So lief der Warntag in Hessen und Rheinland-Pfalz

Wo der Text von Cell Broadcast erfolgreich war, erschien die Warnung um 11 Uhr auf dem Smartphone.

Deutschlandweit haben am Donnerstag Sirenen geheult und Handys Alarm geschlagen, vielerorts blieb es jedoch still. Probleme gab es nicht nur beim Versand der neuen Warn-SMS.

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Bonn/Wiesbaden/Mainz. Es sollte ein Härtetest für die Warninfrastruktur in Deutschland werden. Beim bundesweiten Warntag kamen am Donnerstag unter anderem Sirenen und Warn-Apps auf den Prüfstand. Schnell war klar: Dieses Mal hat zwar vieles besser funktioniert als bei der fehlgeschlagenen Premiere 2020, aber wieder gab es Probleme. Um 11 Uhr heulten Sirenen, Handys zeigten eine Warnmeldung an – andere blieben stumm. 45 Minuten später folgte die Entwarnung.

Verbreitet wurde der Probealarm auch über Radio- und Fernsehsender. Nutzer von Warn-Apps wie Nina, Katwarn oder Hessenwarn bekamen nur zum Teil einen Hinweis, manche mit Verzögerung. „Bei mir kam keinerlei Warnung an. Noch nicht mal Katwarn hat sich gemeldet“, schreibt ein Nutzer auf Twitter, mehrere andere berichten von ähnlichen Erfahrungen: „Keine Warnung gehört, gesehen oder bekommen.“ Stellenweise scheinen also weder Sirenensignale wahrnehmbar gewesen, noch digitale Mitteilungen erfolgt zu sein. Den Kommunen und Landkreisen war die Teilnahme am Warntag freigestellt.

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Cell Broadcast erstmals getestet

Erstmals wurde in Deutschland beim Warntag das neue System Cell Broadcast getestet, eine Warnmitteilung für Handys. Eine bestimmte App musste dafür nicht installiert sein. Um Nachricht empfangen zu können, war vorab ein Softwareupdate nötig. Manche Nutzer mussten die Testwarnungen aber gesondert aktivieren. In Kombination mit anderen Warnmitteln will das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit Cell Broadcast eine höhere Reichweite für Warnmeldungen erzielen.

Bei vielen Geräten kam die Warnmeldung am Donnerstag schon etwas früher als angekündigt. Um 10.59 Uhr tauchte die Mitteilung „Probewarnung, Bundesweiter Warntag 2022“ auf dem Bildschirm auf, bei den meisten begleitet von einem schrillen Alarmton. „Es besteht keine Gefahr“, stand auf dem Display, dazu ein Link zur Webseite des BBK mit weiteren Informationen. Irritationen gab es, weil eine Entwarnung ausblieb. Allerdings ist die laut BBK beim Cell Broadcast gar nicht vorgesehen.

Der Netzanbieter Vodafone bezeichnete den Test des neuen Katastrophen-Warnsystems als „vollen Erfolg“. „Wir werden nun alle Erkenntnisse aus dem Warntag auswerten und für die weitere Optimierung des neuen Warnsystems bis zum Start des Regelbetriebs in 2023 nutzen“, teilte das Unternehmen mit. Auch BBK-Präsident Ralph Tiesler hat ein positives Fazit zum Test von Cell Broadcast in Deutschland gezogen: „Die Probewarnung hat gezeigt, dass unsere technische Infrastruktur robust ist und die technischen Probleme der Vergangenheit behoben sind“, wird er in einer Mitteilung zitiert. Für abschließende Ergebnisse sei es noch zu früh.

Die Probewarnung hat gezeigt, dass unsere technische Infrastruktur robust ist und die technischen Probleme der Vergangenheit behoben sind

RT
Ralph Tiesler Präsident, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
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Modernisierung der Sireneninfrastruktur

Bei manchen Nutzern ist die Warnmeldung nicht angekommen. Probleme gab es etwa bei Handys mit Telekomvertrag. „Die bundesweite Probewarnung am 8. Dezember 2022 wird zwischen 11 und 11:10 Uhr gesendet“, hatte das Unternehmen vorab angekündigt. Bei vielen Kunden aber blieben die Geräte in diesem Zeitraum stumm. Aber auch ein zu altes Betriebssystem oder die falschen Einstellungen können dazu geführt haben, dass die Mitteilung ausgeblieben ist.

Bis Cell Broadcast flächendeckend in Betrieb geht, wird es noch bis Ende Februar dauern. Auch die Modernisierung der Sireneninfrastruktur steht zwar seit der Flutkatastrophe im Ahrtal im Fokus, wird aber noch viele Monate in Anspruch nehmen. Der Bund hat dafür rund 90 Millionen Euro bereitgestellt, auch die Länder haben einen Beitrag geleistet. In manchen Regionen gibt es bis heute keine Sirenen.

In Rheinland-Pfalz wurden die Menschen beim Warntag „je nach Verfügbarkeit vor Ort“ mit Sirenen oder Lautsprecherwagen gewarnt, teilt das Innenministerium mit. „Aus den teilnehmenden Kommunen haben wir bisher auch durchaus positive Rückmeldungen erhalten. Für die Zukunft möchte ich aber auch noch einmal darum werben, dass sich möglichst viele an einem solchen Test beteiligen“, sagte Innenminister Michael Ebling (SPD). Er verfolgte die Inbetriebnahme des Warnnetzes im Landkreis Ahrweiler. Dort wurden 85 moderne Sirenenanlagen in installiert. Insgesamt haben sich laut Innenministerium rund 30 Kommunen in Rheinland-Pfalz am Warntag mit Sirenenalarm oder Lautsprecherdurchsagen beteiligt.

In Hessen hatten laut Innenministerium 408 Kommunen ihre Unterstützung beim Warntag zugesagt. Nach ersten Rückmeldungen habe die Alarmierung der Warn-Apps und Sirenen „bis auf wenige Ausnahmen“ funktioniert, auch die über die landeseigene Warn-App „Hessenwarn“ versendete Mitteilung in kurzer Zeit an die Nutzer zugestellt. Für eine abschließende Bilanz zum Warntag sei es aber noch zu früh.

Bundesweiter Warntag 2020 „fehlgeschlagen“

Der erste bundesweite Warntag hatte im September 2020 in einem Fiasko geendet. Mit einer Probewarnung über Sirenen, Warn-Apps, digitale Werbeflächen und Rundfunk sollten der Bevölkerung Funktion und Ablauf von Warnungen besser verständlich gemacht werden. Vielerorts blieben Sirenen aber stumm. Wegen einer Panne wurde das Signal erst eine halbe Stunde nach dem vereinbarten Zeitpunkt verschickt, auch bei Warn-Apps kam keine Meldung an.

Das Bundesinnenministerium hatte den Probealarm deshalb als „fehlgeschlagen“ bezeichnet. Den damaligen BBK-Chef kostete das den Job. Der für 2021 geplante Warntag wurde daraufhin abgesagt. In diesem Jahr wurde der Termin drei Monate verschoben, um den Test von Cell Broadcast möglich zu machen.