Wärmekrise in Wetzlar: Wird es Montag wieder warm?

aus Die EAB und die Wärmekrise

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Trotz Ausfall des Heizwerks wird es im Nachbarschaftszentrum und der Kita im Westend wieder warm: Die Stadt hart dort starkstrombetriebene Heizgeräte installiert, die die Gebäude nun autark beheizen. Foto: Kevin Georg
© Kevin Georg

Mit Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters nehmen die Reparaturarbeiten an den Fernwärmenetzen der EAB in Wetzlar Fahrt auf. Für Freitag ist ein Test geplant.

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Wetzlar. Man ist sie gar nicht mehr gewohnt, die guten Nachrichten im Zusammenhang mit den offensichtlich maroden Fernwärmenetzen der EAB. Und doch gibt es sie: Seit der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit im Spiel ist, scheinen die Reparaturarbeiten an den Anlagen des Unternehmens nämlich deutlich schneller zu gehen als zuvor. Ganz konkret ist das bereits in der Spilburg zu sehen.

Dort arbeitet seit Dienstag ein Heizungsbauunternehmen an der Reparatur des Heizkraftwerks. Vorausgegangen war ein gemeinsamer Besichtigungstermin der Anlage mit EAB-Geschäftsführer Burkhard Dreyer, Stadtrat Norbert Kortlüke (Grüne) und Enwag-Chef Berndt Hartmann. „Wir haben nun endlich die Erlaubnis, im Heizwerk tätig zu werden”, hält Kortlüke fest. Die Stadt hat also den Schlüssel. Und, zumindest vorläufig, die Kosten: Die Reparaturen an den Anlagen im Heizwerk nämlich laufen nur, weil die Enwag den Auftrag erteilt und sich bereit erklärt hab, die Monteure zu bezahlen, berichtet der Stadtrat weiter. Die Enwag werde die Kosten aber nach Abschluss der Arbeiten gegenüber der EAB geltend machen.

Wir haben nun endlich die Erlaubnis, im Heizwerk tätig zu werden.

Norbert Kortlüke Stadtrat, Stadt Wetzlar
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Ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters bestätigte die Kooperation auf Anfrage der WNZ. Mehr noch: Die Reparaturen sollen sehr gut laufen. „In einer Videokonferenz mit dem Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar und Vertretern der Enwag ergab sich ein hoffnungsvoller Zwischenstand der Arbeiten, die uns hoffentlich die Lage versetzen, am Freitag die Funktionstüchtigkeit der Anlage zu testen und die Wärmeversorgung wieder aufzunehmen”, teilt der Sprecher mit.

Repariert werden kann das Heizwerk in der Spilburg relativ leicht: Dort gibt es zwei Kessel und zwei Brenner, jeweils einen für Gas und Öl. Üblicherweise wird Wärme mit Gas erzeugt. Der Ölbrenner diente als Reserve. Wie Kortlüke nach dem Vor-Ort-Termin berichtet, ist der Gaskessel kaputt, der Brenner aber nicht. Beim Ölkessel sei es genau andersherum. Es laufe nun der Versuch, den funktionierenden Brenner an den funktionierenden Kessel anzuschließen, also aus zwei defekten Anlagen eine betriebsfähige zu machen.

Im Westend sind alle Kessel im Heizwerk hinüber

Schwieriger gestaltet sich die Situation im Westend. Dort sind die Leitungen überwiegend seit Juli 2022 kalt, in der Spilburg ja erst seit wenigen Wochen. „Wir haben im Westend besprochen, dass zunächst erneut die Leitungen auf Dichtigkeit geprüft werden. Hierzu wird es in den nächsten Tagen Drucktests geben. Sollten diese erfolgreich sein, werden wir mit der Stadt besprechen, welche Möglichkeiten der Wärmeerzeugung bestehen”, teilt der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters mit. Im Westend sollen im Heizwerk sogar sechs Kessel zur Wärmeerzeugung stehen. Alle sechs sollen defekt sein, der letzte seit Weihnachten.

Die Stadt hat im Westend derweil die eigenen Schäfchen ins Trockene, oder besser ins Warme gebracht: Die beiden städtischen Gebäude, das Nachbarschaftszentrum und das Gebäude der Kita, werden mittlerweile unabhängig vom EAB-Netz beheizt – im Keller stehen mobile Heizgeräte, so wie auch die Wetzlarer Karnevalsgesellschaft vor einiger Zeit eines installiert hatte. Den Privatkunden der EAB hatte die Stadt bekanntlich Radiatoren und Durchlauferhitzer bereitgestellt. Wie Kortlüke bestätigt, hat auch die Stephanus-Werkstatt der Diakonie nun mobile Heizgeräte erhalten, damit in den dortigen Arbeitsräumen die erforderliche Mindesttemperatur erreicht werden kann.

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Anwohner warten auf Wärme und Informationen

Bei den Privatkunden der EAB ist die Lage derweil unverändert. „Wir haben immer noch keine Wärme“, berichtet Melanie Dronka. „Eine Information seitens der Stadt, Enwag oder des Insolvenzverwalters haben die Bürger auch noch nicht. Uns brennt es unter den Nägeln, wie geht es weiter, wann erhalten wir endlich genaue Informationen?“ Die entscheidende Frage sei aktuell, wer das Kraftwerk im Westend weiter betreiben werde. „Wird es die Stadt, Enwag oder gar ein anderer Investor oder wird das Kraftwerk gar geschlossenen, die Fernwärme eingestellt?

Klar ist: Je mehr Anwohner sich im Zorn über die Fernwärme eine eigene Wärmeversorgung aufbauen, sei es per Wärmepumpe oder Holzpellet-Heizung, desto unattraktiver wird das Fernwärmenetz für Betreiber – denn die Kundenzahl schrumpft. Wenn im Westend auf lange Sicht nur noch ein Dutzend Kunden bleibt, könnten dezentrale Blockheizkraftwerke eine Alternative zur Fernwärme sein.

Am Freitag will das ZDF in seiner Sendung „Drehscheibe“ um 12.10 Uhr über die Probleme in Wetzlar berichten.