Zwischen Parkdeck, Internet – und neuen Konzertplänen

Singen an ungewöhnlichen Plätzen: Chorprobe auf dem Parkdeck unter Leitung von Thomas Mattern. Archivfoto:  Kristina Schäfer

„Das Beste draus gemacht“: Am Mainzer Peter-Cornelius-Konservatorium ist man trotz Corona optimistisch gestimmt. Auch wenn noch immer Auftritte schmerzlich fehlen.

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MAINZ. Wenn man Dr. Gerhard Scholz, Direktor des Peter-Cornelius-Konservatoriums (PCK) und Musikschulleiter, am Telefon zu den Lockdown-Erfahrungen befragt, klingt er überraschend munter. Optimismus gehört für ihn zum Grundprinzip des Hauses. „Wir haben schon härtere Schläge bekommen“, erinnert er daran, dass das PCK in den vergangenen 20 Jahren bereits zwei Mal zur Disposition stand. Corona werde man auch überstehen. Und er nennt Fakten: 4000 Schülerinnen und Schüler hat das PCK, 130 Mitglieder der Lehrkörper. Und alle ziehen, so versichern Scholz und seine Stellvertreterin Carina Stamm, an einem Strang. Wegen Corona habe es so gut wie keine Abmeldungen oder Rückforderungen von Kursgebühren gegeben. Auch die Zahl der Anmeldungen blieb im Jahresvergleich konstant.

Während des ersten Lockdowns wurde der Unterricht ins Internet verlegt. Erste Lockerungen weckten den Erfindergeist: Scholz hatte frühzeitig Spuckschutzwände bestellt, wodurch er den Etat entlastete, denn bald kosteten diese „Accessoires“ das Fünffache und waren schwer zu kriegen. Man probte draußen, unter anderem auf einem Parkdeck des nahen Taubertsberg-Parkhauses, die musikalische Früherziehung fand auf Freiflächen im Martin-Luther-King-Park statt, für die Band-Proben auf der Dachterrasse wurde ein Sonnensegel installiert.

Im PCK selbst herrschten strenge Hygieneregeln und ein Einbahnstraßensystem, es wurde gelüftet, Ventilatoren kamen zum Einsatz. „Als wir endlich wieder öffnen durften, war die Stimmung riesig“, erinnert sich Stamm. „Wir hatten bald wieder fast hundert Prozent unseres Angebots“, berichtet Scholz.

Was noch immer fehlt, das sind die Auftritte. 2020 wurden alle Konzerte abgesagt, angedachte musikalische Besuche in Mainzer Altenheimen wurden rasch beiderseits als zu gefährlich eingestuft. Ebenfalls abgeblasen ist der Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“. Doch die PCK-Leitung bleibt trotzdem optimistisch und ist sich sicher: „Nach den Sommerferien wird alles wieder annähernd normal laufen.“ Im Oktober will man mit den PCK-Chören und der Sinfonietta Mainz Mendelssohns Oratorium „Paulus“ aufführen. Die Vorbereitung hierfür ist schwieriger als der Einzelunterricht im Internet, geprobt wurde in der Vergangenheit in kleineren Gruppen und mit großem Abstand zwischen den Sängern. Ohnehin durften Chöre und Bläser bislang nur draußen proben, was aktuell nicht nur Verbote, sondern auch die Temperaturen unmöglich machen.

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Fortbildungsangebote fürs Kollegium

Der zweite Lockdown hat den Lehrbetrieb erneut ins Netz verbannt. Dort ist man jedoch mittlerweile besser aufgestellt. „Aus der Lehrerschaft hat sich eine Technik-AG gegründet, die Kollegen bei Fragen unterstützt“, loben Stamm und Scholz das Engagement ihrer Kollegen. Im September und Oktober habe man außerdem Fortbildungsmaßnahmen angeboten. Auch wenn Online-Unterricht für erfolgreiches Unterrichten und eine stabile Lehrer-Schüler-Beziehung nur eine begrenzte Option sei, habe man von Eltern keinerlei negativen Rückmeldungen erhalten. Im Gegenteil: „Wir haben bislang das Beste draus gemacht: Die Kinder bleiben dabei.“