4 min
Wilde Natur am Erbeskopf erleben
Von Ute Strunk
Stellvertretende Redaktionsleiterin Leben/Wissen
Die Nationalparkausstellung zeigt Vergangenheit und Zukunft der regionalen Natur. Foto: Ute Strunk
Den Übergang vom "normalen" Wald in den geschützten Nationalpark bemerkt man nur, wenn man genau darauf achtet: Es gibt hier viel weniger Fichten. Kein Wunder: Eine der Besonderheiten im Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist der alte Buchenwald. Rund 50 Prozent der 10 000 Hektar großen Fläche zwischen Birkenfeld, Idar-Oberstein, Hermeskeil, Morbach, Thalfang und Nonnweiler ist mit Rotbuchen bewachsen. Eine Art Pufferzone schottet das touristisch sehr stark besuchte Plateau des Erbeskopfes in Hilscheid, den mit 816 Metern höchsten Berg in Rheinland-Pfalz, ein bisschen vom Nationalpark ab. Nur ein paar Schritte sind es von der Windklangskulptur bis zum Naturwaldreservat Gottlob. "Das ist eine Schatzkiste im Nationalpark", erklärt Nationalparkführerin Petra Schmidt. Hier gelten strenge Regeln: Spaziergänger müssen unbedingt auf den Wegen bleiben, es ist verboten Pilze zu sammeln, man darf kein Moos, keine Rinde entfernen und nichts pflücken. Die Naturwaldreservate wurden als Flächen ausgewiesen, die nicht bewirtschaftet werden. Hier darf sich die Natur ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Insgesamt gibt es in Deutschland circa 740 Naturwaldreservate, 54 davon in Rheinland-Pfalz und sechs im Nationalpark - allein vier am Erbeskopf.
Damit ist auch der jüngste Nationalpark Deutschlands eine Arche Noah für bedrohte Arten. Nationalparkführerin Petra Schmidt stellt ihren Gästen die älteste Buche des Waldes vor - eine 350 Jahre alte Krüppelbuche, die im Gegensatz zu ihren Schwestern nicht besonders hoch gewachsen ist. "Der quarzithaltige Boden bietet hier nicht viele Nährstoffe. Vor allem aber sind die Äste der Buche aufgrund von Schneebruch und für die Herstellung von Holzkohle immer wieder abgeschlagen worden", sagt Schmidt.
Die Nationalparkführerin zeigt ihren Gästen die Besonderheiten des Waldes. Und sie bietet als einzige gewandete Touren an. Dabei führt sie in der Rolle einer Magd aus der Zeit um 430 n. Chr. auf den Spuren des Nibelungenlieds zum Siegfriedsborn, einer Quelle am Hohltriefbach. Hier soll der Sage nach ihr Herr, der Hagen von Tronege, den fast unverwundbaren Helden Siegfried ermordet haben. Denn etliche Überlieferungen sprechen dafür, dass die Sagengestalten als geschichtliche Persönlichkeiten am Erbeskopf zu Hause waren.
Die Nationalparkführerin zeigt ihren Gästen die Besonderheiten des Waldes. Und sie bietet als einzige gewandete Touren an. Dabei führt sie in der Rolle einer Magd aus der Zeit um 430 n. Chr. auf den Spuren des Nibelungenlieds zum Siegfriedsborn, einer Quelle am Hohltriefbach. Hier soll der Sage nach ihr Herr, der Hagen von Tronege, den fast unverwundbaren Helden Siegfried ermordet haben. Denn etliche Überlieferungen sprechen dafür, dass die Sagengestalten als geschichtliche Persönlichkeiten am Erbeskopf zu Hause waren.
Wer sich weniger für Kultur und mehr für die Natur interessiert, kann diese bei einer geführten Rangertour entdecken. Außer montags findet der kostenlose Rangerspaziergang immer um 14 Uhr statt, bei dem Einzelbesucher und Familien einfach mitgehen können.
Nationalparkausstellung zeigt, wie ein Wald
wieder zur Wildnis wird
wieder zur Wildnis wird
Eine Buche kann mehr als 400 Jahre alt werden, das entspricht etwa fünf Menschengenerationen. Informationen zu solchen Themen erhalten Besucher der Nationalparkausstellung, die seit dem vorigen Jahr im Hunsrückhaus am Erbeskopf gezeigt wird. In der multimedialen Ausstellung erfährt man viel über die artenreichen Lebensräume des Nationalparks, über die Wälder und Moore. Ist Totholz wirklich tot? Wozu sind Moore da? Und warum gibt es überhaupt einen Nationalpark? An verschiedenen Stationen wird dargestellt, wie sich der Wald von 10 000 v. Chr. bis 2100 immer wieder verändert hat und verändern wird - durch die Nutzung von Römern, Kelten bis zur Industrialisierung und in der heutigen modernen Zeit. Da der Nationalpark Hunsrück-Hochwald im Kerngebiet ein alter Buchenwald ist, versucht die Ausstellung zu vermitteln, wie lange es dauert, bis ein stark genutzter Wald wieder annähernd in Wildnis verwandelt wird - geschweige denn in einen Urwald.
NATIONALPARK HUNSRÜCK-HOCHWALD
Hunsrückhaus, 54426 Hilscheid
Rangerspaziergang: di - so, 14 bis 15.30 Uhr (ab Hunsrückhaus)
Öffnungszeiten Nationalpark-
Ausstellung: di - so, 9 bis 17 Uhr,
Eintritt frei
Kosten Trailpark: Tagesticket
18 Euro, 12 Euro (bis 16 Jahre),
Halbtagesticket: 15 Euro (bis/ab 13:30 Uhr)
Seit dem vergangenen Sommer gibt es für junge Sportler ein weiteres Freizeitangebot am Erbeskopf: den Trailpark für Mountainbiker. Von April bis Oktober nutzen die Mountainbiker am Wochenende den Skilift als Aufstiegshilfe, um mit ihren Bikes auf den höchsten Berg von Rheinland-Pfalz zu gelangen. Aktuell gibt es Strecken in drei Schwierigkeitsgraden von leicht bis schwer, eine vierte wird gerade gebaut. Bei allen Strecken steht der Fahrspaß im Mittelpunkt. Daniel Gregor, der gemeinsam mit seinem Freund Martin Halm den Trailpark eröffnet hat, empfiehlt die rote Wildcat-Strecke, weil sie die beste Mischung aus allem bietet, was man in Bike-Parks findet: "Sie beginnt oben im offenen Gelände. Dort gibt es sehr viele Steine und Holzbrücken. Dann führt sie über naturbelassene Flächen und am Schluss gibt es viele Möglichkeiten zum Springen auf der Wiese", sagt er und ergänzt: "Das gibt dann ordentlich Adrenalin, wenn man mal fünf Meter durch die Luft fliegt." Anfänger und Kinder fahren auf der "Blue Viper" und für Experten gibt es den schwarz eingestuften Schinderhannes-Trail.
Zwar bringen die meisten ihre eigenen Räder mit, aber Anfänger können Helme, Protektoren und auch Räder ausleihen - sogar Kinderräder. Geöffnet ist Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen.