Persönlicher Zugang zu brisanter Frage

HANDOUT - Regisseur David Sieveking (r) mit Eltern im Gespräch auf einem Spielplatz in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Eingeimpft - Familie mit Nebenwirkung" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 13.09.2018 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts vom 06.09.2018) Foto: Adrian Stähli/Flare Film/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Film und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ urn:newsml:dpa.com:20090101:180813-90-019908

Impfen oder Nicht-Impfen? Und wenn ja - wogegen? Spätestens ein paar Wochen nach der Geburt eines Kindes kommt man um die Beantwortung solcher Fragen nicht herum. Auch...

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. Impfen oder Nicht-Impfen? Und wenn ja - wogegen? Spätestens ein paar Wochen nach der Geburt eines Kindes kommt man um die Beantwortung solcher Fragen nicht herum. Auch Filmemacher David Sieveking sieht sich kurz nach der Geburt seiner Tochter mit dem Thema konfrontiert: Seine Partnerin zögert, dem Kind die anstehenden Impfungen zu verpassen.

Ihre Zweifel und Ängste sind diffuser Natur. Nach einer eigenen, schlechten Erfahrung fühle sich einfach unwohl damit, dem gesunden Kind Krankheitserreger zu verpassen. Zudem seien die Impfstoffe mit "Metallen" versetzt - gemeint sind Aluminiumsalze, die einigen Impfstoffen als Wirkverstärker zugesetzt sind. Obwohl Vater Sieveking grundsätzlich weniger Bedenken hat, wird schnell deutlich, dass beide wenig über Vorteile und Risiken des Impfens Bescheid wissen. "Recherchier das mal", beauftragt die Mutter den jungen Vater - und der Ausgangspunkt für eine neue Dokumentation à la Sieveking ist gesetzt: "Eingeimpft" lautet der Titel des Films.

Der Filmemacher wählt dabei einen sehr persönlichen Zugang, wie auch schon in seinen preisgekrönten Vorgängerdokus: 2010 ergründete er in "David wants to fly" das Wesen der Transzendentalen Meditation. 2012 begleitet er in "Vergiß mein nicht" filmisch die letzten Lebensjahre seiner an Alzheimer erkrankten Mutter. Nun also Impfen. Sieveking macht sich von der Kamera begleitet auf Recherchereise, trifft Kinderärzte, Impfstoffhersteller, Forscher oder den Vorsitzenden der deutschen Impfkommission am Robert-Koch-Institut.

Zumindest bei jungen Eltern trifft er damit einen Nerv, denn es wird wie kaum ein zweites auf Spielplätzen, in Kitas, unter Freunden und innerhalb der Familie häufig und oft hitzig diskutiert. Nach ihrer Einführung galten Impfungen für viele Jahrzehnte als Segen, dank der tödliche Krankheiten endlich wirksam bekämpft, sogar ausgerottet werden konnten. Heute hingegen hört man allzu oft auch Stimmen von Impfgegnern, für die die Vorsorge im besten Fall überflüssig ist, im schlimmsten Fall sogar schwere Erkrankungen nach sich zieht.

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Auf der Suche nach Antworten lässt er die unterschiedlichen Experten zu Wort kommen. Ob der Film dabei Impfskeptikern eine unnötig laute Stimme verleiht und wissenschaftlich nicht begründete Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Impfungen verbreitet - darüber wird schon vor dem Start des Films unter Wissenschaftlern und anderen Experten diskutiert. Eine bessere Werbung dürfte es kaum geben.

Sieveking selbst weist den Vorwurf zurück. "Ich bin keineswegs gegen das Impfen. Ich bin dafür, dass die Impfprogramme verbessert werden und mehr Aufklärung betrieben wird." Die Schlüsse des Filmemachers wirken allerdings etwas beliebig, der fachlich nicht bewanderte Zuschauer wird den Kinosaal am Ende vermutlich ebenso schlau verlassen, wie er ihn betreten hat. Den Streit ums Impfen wird dieser Film nicht ausrotten.

Eingeimpft. Familie mit Nebenwirkungen. Deutschland 2018. Regie: David Sieveking. 95 Minuten.

Von Anja Garms