„Tod von Freunden“ – eine neue Serie im Fernsehen

Bernd Küster (Jan Josef Liefers, l.), Sabine Küster (Katharina Schüttler, M.) Kjell Küster (Lukas Zumbrock, 2.v.r.), Charlie Jensen (Lene Maria Christensen, r.) und Emile Jensen (Oskar Belton) liegen sich in den Armen. Foto: Letterbox/Thorsten Jander

Eine Familienidylle gerät zur Tragödie. Vier Folgen, sind sonntags ab 7. Februar im ZDF zu sehen.

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. „Die Förde war eiskalt“, erinnert sich Katharina Schüttler an die Dreharbeiten für die neue, insgesamt achtstündige TV-Reihe „Tod von Freunden“. Katharina Schüttler ist eine der Hauptdarstellerinnen im psychologischen Thriller mit seinem Schauplatz auf der dänischen Ochseninsel inmitten der Flensburger Förde. Friedemann Fromm führt Regie in dieser ersten deutschen Produktion, die auf dem mittlerweile unbewohnten Eiland Dreherlaubnis erhielt. Von Wasser umgeben grünt eine Idylle im Grünen – ein „Paradies“ für zwei Familien, eine deutsche und eine dänische, die sich im Film dort ein gemeinsames Heim aufgebaut haben.

Bernd Küster (Jan Josef Liefers, l.), Sabine Küster (Katharina Schüttler, M.) Kjell Küster (Lukas Zumbrock, 2.v.r.), Charlie Jensen (Lene Maria Christensen, r.) und Emile Jensen (Oskar Belton) liegen sich in den Armen. Foto: Letterbox/Thorsten Jander

Das Paradies aber ist mit Leichen im Keller erkauft und also auf Sand gebaut. Die Vergangenheit wird alle Beteiligten einholen und den Locus amoenus auf der Insel mehr und mehr aufweichen. Vom 7. Februar an läuft die Geschichte über den „Tod von Freunden“ an vier Sonntagen bis zum 28. Februar im ZDF. Jeweils zwei Stunden lang wird von 22:15 Uhr an nacheinander aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt.

Dieser Wechsel der Perspektiven ist ein Novum in der filmischen Darstellung. Friedemann Fromm, der sich gemeinsam mit Kameramann Ralf Noack der charakteristisch skandinavischen Bildsprache langsam sich steigernder, subkutaner Spannung bedient, rückt seine acht Hauptdarsteller/innen jeweils einzeln in den Vordergrund.

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Beide Familien sind unzertrennlich

In vier Doppelfolgen verfolgt der Zuschauer/in ein und dieselbe Geschichte aus acht verschiedenen Sichtweisen, wobei sich die der Erwachsenen untereinander, wie auch mit denen der Kinder kreuzen: Sabine (Katharina Schüttler) und Bernd (Jan Josef Liefers), das deutsche Paar, hat mit Kjell (Lukas Zumbrock) und dem autistischen Karl (Anton Petzold) zwei Söhne; Cecile und Emilie sind Kinder der dänischen Freunde Charlie und Jakob, die auch von Dänen gespielt werden: Lene Maria Christiansen und Thure Lindhardt; Tochter und Sohn wiederum von den deutschen Darstellern Milena Tscharntke Oskar Belton. Beide Familien sind unzertrennlich, die Kinder wiederum eingeschworene „Musketiere“, bis … tja, bis auf einem Segeltörn einer über Bord geht: Kjell.

„Was ist passiert?“ „Wie konnte das passieren?“ – im Zuge einer allmählichen Aufdeckung der Ursache durch alle Folgen hindurch werden unterschiedliche Versionen angeboten, bis schließlich jede/r an Bord des Boots sich selbst die Schuld gibt, die eigentlich doch wiederum ganz woanders ihren Ursprung hat. Orplid, der Bootsname, verweist auf Mörikes Utopia („Du bist Orplid, mein Land! Das Ferne leuchtet“), das auf der Insel gelebt werden soll, aber real doch durch und durch marode ist. Jakobs Bruder Jonas (Jacob Cedergren) taucht als düsterer Schatten der Vergangenheit auf – ein Omen für das Verhängnis und doch auch ein Fels in der Brandung. Die Gespräche der Dänen untereinander sind mit deutschen Untertiteln versehen – die Sprachen können so wunderbar leicht ineinander übergehen, wie die Bildsprache nicht nur zeichenhaft verwendet wird, sondern auch Zeichentrickformat annimmt, wenn der autistische Junge seinen Musketier-d’Artagnan in den Kampf um den verlorenen Bruder schickt.

Anton Petzold spielt seine schwierige Rolle mit großer Bravour, – und es ist einer dieser tragischen Ironien im Film, wenn gerade der Behinderte intuitiv die Hoffnung nicht aufgibt, dass der von Bord gegangene Bruder noch lebt. Verfremdete Bilder werden für eine noch weitere erzählerische Dimension eingesetzt: In schwarz-weiß spielen sich Szenen aus der Vergangenheit ab, die in die Gegenwart hineinkriechen und deren Grundfeste erschüttern. Denn auch hinter dem, was sichtbar wird, verbirgt sich noch ein Geheimnis mehr …

Regisseur Friedemann Fromm („Weissensee“) hat selbst das Drehbuch geschrieben und nennt den Film „Tod von Freunden“ eines seiner „persönlichsten Projekte, entstanden aus meiner ureigenen Erfahrung als Vater und Freund“. Inwieweit braucht Freundschaft Wahrheit? Und wie können Kinder ihren Eltern vertrauen, wenn Wahrheit vorenthalten wird? Der Film thematisiert außerdem Generationenkonflikt und Identitätskrise von Heranwachsenden, von der lediglich Karl, der autistische Junge, verschont bleibt. Es wird schließlich sein Mantra sein, das ihn absolut gefühlssicher übers Wasser trägt: „Nichts geht verloren.“ Ein bemerkenswerter, höchst sehenswerter Film, wenn man denn seiner Dauer von insgesamt acht Stunden (immerhin in vier Portionen) standhält.