Auf ein Wort: Widerspenstig

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Schon bei Shakespeare galt es als ausgemacht, dass die Widerspenstige gezähmt werden müsse. Und warum? Weil sie sich dem herrschenden Willen entgegenstellt, also dem...

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. Schon bei Shakespeare galt es als ausgemacht, dass die Widerspenstige gezähmt werden müsse. Und warum? Weil sie sich dem herrschenden Willen entgegenstellt, also dem männlichen Führungsanspruch. Ebenfalls als widerspenstig galten und gelten Kinder, die sich nicht herumkommandieren lassen wollen. Im Begriff des Widerspenstigen war demnach immer schon die Vorstellung enthalten, dass dieser Widerstand über kurz oder lang überwunden werden würde. Widerspenstig bedeutet also, zu widerstreben und sich dennoch am Ende fügen zu müssen.

Widerspenstig

Woher kommt das Wort überhaupt und was hat es mit dem ähnlich klingenden Gespenst zu tun? Laut Duden hieß das Wort im Mittelalter "widerspen(n)ic" und leitete sich von "spannen" in der Bedeutung "ziehend befestigen" ab. Dem Ziehen in die eine Richtung wurde also einen Ziehen in die andere Richtung entgegengesetzt.

Auf welche Weise das "st" Einzug in das Wort gefunden hat, erklärt der Duden allerdings nicht. Doch genau das ist es ja, warum es sich so ähnlich anhört wie "Gespenst". Dieses Wort wiederum hieß im Althochdeutschen laut Duden "gispensti" und anschließend in mittelhochdeutscher Zeit "gespenst(e)". Es bezeichne eine Verlockung, ein teuflisches Trugbild und sei mit dem althochdeutschen Wort "spanan" gebildet, das soviel bedeutet habe wie "locken, anziehen".

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Vielleicht hat ja das Wort Gespenst lautlich auf das Wort "widerspenstig" eingewirkt, wahrscheinlich aber ist das -st- einfach als lautliche Verstärkung eingefügt worden.

Von widerspenstigen Gespenstern kann jedenfalls nie die Rede sein. Denn, sollte es tatsächlich welche geben, würden sie ganz bestimmt nicht über kurz oder lang klein beigeben.