Scherenschnitte und bunte Bilder

Diana Rieger und Prof. Helfenbein.Foto: Hohhaus  Foto: Hohhaus

(red). Der Volksschullehrer Johannes Greb und der Theologe Theodor Bindewald haben nach Erkenntnissen von Diana Rieger und Karl-August Helfenbein komplett unterschiedliche...

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LAUTERBACH. (red). Der Volksschullehrer Johannes Greb und der Theologe Theodor Bindewald haben nach Erkenntnissen von Diana Rieger und Karl-August Helfenbein komplett unterschiedliche Sichtweisen des Vogelsbergkreises. Im Rokokosaal des Hohhauses hielten die beiden einen Vortrag zu beiden Autoren. Es war eine Veranstaltung des „Tages für die Literatur“, den hr2-kultur gemeinsam mit dem Hessischen Literaturrat koordiniert.

Da das Motto dieses Literaturfestivals diesmal „Literatur und Musik“ lautete, hatten Rieger und Helfenbein zwei Musikgruppen an ihrer Seite. Es sang das Vokalensemble der Musikkulturschule, bestehend aus Inge-Lore Möller, Ute Krömmelbein, Vera Ströher und Timo Hasenau. Für die Leitung und die Begleitung an der Renaissancelaute zeichnete Gabriele Janneck verantwortlich. Die Gruppe hatte Lieder der Renaissance mitgebracht. Die Lautenistin trat auch im Duo mit dem Gitarristen Martin Janneck auf.

Die Organistin, Dekanatskantorin und Autorin Diana Rieger hat vor drei Monaten ihre „Lauterbacher Sammlung“ über Johannes Greb veröffentlicht. Greb war im 19. Jahrhundert Volksschullehrer in und um Grebenhain und hinterließ eine Sammlung von Gedichten, die die Vogelsberger Landschaft beschreiben. Laut Rieger lehnt Greb die Wildheit der Natur ab. Für ihn sei es eine Erleichterung, wenn der Frühling komme. Er beschreibe eine existenzielle Abhängigkeit von der Natur. Die Vogelsberger Landschaft werde von ihm kaum erfasst und im Wesentlichen auf ihren bedrohlichen Aspekt reduziert. Greb habe als Volksschullehrer Hochkultur und Hochsprache vermitteln wollen. Alles Grobe und Wilde habe er dem Menschen wegnehmen wollen. Die Vogelsberger Landschaft entspreche dem nicht.

Karl-August Helfenbein, Pädagogik-Professor und Leiter der Lauterbacher Hohhaus-Bibliothek, referierte über Theodor Bindewald. Wie der in seinem „Oberhessischen Sagenbuch“ die Vogelsberger Landschaft beschreibt, ist nach Helfenbeins und Riegers Worten das genaue Gegenteil dessen, was Greb niedergeschrieben hat. Helfenbein beschrieb Bindewald als einen Autor, der das „Übermenschliche und Titanische der Landschaft“ hervorhebt. Er erfasse ihre Schönheit. Geprägt war Bindewald nach Helfenbeins Worten von seiner gymnasialen Ausbildung, in der die antike Sagenwelt eine zentrale Rolle spielte. Die Überwindung des Urwüchsigen, die Greb vorschwebe, sei dem Autor des „Sagenbuches“ fremd: „Bindewald ist nicht der Auffassung, dass der Mensch ein vernünftiges Wesen ist.“ Seine Sagen habe Bindewald nach eigenem Bekunden dem Munde des Volkes abgelauscht. Nach Helfenbeins Worten benutzt Bindewald keine scherenschnittartigen Beschreibungen, sondern gewaltige, farbenprächtige und hochgradig sinnliche Bilder.