LAUBACH-LAUTERN - Eine 13-Jährige begeistert mit ihren Fähigkeiten nicht nur Freunde und Familie, sondern auch leichtathletikaffine Personen in ganz Hessen. Jana Becker lautet der Name des Mädchens, das erst Anfang Juni an den Hessischen Meisterschaften der U16 und U20 teilnahm und dort eine für Aufsehen sorgende persönliche Bestzeit aufstellte.
Seit fünf Jahren hat sie Interesse an der Leichtathletik gefunden, zu dem Zeitpunkt war sie acht Jahre alt. Das Faible für die Sportart liegt in der Familie, ihre Mutter Miriam war früher selbst eine leidenschaftliche Leichtathletin. Sie stammt aus der LA-Dynastie Steyskal in Garbenteich. Ihr Vater Jörg war als Schwimmer, Tennisspieler und Basketballer sportlich aktiv.
Die bei Schülern meist unbeliebten Bundesjugendspiele weckten bei ihr das Interesse für die Sportart. Jana Becker spielte zuvor einige Jahre Basketball, entschied sich auch der Sportart wegen nach der Grundschule für einen Wechsel zur Theo-Koch-Schule in Grünberg. Vor zwei Jahren traf sie jedoch die Entscheidung, sich von nun an auf die Leichtathletik zu fokussieren - und dies mit sichtlichem Erfolg.
Die Basis für diesen bildet ihr Training bei der LG Wettenberg, welches jede Woche montags, mittwochs und freitags stattfindet. Das typische Training im Verein besteht aus Warmlaufen oder manchmal auch einem Fußball-Spiel, vielen Dehnübungen, Krafttraining, Koordinationsübungen, Steigerungsläufen und wettkampfspezifischen Übungen, die von der Art des nächsten Wettkampfs abhängen. Doch der Verein bietet der jungen Leichtathletin nicht nur intensives Training, sondern auch eine tolle Gruppe an Gleichgesinnten. Sie erzählt von einer lockeren Atmosphäre zwischen den Athleten und Trainerin Beke (Lischka-)Scheil. "Wir sind eine richtige Mädelstruppe, es sind noch zwei ältere Jungs dabei, aber die machen auch alles mit. Der Umgang in der LG ist sehr locker und entspannt."
Neben dem regulären Training absolviert Jana Becker einmal in der Woche ein Physiotraining beim Team Tokyo, der Nachfolgegruppe des Team Olympia von Dirk Lösel.
Dieses dient zur Kompensation ihrer Schwächen. Doch wie darf man sich dieses Training vorstellen? Es besteht aus drei Teilbereichen: dem "Warm-up" am Laufband, "movement exercises" für die Bewegungsfähigkeit und schließlich werden "corrective exercises" ausgeführt, die der jungen Athletin dabei helfen sollen, ihre Schwächen auszugleichen. Diese wurden vor Beginn des Trainings mittels einer Schwäche-Analyse lokalisiert. Daraufhin erhielt Jana Becker ihren persönlichen Trainingsplan, der sich aus den oben genannten Aufgabenbereichen zusammensetzt. "Der persönliche Trainingsplan dient als gute Grundlage für das spätere Krafttraining", erklärt sie, während sie den Plan zeigt. Neben Vereins- und Physiotraining läuft sie in ihrer Freizeit ein- bis zweimal wöchentlich mit ihrer Mutter im nahe gelegenen Wald von Laubach-Lauter.
Den größten Erfolg hat Jana Becker aktuell auf der 800 Meter-Strecke, ihre Bestzeit beträgt 2:09,99 Minuten, die sie Anfang Juni bei der Pfungstädter Laufgala aufstellte. Doch misst sie sich aktuell nicht nur in dieser Disziplin, sondern ihrer Altersklasse entsprechend im sogenannten Block "Lauf", der sich zusätzlich aus 60 m Hürden, 75 m-Sprint, Ballwurf und Weitsprung zusammensetzt. Erst später, ab 16 Jahren, könne man anfangen, sich zu spezialisieren. Vorerst schließt Jana Becker den Mehrkampf für ihre zukünftige sportliche Karriere aus, jedoch hält sie sich noch alle Türen offen. Für eine Entscheidung hat sie noch genug Zeit.
Anfang Juni stellte die Lauterin bei den Hessischen Meisterschaften in Gelnhausen (kurz vor dem Start in Pfungstadt) mit 2:13,09 bereits eine Bestzeit auf. Sie war schon alleine sehr glücklich darüber, dass sie sich für die Meisterschaften qualifiziert hatte. "Ich hätte nicht gedacht, dass mein Körper das wirklich kann", blickt Jana Becker selbst etwas überrascht zurück. Auf der anderen Seite erkenne sie daran, dass sich das lange Trainieren bezahlt gemacht habe.
Ihren Erfolg erklärt sich die Läuferin nicht nur durch das intensive Training, sondern auch durch die starke Unterstützung, die sie von Familie und Freunden erfährt. Auf die Frage, wie sie mit Tiefpunkten umgehe, antwortet Jana mit einem knappen "Einfach weitermachen" und verweist nochmals auf ihre Unterstützer, die wohl auch eine der größten Antriebsfedern ihrer Zuversicht sind. Weiteren Antrieb findet Jana Becker bei ihren Konkurrentinnen. So erzählt sie unter anderem, dass es für sie am besten ist, wenn man stets gegen mindestens eine Person läuft, die ein wenig stärker als man selbst ist. Das sei ein Ansporn, noch schneller laufen zu wollen und führe letztendlich auch zu Verbesserung der eigenen Zeiten. So war auch in Pfungstadt ein "Hase" mit im Spiel, der das Feld mit Jana Becker zu den schnellen Zeiten zog.
Becker befindet sich in regem Austausch mit ihren Konkurrentinnen (wie zum Beispiel Sophia Volkmer von der LG Wetzlar) und findet dabei sowohl Motivation als auch Inspiration. Denn sie blickt zuversichtlich in die Zukunft und hat schon einige Ziele für die nächste Saison: Allen voran möchte sie ihre Bestzeit bestätigen und weiterhin knapp unter 2:10 Minuten laufen. Im nächsten Jahr will Jana Becker sich zudem für die deutschen Blockmeisterschaften und die Süddeutschen Meisterschaften qualifizieren. Erst im Folgejahr darf sie sich dann an die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften wagen.
Bei einem Talent wie Jana Becker stellt sich selbstverständlich die Frage nach einer Zukunft im Leistungssport, der für die Lauterin durchaus vorstellbar wäre. "Einer meiner größten Träume wäre es, irgendwann einmal international starten zu dürfen", erzählt sie während des Gesprächs. Trotz ihrer hohen Ziele merkt man dem Talent an, dass es nicht nur wegen des Wunsches nach Erfolg trainiert, sondern vor allen Dingen, weil es Spaß am Sport hat. So rät sie allen, die das Gefühl haben, nicht gut genug für den Sport zu sein: "Egal, was andere sagen, man soll das machen, was einem Spaß macht."
In ihrer Freizeit nimmt Jana Becker neben dem Sport gern auch mal ein gutes Buch zur Hand und verbringt viel Zeit mit ihren Freunden, im Sommer vor allem im Freibad. Eine weitere Leidenschaft ist das Reisen, ein Auslandsjahr nach dem Abitur ist ebenfalls eine Zukunftsvision von ihr.