Verunsicherung bei Thomas-Cook-Kunden im Vogelsberg
Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook sorgt auch im Vogelsberg dafür, dass sich die Vorfreude vieler Reisebürokunden in tiefe Enttäuschung und Frust verwandelt hat. Die große Frage auch in der Region ist es nun: Wie geht es weiter für die Kunden? Diese Frage treibt auch die Betreiber der Reisebüros um.
Von Oliver Hack und Andreas Ungermann
Der Reiseveranstalter Thomas Cook ist pleite. Was bedeutet das für die Kunden? Foto: dpa
Jetzt teilen:
Jetzt teilen:
VOGELSBERGKREIS - Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook sorgt auch im Vogelsberg dafür, dass sich die Vorfreude vieler Reisebürokunden in tiefe Enttäuschung und Frust verwandelt hat. Die große Frage auch in der Region ist es nun: Wie geht es weiter für die Kunden? Diese Frage treibt auch die Betreiber der Reisebüros um.
Mark Philippi, der in Lauterbach, Alsfeld und Mücke Reisebüros betreibt, bekennt frustriert: "Wir wissen nicht, was passiert. Die Kunden rufen täglich an, aber wir können auch nichts sagen." Betroffen von der Pleite sei jedenfalls eine "nicht kleine Anzahl" von Kunden, die über deutsche Thomas-Cook-Töchter, wie beispielsweise Neckermann Reisen, Bucher Last Minute oder Öger-Tours ihre Reise gebucht haben. "Die Durchführung von Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September kann nicht gewährleistet werden", hieß es am Montag auf den Webseiten dieser Veranstalter.
Am Montag hatte auch Geschäftsführer Philippi von Thomas Cook Deutschland - dieser Unternehmensteil ist nicht Teil des Insolvenzverfahrens - die Information erhalten, dass bis einschließlich Dienstag, 24. September, gebuchte Reisen nicht mehr angetreten werden können.
Diese Frist wurde aber laut Carolin Schultheiß vom Lauterbacher Merican-Reisebüro am Dienstagnachmittag auf den 26. September verlängert. Wie es danach weitergeht, können die Reisebüros noch nicht sagen. Auch wenn die Situation für Mark Philippi insgesamt "noch händelbar ist", kann auch er also momentan nur abwarten.
Kunden, die bereits in den Urlaub geflogen sind, müssten sich allerdings keine Sorgen machen. "Es bleibt niemand zurück. Condor hat eine Verpflichtung zur Rückholung."
Wie es nach dem 26. September weitergeht, ist noch offen. Am Montag hatte Mark Philippi noch die Information erhalten, dass Buchungen, die für die Zeit nach dem - mittlerweile aber verschobenen - Stichtag 25. September getätigt wurden, nicht geändert oder storniert werden können. Eine Entscheidung über diese Flüge sollte, Stand Dienstagmittag, am Mittwoch fallen.
Auch im Merican-Reisebüro bleibt den Angestellten nichts anderes übrig, als die Entwicklungen abzuwarten. "Wir hangeln uns von interner Meldung zu interner Meldung", so Schultheis. Je länger die Unklarheit über das weitere Schicksal der bereits getätigten Buchungen anhält, desto mehr Kunden seien betroffen. Und nun stehen auch die Herbstferien vor der Tür. Am Montag habe man noch einige Kunden umbuchen können. Alle gäben ihr Bestes, die Kunden soweit wie möglich zeitnah zu informieren, versichert die Reisebüroangestellte.
Mehr als das, was Thomas Cook bislang offiziell verlautbaren ließ, sei auch im Reisebüro Holiday Land in Alsfeld nicht bekannt. So lange sie keine näheren Informationen habe, seien ihnen die Hände gebunden, sagt Lisa Lerch. Im Holiday Land warte man nun auch auf verlässliche Auskünfte. Die Verunsicherung durch Berichte über die Insolvenz des britischen Unternehmens sowie durch Diskussionen in Sozialen Netzwerken sei ohnehin schon groß genug. "Bis dahin versuchen wir unseren betroffenen Kunden ihre Urlaubstage, die sie noch haben, so angenehm wie möglich zu gestalten, und beruhigen sie soweit wie möglich", sagt Lisa Lerch.
Auf die Informationen aus dem Reisebüro ist auch ein Romröder angewiesen, der kommende Woche eigentlich "einfach nur mal ein paar Tage wegfliegen und die Sonne auf Mallorca genießen will". Die Situation stimmt ihn wegen der aktuellen Ungewissheit, ob er seine Reise überhaupt antreten kann, nicht glücklich. "Ich weiß noch gar nicht, ob ich am Ende fliegen kann", sagt er. Stand Dienstagnachmittag könne er noch davon ausgehen, in den Urlaub zu kommen, da sein Vertrag mit der deutschen Thomas-Cook-Tochter Neckermann geschlossen sei. Im Reisebüro sei ihm empfohlen worden, bis Ende der Woche abzuwarten und sich dann noch einmal zu erkundigen. Bis dahin verfolgt er die Nachrichten rund um die Insolvenz des Unternehmens sehr intensiv.
"Ich bin erst einmal froh, dass wir noch nicht diese Woche geflogen sind, so bleiben noch die eineinhalb Wochen Luft, um abzuwarten, was passiert", berichtet der Romröder und äußert eine Befürchtung: "Wir wissen noch nicht, wie es ausgeht. Immerhin kann es uns auch noch in letzter Minute am Flughafen passieren, dass es heißt: ,Der Flug nach Mallorca geht nicht'."