Verbrechen ohne Blut beim Gießener Krimifestival

Von Glaube und Zweifeln: "Der ungläubige Thomas" spielt in "Caravaggios Schatten" eine zentrale Rolle. Foto: dpa/Tobias Kleinschmidt

Beim Krimifestival in Gießen erzählt Autor Bernhard Jaumann in "Caravaggios Schatten" von dem berühmten Gemälde "Der ungläubige Thomas" und den Ermittlungen der fiktiven...

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GIESSEN. Allein der Name Caravaggio kann Kunstkenner in Verzückung versetzen - und hat schon etliche Autoren zu Geschichten oder gar Romanen angeregt. Seine Farbgebung, Figurenkompositionen sowie die Licht- und Schattenwirkungen machen seine Werke unverkennbar und einzigartig. Da war es naheliegend, dass der Autor Bernhard Jaumann bei der Suche nach einer Inspiration zu seinem neuen Roman irgendwann auf diesen bedeutenden Künstler des Frühbarocks (1571-1610) treffen musste. "Ich wollte etwas mit Caravaggio machen", sagte er nun bei seiner Lesung im Hermann-Levi-Saal. Das habe durchaus auch etwas mit seiner Liebe zu Italien zu tun.

Von Glaube und Zweifeln: "Der ungläubige Thomas" spielt in "Caravaggios Schatten" eine zentrale Rolle. Foto: dpa/Tobias Kleinschmidt
Kunsträubern auf der Spur: Autor Bernhard Jaumann zu Gast in Gießen.  Foto: Czernek

In Kooperation zwischen dem Krimifestival, dem Kulturamt der Stadt Gießen und dem Literarischen Zentrum Gießen (LZG) trug Jaumann Auszüge aus "Caravaggios Schatten" vor. Nach seiner erfolgreichen Romanreihe über die fünf Sinnesorgane handelt es sich um den zweiten Band aus dem Bereich der Kunstkriminalität. Moderiert wurde die Veranstaltung von Anzeiger-Redakteurin Heidrun Helwig.

Eine zentrale Figur ist Rupert von Schleewitz, der gemeinsam mit zwei Angestellten eine Detektei betreibt, die auf alles spezialisiert ist, was mit Kunst zu tun hat: sei es die Suche nach verschollenen Werken oder die Wiederbeschaffung von gestohlenen Objekten. Von Schleewitz gerät durch seinen Jugendfreund Alban Posselt in einen rätselhaften Fall um das berühmte Bild "Der ungläubige Thomas", das zunächst beschädigt und anschließend geraubt wird - verbunden mit der Forderung von Lösegeld. In dem Krimi gehe es wie in dem Gemälde um Licht und Schatten, Glaube und Zweifel, erläuterte Bernhard Jaumann. Caravaggio lasse den Figuren ebenfalls ihre Geheimnisse.

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"Ich mag keine Thriller und ich mag auch kein Blut mehr sehen", gesteht der Autor. Daher sei er auf die Idee mit der Kunstdetektei gekommen. Er habe bei der Recherche nach einem geeigneten Gemälde gesucht und viele Bücher durchgearbeitet, bis er auf das Bild vom "ungläubigen Thomas" gestoßen sei. "Da wusste ich: Das ist es." Das Original hängt in der Bildergalerie von Sanssouci und ist natürlich völlig unbeschädigt, wie der 64-Jährige versichert. Dort fand übrigens auch die Premierenlesung für sein Buch statt. Die Museumsverwaltung habe die Geschichte um das Bild sehr gelassen aufgenommen. Sie seien aber vor allem sehr froh darüber, dass das Gemälde nur im Roman zerstört worden sei. "Wenn Sie einmal in Berlin sind, gehen Sie hin und betrachten Sie es. Es macht einen Unterschied, ob Sie eine Reproduktion oder das Original sehen", schwärmt der Gast.

Seit seiner Jugend habe er Spaß am Schreiben. Angeregt durch eine Auszeit im Ausland, bei der er seine Frau begleitete, habe ihn diese Leidenschaft erneut gepackt. Seitdem verfasst er Kriminalgeschichten, für die er schon mehrfach ausgezeichnet worden ist, unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis und dem Deutschen Krimipreis. Der gebürtige Augsburger war bis zum Sommer noch als Gymnasiallehrer für Deutsch, Sozialkunde, Geschichte und Italienisch in seinem Wohnort Bad Aibling tätig. Diese doppelte Beanspruchung habe auch dazu geführt, dass er rund eineinhalb Jahre an "Caravaggios Schatten" geschrieben habe. Ab jetzt möchte er sich komplett seinem Beruf als Autor widmen. Das nächste Buch der Reihe um die Kunstdetektei sei auch schon in Planung: Dann soll nicht wie bisher ein Bild im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr das Spannungsfeld von Kunst und Kommerz behandelt werden. Eine Rolle wird dabei voraussichtlich der britische Streetart-Künstler Banksy spielen. Man darf gespannt sein.