Firma Stock Deutsche Fenster meldet Insolvenz an
27.05.2010 - ANGERSBACH
Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Gießener Anwalt Ralf Diehl
(cke). Top-Fenster für Luxus-Villen in Aserbeidschan, Auftritte bei renommierten Fachmessen, Spezial-Aufträge für Fenster und Türen aus Aluminium und Holz in Europa und den USA - die Nachrichten aus dem Angersbacher Unternehmen Stock Deutsche Fenster GmbH klangen in den vergangenen Jahren gut. Am Dienstagmorgen ereilte die rund 50 Mitarbeiter in einer von Geschäftsführer Hans-Jürgen Schlüpner kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung die Hiobsbotschaft, mit der trotz ausstehender Löhne keiner gerechnet hatte: "Wir müssen Insolvenz anmelden."
Hohe Außenstände und eine verschlechterte Auftragslage auf dem Weltmarkt führte Schlüpner gegenüber der Mitarbeiterschaft als Gründe für diesen Schritt an. Noch am Mittag desselben Tages beantragte Schlüpner beim Insolvenzgericht in Gießen für sein Unternehmen Insolvenz. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Gießener Rechtsanwalt Ralf Diehl bestellt.
Die Stimmung in der Mitarbeiterschaft ist gedrückt. Zwar haben einige von ihnen mit ihrer Firma schon einmal eine Talfahrt erlebt, nach der es relativ schnell wieder bergauf ging. Aber wie es jetzt um die Zukunft des Unternehmens bestellt sein wird, ist ungewiss. Bereits im Jahr 2004 hatte das Vorgänger-Unternehmen in Angersbach Insolvenz angemeldet. Mit einer verbesserten Kostenstruktur und einem verkleinerten Mitarbeiterstamm hatte Schlüpner, der auch damals bereits Geschäftsführer in Angersbach war, die Produktion mit einer neuen Firma weitergeführt. Als Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter im Unternehmen, in dem die frühere Eigentümer-Familie Stock noch Anteile hält, hatte Hans-Jürgen Schlüpner die Exportgeschäfte kontinuierlich ausgebaut und sich mit einer speziellen Produktpalette - etwa Türen aus Holz und Holz-Aluminium-Kombinationen für Fenster - auf dem internationalen Markt etabliert. Speziell für den russischen Markt war gar ein goldenes Schiebefenster mit Sprossen in Zwiebelturmform kreiert worden.
Gestern Mittag stellte sich der vorläufige Insolvenzverwalter Ralf Diehl der Stock-Belegschaft in einer Betriebsversammlung vor und erklärte, dass er durchaus Chancen sehe, dass die Produktion am Standort Angersbach weitergehen könne. Dass sich ein Investor finden lässt, darauf ruhen die Hoffnungen von Geschäftsführung und vorläufigem Insolvenzverwalter.
Der Betrieb bei Stock läuft weiter, Aufträge liegen vor, die abgearbeitet werden. Eine offizielle Stellungnahme seitens des Geschäftsführers über die Gründe für die Schieflage und die Zukunft des Unternehmens blieb gestern aus. Hans-Jürgen Schlüpner war für ein Gespräch mit unserer Zeitung nicht erreichbar.