„Die Stadt hat sich mit der Bilanz nicht reich gerechnet“
03.02.2012 - KIRTORF
Ulrich Künz bringt Eröffnungsbilanz ein - Einstimmig von Stadtverordneten festgestellt
(rwh). Neues Jahr, altes Bild: Kleine Sticheleien während der Debatte, großes Einvernehmen bei der Abstimmung - dieses für die Kirtorfer Stadtverordnetenversammlung generell nicht untypische Bild prägte am Mittwoch auch die erste Sitzung nach dem Jahreswechsel.
Einstimmig beispielsweise stellten FWG/CDU und SPD/UWL die Eröffnungsbilanz der Stadt Kirtorf fest, würdigten auch übereinstimmend die guten Zahlen und doch gelang es den beiden Fraktionssprechern, dezente Spitzen in Richtung der jeweils anderen Fraktion unterzubringen.
Zuvor hatte Bürgermeister Ulrich Künz die Eröffnungsbilanz vorgestellt, mit der die Stadt „einen wichtigen Schritt in Richtung auf eine endgültige und erfolgreiche Einführung der doppischen Buchführung“ getan habe. Gegenüber der bisherigen kameralen Haushaltsführung sei dies der „letzte Schritt vom Geldverbrauchskonzept zum Ressourcenverbrauchskonzept“. Doppik sei mehr als „nur ein neuer Rechnungsstil“, die Verwaltung verspreche sich „eine transparente Darstellung der tatsächlichen Ertrags- und Finanzkraft der Stadt“ und deutlich bessere Möglichkeiten zur betriebswirtschaftlichen Steuerung“.
Künz, der die erforderlichen umfangreichen Vorarbeiten betonte, legte Wert auf die Feststellung, dass sich die Stadt bei der Aufstellung der Bilanz „nicht reich gerechnet hat“. Und weiter: „Wir haben tatsächliche und realistische Werte angenommen und eher konservativ bewertet“.
In der Eröffnungsbilanz weist Kirtorf eine Bilanzsumme von 20 Millionen Euro aus, die sich auf der Aktivaseite aus 18,6 Millionen Euro Anlagevermögen und 1,4 Millionen Euro Umlaufvermögen zusammensetzt. Auf der Passiva-Seite werden 6,3 Millionen Euro Sonderposten für erhaltene Zuschüsse, eine Million Euro Rückstellungen und Verbindlichkeiten in Höhe von 3,4 Millionen Euro ausgewiesen. Damit ergebe sich ein Eigenkapital von 9,3 Millionen Euro. Vergleiche man Eigenkapital und Schulden errechne sich für Kirtorf eine Eigenkapitalquote von 46 Prozent, mit Berücksichtigung der Sonderposten sogar von 78 Prozent. Eine Quote, von der nach den Worten des Steuerberaters der Stadt „manches Unternehmen träumt“, wie Künz ihn zitierte.
Die Quote nahm FWG/CDU-Sprecher Andreas Herbst auf, um Bürgermeister und Verwaltung ausdrücklich zu loben und festzustellen, sie sei „herausragend im Vogelsbergkreis“. Seine Fraktion habe schon immer gewusst, dass die Kirtorfer Finanzen in Ordnung seien, die Eröffnungsbilanz liefere nun den Nachweis, „dass bei uns alles passt“.
Dass Künz bei seinen Erläuterungen erwähnt hatte, mit der Vorlage der Eröffnungsbilanz auch einem Wunsch des SPD/UWL-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Raab nachzukommen, ließ der nicht unerwidert. Er habe in seiner Haushaltsrede am Jahresende die schnelle Vorlage der Bilanz gefordert, entgegnete Raab, weil er sich wundere, weshalb sie erst so spät aufgestellt worden sei. Andere Gemeinden um Kirtorf herum seien wesentlich schneller gewesen. Außerdem gebe es, wie die „vorzügliche Eigenkapitalquote“ zeige, „gar keinen Grund“, so lange zu warten. Raab: „Die Zahlen stimmen“, wobei er, anders als Andreas Herbst, dies nicht allein als Verdienst des Bürgermeisters und der Verwaltung gewertet sehen wollte: „Das ist ein Verdienst von uns allen“.