Neuer Bildband über Kunst im Besitz der TU Darmstadt

Technische Universität Darmstadt (Herausgeber):Kunst trifft Universität. Kunstwerke an der Technischen Universität DarmstadtJustus von Liebig Verlag, 212 Seiten, viele farbige Bilder

Das Buch „Kunst trifft Universität“ stellt vor allem Freiplastiken und Fassadenschmuck vor, die Darmstadts Stadtbild entscheidend mitprägen.

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DARMSTADT. In der Idee zu diesem Buch trafen sich zwei Menschen. Manfred Efinger ist als Kanzler der Technischen Universität Darmstadt auch zuständig für deren Kulturbereich und dachte schon länger darüber nach, die Bildende Kunst im Besitz der TU in einem Band zu versammeln. Inge Lorenz „hatte schon früher festgestellt, dass in den Zeitungen immer wieder Berichte über die Sammlung der TU zu lesen waren, es aber keine Publikation darüber gab“, wie sie sagt.

Technische Universität Darmstadt (Herausgeber):Kunst trifft Universität. Kunstwerke an der Technischen Universität DarmstadtJustus von Liebig Verlag, 212 Seiten, viele farbige Bilder

Lange Jahre war die Kunsthistorikerin Lorenz für die Stadt Darmstadt im Kulturbereich tätig, nun, im Ruhestand, machte sie sich Anfang 2015 an die Erarbeitung eines solchen Werkverzeichnisses. Die Recherchen, auch in Archiven, waren aufwendig, aber jetzt ist der Band im Darmstädter Justus von Liebig-Verlag erschienen. Und er ist weit mehr als „nur“ ein Verzeichnis der Plastiken und Bilder in TU-Besitz samt einer Darstellung der Einrichtung und der Ausstellungsarbeit des TU-Kunstforums, das im Jahr 2016 gegründet wurde, durch dessen Leiterin Julia Reichelt.

In 84 Einzeldarstellungen kann man vielmehr jeweils auf Doppelseiten dank der Einzelbeschreibungen von Inge Lorenz sowie exzellenten großformatigen Fotos von Thomas Ott sehr bekannte Kunst im öffentlichen Raum Darmstadts wahrlich neu kennenlernen. Denn man begreift: In den beschriebenen Freiplastiken wie in der sogenannten „Kunst am Bau“ von TU-Gebäuden, ja sogar in der Bauplastik alter Universitätsgebäude spiegeln sich historische Veränderungen der Stadt im Allgemeinen – und das über 125 Jahre hinweg.

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Entsprechend dieser Historie hat Inge Lorenz das Buch auch zweigeteilt: hier der Campus im Zentrum, dort der Campus an der Lichtwiese. Denn in der City spiegeln sich die Anfänge, die zunächst vom Historismus der Bauplastiken am alten TU-Hauptgebäude über den Jugendstil am ehemaligen Maschinenhaus bis zur Nazi-Kunst führen, die zwei Institutsgebäude der dreißiger Jahre schmückt. Dann kam der Bruch der Kriegszerstörungen – und das Wiederaufleben einer reichen Kulturszene in der Stadt in den ersten Nachkriegs-Jahrzehnten. Sie führte zunächst zu durchaus lokal ausgerichteten Kunstkäufen der TU für ihre neuen Bauten in der Innenstadt. Erst für das schrittweise errichtete Campus am Stadtrand mit Baubeginn im Jahr 1969, wurde sowohl Lokales wie Internationales erworben. Heute investiert die TU wieder gezielt in Außenplastiken: in Zeitgenössisches, das sowohl im sanierten Campus der Innenstadt wie auf der Lichtwiese seinen Platz findet.

Gerade für die Nachkriegs-Jahrzehnte wirkt es dabei stimmig, dass Inge Lorenz nicht nur Werke in TU-Besitz vorstellt. Der Buchtitel „Kunst trifft Universität“ ist auch Hinweis darauf, dass einige der besprochenen Außenplastiken – beispielsweise an der Erich-Ollenhauer-Allee – zwar der Stadt Darmstadt oder dem Hessischen Landesmuseum gehören, im optischen Zusammenspiel aber untrennbar verbunden sind mit den angrenzenden Gebäuden einer Innenstadt, die neu wachsen musste und durfte.

Wie wichtig das Miteinander von Kunstwerk und Umgebung ist, wird in den Bildern von Thomas Ott, die gleich neben den Texten zu finden sind, unmittelbar deutlich. Im Zentrum steht dabei immer das Werk, doch hat er dazu die sehr unterschiedlichen Grundsituationen für die TU-Kunst im freien Raum herausgearbeitet: Während sie in der Stadtmitte vor allem den Kontrapunkt zu Architekturen setzt oder Platzsituationen definiert, wurde auf der Lichtwiese von Beginn an auf die Einbindung der Kunst in die umgebende Natur Wert gelegt.

Von Annette Krämer-Alig