Mehr Unfälle im Vogelsbergkreis

Zwei Pkw nach einem Auffahrunfall auf der Autobahn 5. Symbolfoto: dpa

Die Anzahl der Verkehrsunfälle im Jahr ist im Vogelsbergkreis von 2476 auf 2618 gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unfälle mit Personenschäden deutlich um 54 oder 16,4...

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. Vogelsbergkreis (red). Die Anzahl der Verkehrsunfälle ist im Vogelsbergkreis um 5,7 Prozent von 2476 (2018) auf 2618 (2019) gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unfälle mit Personenschäden deutlich um 54 oder 16,4 Prozent gesunken. Das geht aus der Verkehrsstatistik des Polizeipräsidiums Osthessen hervor. 11 644 Verkehrsunfälle in Osthessen sind die Bilanz des kompletten Verkehrsberichtes 2019 für die Landkreise Vogelsberg, Fulda und Hersfeld/Rotenburg. Dies entspricht einem Anstieg von 431 Unfällen (plus 3,8 Prozent) gegenüber dem Vorjahr, jedoch liegt die Zahl noch unter der von 2017 mit 11 899 Verkehrsunfällen. Osthessen habe einen Anteil von 7,8 Prozent am Unfallgeschehen von ganz Hessen (14 440).

Positiv entwickelten sich die Zahlen im Hinblick auf Verkehrsunfälle mit verunglückten Personen in den drei Landkreisen. Während etwa sechs Prozent dieser Unfälle weniger von der Polizei aufgenommen werden mussten, sank die Zahl von 2418 auf 2274. Die Unfälle mit Leichtverletzten verringerten sich um 5,1 Prozent von 1813 hin zu 1720 und die mit Schwerverletzten um 9,2 Prozent von 578 auf 525. Allerdings stieg die Anzahl von Verkehrsunfällen, bei denen mindestens eine Person ihr Leben verlor, von 23 auf 28. Insgesamt sind laut Verkehrsstatistik 29 Menschen auf osthessischen Straßen im vergangenen Jahr gestorben.

"Wieder waren überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und Vorfahrtsverletzungen die Hauptunfallursachen von Verkehrsunfällen mit Personenschäden. Oder anders gesagt: Vermeidbares und oft sinnloses Verhalten setzte die Ursache für Hunderte von Verletzten und 29 Tote im Straßenverkehr. Grund genug, alles zu tun, den Ursachen entgegenzuwirken", erklärt Polizeipräsident Voß.

Abgesehen vom Vorjahr lasse sich in den letzten Jahren im Vogelsbergkreis ein stetiger Anstieg der Unfallzahlen registrieren und entspreche damit auch dem allgemeinen Trend in Hessen. Die erhöhte Anzahl der Verkehrsunfälle spiegele sich erfreulicherweise nicht in solchen mit Personenschäden wider. Denn hier habe sich im Vogelsbergkreis eine äußerst positive Trendwende eingestellt. Die Zahl der im Straßenverkehr verletzten Personen sei in den letzten vier Jahren konstant geblieben. Die Entwicklung von 274 registrierten Verkehrsunfällen mit Personenschäden im Jahr 2019 stelle eine Reduzierung um 16,46 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar und erreiche damit einen historischen Tiefstand. Die Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang seien von vier auf sieben Unfälle gestiegen, liegen in der 10-Jahresbetrachtung aber unter dem Durchschnitt von neun Unfällen.

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Bei näherer Betrachtung der Unfallzahlen lassen sich zwei Kategorien ausmachen, die für den Anstieg der Gesamtunfallzahl ursächlich sind. Zum einen die deutliche Zunahme der Wildunfälle (1144 Wildunfälle / plus 6,4 Prozent) und zum anderen die starke Zunahme der Verkehrsunfallfluchten (519 / plus 9,4 Prozent). Die Wildunfälle stellten 43,6 Prozent der Gesamtunfallzahlen dar und seien zugleich der höchste Prozentsatz an Wildunfällen aller Landkreise in Hessen sowie der historisch höchste Wert im Vogelsbergkreis. Mögliche Ursachen dafür sind unter anderem die milden Winter der letzten Jahre, der erhöhte Maisanbau sowie die häufiger als früher vorkommende Eichel- und Kastanienmast. Erfolgversprechend klinge in diesem Zusammenhang das Update für die Sicherheits-App "HessenWarn",das ab Mitte 2020 einen Wildwarner integriert.

Zweiradsicherheit

Ein Hauptaugenmerk der Polizei liegt im Vogelsberg, wie auch bereits in den Vorjahren, auf der Reduzierung der Zweiradunfälle sowie der Senkung des Lärmpegels. Aufgrund hoher Unfall- und Verunglücktenzahlen unter Beteiligung von motorisierten Zweirädern und hier insbesondere von Motorrädern mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum, hat die hessische Polizei in den vergangenen zwei Jahren diese Verkehrsteilnehmer besonders in den Fokus gerückt. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass sich das Lebensalter der Beteiligten verlagert. Waren es in der Vergangenheit "Best-Agers", die am häufigsten an Zweiradunfällen im Vogelsbergkreis beteiligt waren, sind es nun die 16- bis 30-Jährigen, informiert das Polizeipräsidium. Deren Freizeitverhalten sei nicht nur auf das Wochenende konzentriert, sodass die Wochentage von Donnerstag bis Samstag bezüglich der Zweiradunfälle statistisch auf einem Niveau liegen und der Sonntag - im Gegensatz zu früher - nur noch knapp über dem Samstag liegt. Die Unfallzahlen aller motorisierten Zweiräder im Vogelsbergkreis seien dennoch von 90 (2018) auf 71 Unfälle in 2019 und somit um 21,1 Prozent gesunken. In noch höherem Maße sank im gleichen Zeitraum die Zahl der Verunglückten von 76 auf 55 Personen, was einem Minus von 27,6 Prozent entspricht.

Diese erfreulichen Zahlen seien das Ergebnis von mehreren Präventionsmaßnahmen der letzten Jahre sowie einer Vielzahl von Kontrollen. Die Intention der Polizei bestehe nicht darin, den Zweiradfahrern den Spaß an ihrem Hobby zu nehmen, sondern dafür Sorge zu tragen, dass alle "Biker" sowie auch alle anderen Verkehrsteilnehmer sicher die schönen Motorradstrecken rings um den "Hoherodskopf" befahren können.

Um die Lärmbelästigung zu reduzieren, setze die Polizei zukünftig nicht nur auf die Kontrolle etwaiger Fahrer ohne DB-Eater oder Race-Auspuffanlagen, sondern plant gemeinsam mit der Stadt Schotten sowie Hessen Mobil ein Lärmmessgerät/Verkehrsdisplay einzusetzen. Dieses ermahnt die Verkehrsteilnehmer zur Rücksichtnahme in Bezug auf die Geräuschentwicklung ihrer Fahrzeuge sowie die Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit.