„Mord im Konsulat“

Mahnwache in der saudischen Botschaft. Foto: arte

Eigentlich wollte der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat seines Landes nur ein paar Dokumente für seine geplante Hochzeit abholen, doch was dann...

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. Eigentlich wollte der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat seines Landes nur ein paar Dokumente für seine geplante Hochzeit abholen, doch was dann geschah sprengt jede Vorstellungskraft: Der 59-Jährige wurde am 2. Oktober 2018 von einem Killerkommando ermordet und zerstückelt. Tagelang bestritten die saudischen Behörden, irgendetwas mit dem spurlosen Verschwinden des regierungskritischen Journalisten in der Türkei zu tun zu haben, doch dann tauchten Tonbandaufnahmen auf, die den brutalen Mord an Kashoggi bewiesen und das saudische Königshaus in ein ganz schlechtes Licht rückten.

Saudi-Arabien räumte später die Ermordung Kashoggis zwar ein, Kronprinz Mohammed bin Salman bestreitet aber bis heute, etwas von der Aktion gewusst zu haben. Der amerikanische Journalist Martin Smith traf den saudischen Machthaber für seine spannende US-Dokumentation „Mord im Konsulat“, die am 18. Februar auf Arte erstmals im deutschen Fernsehen gezeigt wird.

Smith reiste mehrmals nach Saudi-Arabien, sprach mit Regimekritikern, früheren Kollegen Khashoggis, Geheimdienstlern und hohen Funktionären wie dem saudischen Außenminister Adel Al-Dschubeir. Auch mit dem charismatischen Kronprinzen traf Smith zusammen, um mit ihm über den Fall zu sprechen. Mohammed bin Salman, den viele für den Drahtzieher hinter dem Mord an Khashoggi halten, insistiert darauf, nichts von der Tat gewusst zu haben, die von untergeordneten Stellen selbständig geplant und ausgeführt worden sei. Er übernehme trotzdem „die volle Verantwortung“, weil die Tat unter seiner Amtsaufsicht geschehen sei, zitiert Smith den saudischen Machthaber. Mittlerweile stehen einige Verdächtige in Saudi-Arabien vor Gericht und müssen mit der Todesstrafe rechnen, die Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen von Mohammed bin Salman kann das jedoch nicht ausräumen.

Die zweiteilige Dokumentation von Martin Smith und Linda Hirsch, die Arte am 18.2. am Stück zeigt, beschäftigt sich nur in den letzten gut 20 Minuten des zweiten Teils detailliert mit der Ermordung des Regimekritikers Khashoggi, der unter anderem für die „Washington Post“ kritische Artikel über die saudische Politik schrieb. Der weitaus größere Teil des Beitrags widmet sich der Entwicklung Saudi-Arabiens in den vergangenen Jahren. Der 34-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman, der seit 2017 das Sagen hat, steht zwar für eine behutsame Liberalisierung der saudischen Gesellschaft, was sich etwa in der Aufhebung des Fahrverbots für Frauen geäußert hat. Auf der anderen Seite werden unter seiner Führung verstärkt Dissidenten und Frauenrechtlerinnen verhaftet, missliebige Bürger mundtot gemacht und vermehrt Todesurteile vollstreckt, wie Nahostexperten kritisieren. Auch außenpolitisch tritt der smarte Prinz gerne als Hardliner auf, wie der unversöhnliche Kurs Saudi-Arabiens gegen den Erzfeind Iran etwa im Jemen-Krieg bezeugt.