Seit dem Jahr 2004 hat Kreis 7000 Einwohner verloren
26.06.2010 - VOGELSBERGKREIS
Vogelsbergkreis und Kommunen stellen Masterplan Demografie vor - Befragung der Bürger geplant
VOGELSBERGKREIS (vn). Der Vogelsberg steht vor besonders großen Herausforderungen durch den Bevölkerungsrückgang, er ist in der Entwicklung von Antworten aber auch weit fortgeschritten. Das ist die Ansicht der Experten, die sich im Vogelsberg mit dem demografischen Wandel beschäftigen.
Die Entwicklung ist dramatisch: Der Kreis ist bereits heute der am dünnsten besiedelte in Hessen, der Altersdurchschnitt der Bevölkerung ist hoch, die Orte sind weit voneinander entfernt. Der Kreis verliert jedes Jahr gut 1000 Einwohner. „Seit 2004 haben wir 7000 Einwohner verloren. Das entspricht dem Verlust der Kommunen Romrod, Kirtorf und Antrifttal zusammen. Es ist wie im Dreißigjährigen Krieg, als ganze Ortschaften verschwanden“, skizziert Landrat Rudolf Marx (CDU) die Lage.
Das Schrumpfen trifft die Orte unterschiedlich. In manchen Dörfern stehen zehn Prozent der Häuser bereits leer, berichtet Margit Wagner, Leiterin der Regionalentwicklung im Landratsamt.
Kreisverwaltung, Bürgermeister, Vogelsberg Consult und Bürger haben gemeinsam einen „Masterplan Demografie“ entwickelt, den Marx mit Experten vorstellte.
Der Masterplan umfasst drei Hauptziele. Die Experten verlangen eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung des ländlichen Raums, mehr Motivation in der Bürgerschaft und die Veränderung gesetzlicher Standards, die den ländlichen Raum benachteiligen, wie etwa bei der Kontrolle von Kanälen.
Landrat Marx sowie die Bürgermeister Dr. Birgit Richtberg (Romrod) und Heiko Stock (Lautertal) waren sich einig, dass sie nur Erfolg haben können, wenn sie Bürger und Politiker aus dem Rhein-Main-Gebiet sensibilisieren können, dass stabile Verhältnisse auf dem flachen Land auch im Interesse der Ballungsräume liegen.
Die Vogelsberger müssten sich darauf einstellen, dass die Kommunen ihre Standards senkt - von der Häufigkeit des Mähens an Friedhöfen über die Versorgung mit öffentlichem Nahverkehr bis zur technischen Ausstattung der Feuerwehrfahrzeuge, sagte Richtberg. „Die Einsicht, dass es Einschnitte geben muss, ist noch nicht weit verbreitet“, warnte sie. Die Bürger müssten mehr Verantwortung für ihre Kommune übernehmen.
Bei Gebührenerhöhungen müsse man bedenken, dass sie dazu führen könnten, dass der Abwanderungsdruck noch zunehme. Um zu erfahren, welche Elemente der Infrastruktur sie für unverzichtbar halten, wollen die Kommunen ihre Bürger befragen und dafür einen abgestimmten Fragebogen erarbeiten.
Bei den Einzelmaßnahmen setzt der Masterplan auf eine Vielzahl kleiner, kostengünstiger Maßnahmen, die von der energieeffizienten Dorferneuerung über die Nachbarschaftshilfe bis zur interkommunalen Zusammenarbeit reicht. „Bei all diesen Maßnahmen sind wir schon weiter als alle anderen Regionen in Deutschland“, sagte Stock und verwies auf Vergleiche, die er bei einem Kongress in Berlin habe ziehen können.
Ein wichtiges Feld ist für Marx die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in einer Zeit, in der sich Ärzte immer seltener auf dem flachen Land niederließen. Hier müsse die Kommunalpolitik trotz fehlender Zuständigkeit noch stärker vermittelnd tätig werden.