bei einer Informationsveranstaltung des BDM Vogelsberg im Gasthof Graulich in Rainrod. Trotz heftigen Schneefalls waren über 100 interessierte Milchbauern gekommen, um sich über die neuesten Entwicklungen in der Milchpolitik zu informieren.
In Zeiten von Milchstreiks und sinkenden Milchpreisen müsse die Idee, noch eine Milch auf den Markt zu bringen, zuerst befremdlich wirken, meinte Schaber. Doch bei genauem Hinsehen stelle man deutliche Unterschiede zwischen der "fairen Milch" und herkömmlicher Milch fest. Die Milch, die von Höfen aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen komme, werde regional verkauft.
"Die Regionalität unserer Milch ist ein Kriterium, was sie einzigartig macht. Denn nur bei regional erzeugten Produkten kann der Verbraucher die Art und Weise der Produktion beeinflussen", betonte er.
Als größten Unterschied zu anderen Milchsorten bezeichnete er die Tatsache, dass die Landwirte einen voll kostendeckenden Milchpreis erhielten. Von 99 Cent pro Liter gingen 40 Cent an die Milchbauern. Dadurch sei das Fortbestehen der Höfe und der Arbeitsplätze in der Region gesichert: "Die Existenz der Höfe sichert uns auch den Erhalt unserer seit über 100 Jahren geschaffenen Kulturlandschaft. Wenn wir nicht aufpassen, werden im Rahmen der Globalisierung unsere heimischen Bauernhöfe verschwinden. Und mit ihnen auch das einzigartige Landschaftsbild, von dem unter anderem der Tourismus abhängig ist".
Ein wichtiges Merkmal der "fairen Milch" sei auch der überdurchschnittlich hohe Anteil an Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu herkömmlicher Milch. Alle Kühe der "fairen Milch"-Erzeuger würden artgerecht gehalten und zudem engagiere sich jeder der Milchbauern für ein persönliches Umwelt- oder Tierschutzprojekt. Nicht nur aus diesem Grund stünden auch Imker- und Naturschutzverbände hinter der "fairen Milch".
Als eine der ersten Milchsorten dürfe sich die "faire Milch" außerdem mit dem offiziellen Siegel "gentechnikfrei" schmücken. "Wir wollen das Risiko von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht tragen und verzichten daher darauf, sie zu verfüttern", betonte Schaber. "Strenge Richtlinien für Anbau und Produktion, sowie regelmäßige Kontrollen schaffen Sicherheit und Transparenz für die Verbraucher."
Die hohen Qualitätskriterien der "fairen Milch" würden regelmäßig durch eine neutrale Stelle kontrolliert.
Langfristig sollen auch Milchprodukte wie Butter oder Käse unter dem Label der "fairen Milch" in den Handel kommen. Zunächst aber werde die "faire Milch" in 1200 Rewe- und 300 Tegutfilialen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen erhältlich sein.
Über die offizielle Gründungsversammlung des BDM Young auf der "Grünen Woche" in Berlin berichtete anschließend Patrick Schäfer (Herleshausen), der zusammen mit Nadine Reichel (Solms) die Hessische BDM-Jugend im Bundesvorstand vertritt. Die Initiatoren des BDM Young wollen ihr Augenmerk auf die aktive Interessenvertretung junger Milchbauern und -bäuerinnen richten. Auf lange Sicht aber sollen die Arbeitsplätze gesichert werden, die durch Umstrukturierung für Jungbauern in Gefahr seien.
Zu Beginn der Veranstaltung waren die Mitglieder des BDM-Kreisvorstandes Vogelsbergkreis neu gewählt worden. Teamleiter ist Olaf Harder (Fraurombach) sein Stellvertreter Jürgen Hochgrebe (Homberg). Weitere Mitglieder sind Henning Caspar (Heimertshausen), Ingrid Pöhl (Reichlos), Hans-Ulrich Schmidt (Kaulstoß) und Friedrich Hedtrich (Schlitz).
Nach Grußworten vom stellvertretenden Kreislandwirt Andreas Kornmann (Zell), dem SPD-Landtagsabgeordneten Manfred Görig, dem Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Christian Klüter, und Landrat Rudolf Marx wurde bekannt gegeben, dass am 6. Februar in Schlüchtern die erste Vogelsberger "faire Milch" abgefüllt wird.