Mehr Geld für Grundschullehrkräfte: Gewerkschaften zufrieden

Schule

Die Bildungsgewerkschaften und die Landtagsopposition fordern schon lange, dass die Bezahlung der Grundschullehrkräfte auf das Niveau von Pädagogen anderer Schulformen angehoben...

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Wiesbaden (dpa/lhe) - . Hessen will seine Grundschullehrkräfte künftig besser bezahlen. Die Eingangsbesoldung der Lehrerinnen und Lehrer werde schrittweise von A12 auf A13 angehoben, kündigten Ministerpräsident Boris Rhein und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) am Donnerstag in Wiesbaden an.

Die beiden Spitzenpolitiker begründeten den geplanten Schritt mit der wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe der Pädagogen für die jüngsten Schülerinnen und Schüler in Hessen. Zudem setze die Landesregierung ein wichtiges Signal im Wettbewerb um Fachkräfte mit den anderen Bundesländern. So hätten die drei große Nachbarn Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen gerade eine Anpassung auf A13 für Grundschullehrkräfte vorgenommen.

Mehr Geld soll es nach den Plänen der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen erstmals ab August des laufenden Jahres geben. In insgesamt sechs Schritten bis zum Jahr 2028 werde die Anpassung für die Grundschullehrkräfte abgeschlossen sein. Nach Abschluss der stufenweisen Erhöhungen werde die Landesregierung für die Anpassung jährlich 108 Millionen Euro aufbringen müssen, teilte der Kultusminister mit.

Erwartet werde, dass es entsprechend auch mehr Geld für die Grundschullehrkräfte geben wird, die nicht im Beamtenverhältnis an Hessens Schulen arbeiten. Das müssten jedoch letztendlich die Tarifparteien entscheiden, sagte Ministerpräsident Rhein. Es gebe aber bereits entsprechende Signale.

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Die Eingangsbesoldung von Grundschullehrkräften mit der Stufe A12 beläuft sich nach Angaben des Kultusministeriums auf rund 3600 Euro brutto im Monat. Bei einer Anhebung auf die Besoldungsstufe A13 gebe es dann einen Betrag von rund 4200 Euro. Etwa 250.000 Kinder werden derzeit in den hessischen Grundschulen unterrichtet.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Hessen reagierte zufrieden auf die Ankündigung des Landes. „A13 für alle ist ein dickes Brett, das wir seit Jahren gebohrt haben - es war allerhöchste Zeit, dass hier für Gerechtigkeit gesorgt wird“, sagte der Verbandsvorsitzende Stefan Wesselmann. Die Arbeit der unterschiedlichen Lehrämter sei gleichwertig, auch wenn der Arbeitsalltag nicht gleichartig sei.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW) nannte die Entscheidung einen richtigen und überfälligen Schritt. „Für die rund 18.000 Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen, die derzeit noch schlechter bezahlt werden als alle anderen Lehrämter, ist heute ein sehr guter Tag“, sagte die Vize-Vorsitzende Heike Ackermann. A13 an Grundschulen werde einen Beitrag dazu leisten, den eklatanten Lehrkräftemangel schneller zu überwinden.

Die Landtagsopposition sprach überwiegend von einem Schritt in die richtige Richtung. Die Umsetzung müsse aber deutlich schneller kommen, mahnte der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny. Auch die Linken-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Kula betonte, die Arbeit an Grundschulen sei schon jetzt gleichwertig mit der an anderen Schulformen und nicht erst in fünf Jahren.

Der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen erklärte, Investitionen in den Bildungsstandort Hessen seien bitter nötig. Nach Einschätzung des Oppositionspolitikers handelt die Regierungskoalition jedoch erst auf Druck und nicht aus Überzeugung. Der bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, Heiko Scholz, sagte, die angekündigte Besoldungserhöhung sei ein teures und unüberlegtes Wahlkampfgeschenk.

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Neben der Anhebung der Besoldung soll auch die Weiterbeschäftigung von befristet tarifbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer in den Sommerferien in Hessen neu geregelt werden, kündigten der Ministerpräsident und der Kultusminister an. Künftig bestehe die Möglichkeit auf eine Weiterbeschäftigung in den Sommerferien bereits nach einer Mindestbeschäftigungsdauer von 30 Wochen.

Bislang war dies erst nach einer Mindestbeschäftigungsdauer von 35 Wochen in Hessen möglich. Somit werden künftig deutlich mehr befristet tarifbeschäftigte Lehrkräfte als bisher auch in dieser Zeit weiterbeschäftigt und damit auch weiterbezahlt, sagte der Kultusminister.

Die schwarz-grüne Koalition hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt angekündigt, mit dem Doppelhaushalt 2023/24 insgesamt 4000 neue Stellen für Lehrkräfte im Land schaffen zu wollen. Die geplanten neuen Lehrerstellen sollen nach Angaben von Lorz vorrangig für den Unterricht von zugewanderten und geflüchteten Kindern etwa aus der Ukraine sowie den Ausbau von Ganztagsangeboten eingesetzt werden.