Die Zitate ziehen nicht

"Und der Haifisch, der hat Zähne": Die Moritat von Mackie Messer aus Bert Brechts "Dreigroschenoper" ist weltberühmt. Wie das Theaterstück entstand und warum es vor rund 90...

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. "Und der Haifisch, der hat Zähne": Die Moritat von Mackie Messer aus Bert Brechts "Dreigroschenoper" ist weltberühmt. Wie das Theaterstück entstand und warum es vor rund 90 Jahren deswegen zum Eklat kam, erzählt nun der Kinofilm "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm".

Inspiriert von der britischen "Beggar's Opera" von John Gay erzählt Brechts "Dreigroschenoper" vom Machtkampf des Londoner Gangsters Macheath und dem Bettlerkönig Peachum. Das am 31. August 1928 in Berlin uraufgeführte Musiktheaterstück wurde ein Riesenerfolg. Die Filmindustrie wollte daran teilhaben und die Geschichte ins Kino bringen, doch Brecht hatte ganz andere Vorstellungen als die Produzenten. Es kam zum Eklat und schließlich zum Gerichtsprozess.

Nun hat Joachim A. Lang, viele Jahre Leiter des Brecht-Festivals in Augsburg, die turbulenten Ereignisse von damals verfilmt. Prominent besetzt mit Lars Eidinger, Tobias Moretti und Hannah Herzsprung erzählt "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm", wie die Oper zum Erfolg wurde und was sich im Streit mit den Filmleuten alles hinter den Kulissen abspielte.

Eidinger spielt den Zigarre rauchenden Brecht, der seine Oper nicht nur als reine Unterhaltung sieht. In unruhigen Zeiten, als bittere Armut herrscht und der Nationalsozialismus aufkeimt, will er mit dem Film eine politische Botschaft verbinden. "Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, wie wir durchsetzen", stellt er fest. Die Filmleute dagegen träumen davon, dass der Film mit den populären Songs von Kurt Weill die Kinokassen klingeln lässt ("Und der Haifisch, der hat Zähne"). Brechts Vorstellungen lehnen sie als zu kompromisslos und radikal ab.

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Regisseur Lang verwebt den Gerichtsstreit mit Brechts Vision eines Films. Nächtelang diskutiert der Autor mit dem Komponisten Weill (Robert Stadlober) und seiner Mitarbeiterin und Geliebten Elisabeth Hauptmann (Peri Baumeister). Eingewoben sind Szenen des Films, wie Brecht ihn sich vorstellt. Carola Neher (Hannah Herzsprung) spielt darin Polly, deren Vater Peachum (Joachim Król) die Bettlermafia organisiert. Zum Entsetzen ihres Vaters und ihrer Mutter (Claudia Michelsen) verliebt sie sich ausgerechnet in den berüchtigten Gangster Mackie Messer (Tobias Moretti).

Vieles an dem Film ist durchaus sehenswert, etwa die aufwendigen Tanzchoreographien Eric Gauthiers von der Gauthier Dance Company oder die romantischen Liebesszenen. Max Raabe tritt als Moritatensänger auf. Dazwischen immer wieder politische Botschaften, auch mit aktuellen Bezügen etwa zur Gier der Großbanken.

Für die Dialoge griff der Regisseur auf Originale zurück. "Alles, was Brecht im Film sagt, ist von Brecht, Zitate aus seinem gesamten Werk und Leben", erklärt Lang. Ein interessanter Einfall, der aber auch problematisch ist. Auch wenn Eidinger vieles mit Mimik und Gestik wettmacht, wirkt seine Figur eher hölzern. Ein geschliffenes Zitat reiht sich an das andere und die Spontaneität des gesprochenen Wortes geht verloren. So lässt der Film bedauerlicherweise viele Fragen offen: Wie war dieser berühmte Dramatiker als Mensch? Und nicht zuletzt: Wie schaffte er es, die Frauen reihenweise um den Finger zu wickeln? Sicher nicht, indem er jederzeit und überall druckreife Zitate zum Besten gab.

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm. Deutschland 2018. Regie: Joachim A. Lang. Darsteller: Lars Eidinger, Robert Stadlober und Hannah Herzsprung. 130 Minuten. Ab 6 Jahren.

Von Cordula Dieckmann