Görig und Mischak reagieren auf Kritik der Kassenärztlichen...

Symbolfoto: dpa

Nachdem der Vogelsberger Landrat Manfred Görig und Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak sich wegen falscher Corona-Tests schriftlich an die Kassenärztlichen Vereinigung...

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VOGELSBERGKREIS. Vogelsbergkreis/Frankfurt (cke/red). Nachdem der Vogelsberger Landrat Manfred Görig und Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak sich wegen falscher Corona-Tests schriftlich an die Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) gewandt und unter anderem die Beauftragung eines anderen Labors gefordert hatten (unsere Zeitung berichtete), reagiert die KVH-Spitze erbost. Die Vogelsberger Verwaltungsspitze wiederum kann die KV-Kritik nicht nachvollziehen und reagiert ihrerseits mit einer weiteren Stellungnahme.

Entschieden haben am Mittwoch die Vorstandsvorsitzenden der KVH, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, die Kritik zurückgewiesen. Für die geäußerten Vorwürfe an einem von der KVH eingesetzten Labor zur Auswertung von Coronatests bestehe kein Anlass. Im Gegenteil: Die öffentliche Kritik offenbare ein erschreckendes Maß an Fahrlässigkeit an der Kreisspitze. Auslöser für die Auseinandersetzung waren die öffentlichen Vorwürfe des Landrates sowie des Ersten Kreisbeigeordneten. Im Covid-Koordinierungscenter in Alsfeld abgenommene und in einem von der KVH beauftragten Labor ausgewertete Tests seien fälschlicherweise als "positiv" deklariert worden, obwohl in angeblich 14 Fällen keine Infektion vorgelegen habe.

"Die Vorwürfe der Kreisspitze aus dem Vogelsberg sind aus verschiedenen Gründen haltlos. Zum einen arbeitet die Kassenärztliche Vereinigung Hessen nur mit Laboren zusammen, in denen die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Qualitätssicherung streng eingehalten werden. Das bedeutet, dass auf einen positiv ausgefallenen ersten Suchtest selbstverständlich der zweite, vorgeschriebene Bestätigungstest folgt. An dieser Stelle werden also alle Vorgaben eingehalten. Auch die Zusammenarbeit mit dem beauftragten Labor in anderen Landkreisen läuft völlig unproblematisch", so Frank Dastych und Eckhard Starke. Kritisch sähen sie die Äußerungen der Kreisspitze aber auch vor allem deshalb, weil sie ein hohes Maß an medizinischer Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit offenbarten. Denn dass ein Test auf das Coronavirus einige Tage später anders ausfalle, sei keineswegs ungewöhnlich. Schließlich handele es sich bei einer Virusinfektion um einen biologischen Prozess, der sich stetig verändere.

"Auch fallen nicht alle Tests zu 100 Prozent positiv oder negativ aus, sondern beispielsweise nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent. Wir halten es aber für infektiologisch unverantwortlich, einen solchen Fall nicht als positiven Test zu klassifizieren, denn das Risiko angesichts der Pandemie und eines nach wie vor hohen Ansteckungsrisikos für Nichtinfizierte wäre viel zu groß. Und schließlich - als eigentlich schwerwiegendster Aspekt in dieser überflüssigen Diskussion - werden dadurch die Menschen ohne Not und auf verantwortungslose Weise verunsichert. Denn mehr, als die vom RKI vorgegebenen Regeln streng einzuhalten, kann ein Labor nicht tun. Und mehr, als nur mit solchen Laboren zusammenzuarbeiten, kann auch eine KV nicht tun. Welchen Testergebnissen sollen die Menschen denn nun vertrauen? Denen aus einem Gesundheitsamt im Vogelsberg? Oder nur denen, die im Labor der Universität Marburg ausgewertet wurden, wie vom Kreis vorgeschlagen? Diese Diskussion ist fatal und das Gegenteil von dem, was wir augenblicklich brauchen: Vertrauen in unser Gesundheitssystem und die dort umgesetzten Maßnahmen zum bestmöglichen Infektionsschutz der Bevölkerung", finden die KVH-Vertreter deutlich Worte.

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Dem entgegnet Landrat Görig: "Die Kassenärztliche Vereinigung weiß seit Wochen, dass es bei Corona-Testungen in einigen Laboren - unter anderem in der Einrichtung in Mainz - zu nicht nachvollziehbaren Testergebnissen gekommen ist. Auf unsere Hinweise aber hat sie bislang nicht reagiert". Mehr noch: In einem dem Vogelsbergkreis vorliegenden Schriftverkehr vom 20. Mai - also vor fünf Wochen - zwischen einem Fachreferenten und dem stellvertretenden Vorsitzender der KV, Dr. Eckhard Stracke, erkläre der Referent, dass es Hinweise gebe, dass das Mainzer Labor "je nach Verfügbarkeit nur das E-Gen nachweist, was tatsächlich nicht ausreichend wäre".

"Vor diesem Hintergrund ist die schroffe, barsche und heftige Reaktion der KV auf ein von uns angesprochenes sachliches Problem überhaupt nicht nachvollziehbar", betont Gesundheitsdezernent Jens Mischak. "Dort scheinen die Nerven blank zu liegen."

Landrat Görig vermisst erneut eine schlüssige Erklärung, warum Abstriche weiterhin in Laboren untersucht werden, die nicht nachvollziehbare, verifizierbare Untersuchungsergebnisse liefern. "Wir können daher das KV-Testcenter in Alsfeld nicht mehr empfehlen, denn wir brauchen eindeutige Testergebnisse."

Zum Hintergrund: Mittlerweile gebe es im Vogelsbergkreis 14 Corona-Tests in Folge, deren zunächst positives Ergebnis sich im Nachhinein als falsch herausstellte. Da die Betroffenen trotz des ersten positiven Ergebnisses symptomfrei waren, hatte das Gesundheitsamt eine zweite Testung angeordnet. Alle 14 Ergebnisse erwiesen sich im zweiten Testdurchgang als negativ. Daraufhin hatten Görig und Mischak am Dienstag die KV öffentlich aufgefordert, das Labor zu wechseln, anderenfalls könne man das KV-Testcenter in Alsfeld nicht weiter empfehlen.

"Der Vogelsbergkreis hat sehr verantwortlich gehandelt", entgegnet Landrat Görig. "Wir haben die Patienten mit nicht nachvollziehbaren positiven Ergebnissen zur zweiten Testung geschickt - und zwar in einem Großteil der Fälle innerhalb von 24 Stunden, Ausnahmen gab es lediglich an den Wochenenden."

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Schon seit April hat der Vogelsbergkreis die KV mehrfach auf den Sachstand hingewiesen. Denn in einer Mail vom 23. April an das Gesundheitsamt hatte ein Labor erklärt, dass "aktuell kein Bestätigungstest" mehr durchgeführt wird. "Zum Nachweis des Virus werden Testkits verwendet, die das N-Gen oder das E-Gen nachwiesen (je nach Verfügbarkeit)."

"Uns geht es nicht darum, Krawall zu machen, wir brauchen saubere Ergebnisse, deshalb haben wir die Problematik öffentlich gemacht", betont Mischak. "Bei den Folgen unvollständiger Tests für die Betroffenen und die nachfolgenden Auswirkungen auf die ganze Region durch einen möglichen Lockdown haben wir erwartet, dass sich die KV des Problems annimmt und nicht versucht, uns in Misskredit zu bringen", sagt Görig. Er kündigt an: "Wir halten an unserer Forderung fest und entscheiden uns nach der Pressemitteilung der KV vom Mittwoch für einen anderen Weg der Testung unserer Bevölkerung. Am Donnerstag werden wir bekannt geben, wo Testungen künftig durchgeführt werden können."

Von cke/red