Mit Seilbahnen dem Frankfurter Stau entfliehen

Vorbild für Frankfurt? Eine Seilbahn vor der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz. Archivfoto: dpa

Der Regionalverband schlägt vor, am Stadtrand von Frankfurt Park-and-Fly-Verbindungen einzurichten.

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FRANKFURT. Park-and-Fly: Das ist die Antwort des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main auf die Verkehrsprobleme in der Pendlerhauptstadt Frankfurt und die drohenden Fahrverbote für Dieselautos. Er wirbt dafür, am Stadtrand der Mainmetropole große Parkhäuser zu errichten und Pendler in Seilbahnen zu Haltestellen von U-Bahnen und Straßenbahnen zu befördern.

„Wir brauchen jetzt ganz neue Lösungsmodelle, die vor allen Dingen auch schnell zu realisieren sind“, erklären Verbandsdirektor Thomas Horn und der Erste Beigeordnete Rouven Kötter (SPD). Den nach eigenen Worten „innovativen Lösungsvorschlag“ hatten beide – wie berichtet – bereits vor einigen Wochen vorgestellt. Jetzt unterfüttern sie ihn mit praktischen Hinweisen zur Umsetzung. „Wir müssen“, sagt Kötter, „die enormen Herausforderungen in Sachen Mobilität ohne Denkverbote anpacken.“

Nach den Vorstellungen des Regionalverbands sollte auf dem großen Parkplatz am Frankfurter Waldstadion ein Parkhaus gebaut werden. „Das ist auch ein Gewinn für die Eintracht-Fans“, sagt Horn. Der Parkplatz liegt direkt an der Bundesstraße 44: eine Hauptschlagader des Pendlerstromes. Derzeit können 1250 Autos dort abgestellt werden. Der Verband schlägt vor, von dort bis zur einen Kilometer entfernten Haltestelle „Stadion“ der Straßenbahn eine Seilbahn zu bauen.

Als zweiten Standort schlägt der Regionalverband den Bau eines Parkhauses an der Raststätte „Taunusblick“ vor. Gerade für die vielen Pendler, die über die Autobahn 5 nach Frankfurt fahren, böte sich eine attraktive Möglichkeit, ihr Auto außerhalb des Stadtgebiets abzustellen, betonen die Verbandsoberen. Mit einer etwa anderthalb Kilometer langen Seilbahn zur U-Bahn-Station Heerstraße sei eine zügige „Anschlussbeförderung“ gewährleistet. Die Pendler könnten von dort mit der U-Bahn-Linie 6 in einer Viertelstunde die Konstablerwache in der Stadtmitte erreichen.

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Der Plan wäre schnell und preiswert zu realisieren

Die größten Vorzüge dieses Plans aus Sicht des Regionalverbands: Er ist schnell und preiswert zu realisieren. Während die Planung von Schienenverbindungen oft Jahrzehnte in Anspruch nimmt, ließe sich eine Seilbahn-Verbindung nach Einschätzung von Horn und Kötter zu einem Bruchteil der Kosten in einem Jahr realisieren. Sie könne 5000 Menschen in der Stunde befördern – geräuschlos und abgasfrei.

Verbandsdirektor Horn weist darauf hin, dass es auf der ganzen Welt Stadtseilbahnen gibt, beispielsweise in London und Singapur, wo eine Station im 15. Stockwerk eines Hochhauses eingerichtet sei. Vorzeigeobjekt ist nach seinen Worten das Seilbahnnetz von La Paz in Bolivien. Dort befördere jede der zehn Seilbahnlinien mit einer Gesamtlänge von 30 Kilometer eine Million Passagiere im Monat.

Die Seilbahn über den Rhein bei Koblenz sei für die Bundesgartenschau 2011 errichtet worden und sollte eigentlich wieder abgebaut werden. Wegen ihrer großen Beliebtheit werde sie jedoch weiter betrieben. „Die urbane Seilbahn kann daher ein ganz wichtiger Baustein für die Mobilität der Zukunft werden“, betont Horn.

Die Stadt Frankfurt wollte sich zunächst nicht zu den Vorschlägen äußern. Der geschäftsführende Direktor des hessischen Städtetags, Stephan Gieseler, bewertet den Plan positiv. Zwar müsse man eine solche Idee auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen. „Die Idee, den ÖPNV attraktiver zu gestalten, ist jedenfalls nicht verkehrt“, sagt Gieseler.

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Das sieht der Rhein-Main-Verkehrsverbund genauso. Er hat die Absicht, vom nächsten Jahr an die sogenannten Hauptverkehrszeiten auszuweiten. Der im Berufsverkehr geltende 15-Minuten-Takt soll demnach künftig von 5 Uhr bis 10 Uhr morgens und von 13 Uhr bis 20 Uhr gelten.

Von Rainer H. Schlender