"Übler Bodenfresser muss vom Tisch"

Von red

VOGELSBERGKREIS - "Bei all der Aufregung um den Dannenröder Wald, der dem Planungsdinosaurier A 49 zum Opfer fallen soll, dürfen wir nicht vergessen, dass dies nicht der letzte Ökozid ist, den unsere Regierung noch schnell durchziehen will, bevor sie - vielleicht - die längst überfällige Verkehrswende zaghaft anpacken könnte", erklärt Katharina Jacob, eine der Spitzenkandidatinnen der Linken für den Kreistag und der Lauterbacher Stadtverordnetenversammlung in einer Pressemeldung. Wie bereits im Dannenröder Forst werde "Die Linke" auch in Lauterbach und Umgebung sich weiterer Bodenversiegelung durch unnötigen Straßenbau entgegenstellen: konkret der Ortsumgehung für Lauterbach und Wartenberg.

Nicht umsonst habe die Gemeinde Wartenberg das Bauvorhaben abgelehnt: "Aufgrund der gering belastbaren Verhandlungsergebnisse wird das Projekt der Ortsumgehung Bundesstraße 254 seitens der Gemeinde Wartenberg abgelehnt. Der Gemeindevorstand wird beauftragt, das Abstimmungsergebnis unverzüglich dem zuständigen Bundes- und Landesministerium sowie dem Regierungspräsidenten Gießen als Verfahrensbehörde mitzuteilen", habe der seinerzeitige Beschluss gelautet.

"Ein übler Bodenfresser", so nennt Dr. Wolfgang Dennhöfer, der Vorsitzende des BUND-Kreisverbandes, diese Sünde an der Natur. 80 Hektar Äcker, Wiesen und Natur würden unter Asphalt und diversen "Nebenanlagen" verschwinden, ein Verlust, der durch keine Ausgleichsmaßnahme wieder gut gemacht werden könne. "Der Zauber unserer Landschaft soll monströsen Brückenbauwerken und Anschluss-Kreiseln weichen", empört sich Dennhöfer, "und all das, damit Lkw wenige Minuten schneller von Fulda nach Alsfeld kommen." Auch hier sehe nicht nur der BUND, sondern auch "Die Linke" eine Parallele zur "Umweltsünde A 49". Ein weiterer gemeinsamer Kritikpunkt seien Ausgleichsmaßnahmen, die eher ein Feigenblatt darstellten als einen sinnvollen Beitrag zum Umweltschutz. Die vorgesehene Renaturierung der Lauter könnte auch ohne diese Mammut-Bodenversiegelung vonstattengehen. "Bemerkenswert ist hier, dass der Biber sich dieser Renaturierung bereits annehmen möchte, gratis und franko, denn der wackere Nager schert sich nicht um Geld. Man muss ihn nur lassen. Die für diese Maßnahmen frei werdenden Gelder könnten sinnvoller eingesetzt werden", so Jacob.

Dass der Schutz der Menschen für die Autolobby keine bedeutende Rolle spiele, sehe man laut Dennhöfer daran, dass der Schwerlastverkehr, der die Anwohner der Gemeinde Wartenberg so plage, auch ohne Umweltsünde in seine Schranken verwiesen werden könnte. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung wäre längst überfällig und ebenso problemlos durchzusetzen wie ein Nachtfahrverbot für Lkw, beides wäre auch ungleich preisgünstiger zu haben als eine Ortsumgehung für 84 Millionen Euro. In diesem Zusammenhang erinnere "Die Linke" an die Erfahrungen mit der A 49, die mit jedem Tag teurer zu werden scheine, inzwischen seien dafür gar anderthalb Milliarden Euro im Gespräch. Eine ähnliche Entwicklung wäre bei der B 254 sehr wahrscheinlich.

Wie diese NGOs fordern die Linken den Erhalt des Lauterbacher Grabens, den Erhalt gesunden Ackerlandes, den Erhalt des Erholungsgebietes mit seinen zahlreichen Wanderwegen und der romantischen Burg Wartenberg, die nicht im Autolärm versinken soll. Hinzu komme, dass FFH-Gebiete durch den Bau dieser Straße tangiert würden, was in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens nicht mehr zu vermitteln sei.

Die Linke fordere aus diesen Gründen, dass diese Baumaßnahme endgültig vom Tisch komme. Arbeitsplätze seien ein gewichtiges Argument, stünden aber bei der B254 durch den minimalen Effekt bei immensen Kosten in keinem angemessenen Verhältnis zum Schaden, der durch die neue Straße entstehe.