Ovag blockt ab: Wasserampel bleibt auf Gelb

Grundwasser: Die Forderung mehrerer Vogelsberger Kommunen, die 2021 eingeführte Wasserampel auf "Rot" zu stellen, weist die Ovag in einer weiteren Pressemeldung erneut zurück.

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VOGELSBERGKREIS. Die Forderung mehrerer Vogelsberger Kommunen, die 2021 eingeführte Wasserampel auf "Rot" zu stellen und damit auf eine angebliche schlechtere Grundwasserneubildung zu reagieren, weist die Ovag in einer weiteren Pressemeldung erneut zurück. "Aufgrund der derzeitigen und für die nächste Zeit prognostizierten Grundwasserstände in unseren Gewinnungsgebieten sehen wir uns fachlich und vertraglich nicht in der Lage, substanziell begründet die derzeit bis November angezeigten Phasen der Wasserampel zu ändern", wird darin der Vorstandsvorsitzende Joachim Arnold zitiert.

Grundsätzlich entspreche das Wassermanagement der Ovag den Vorgaben der umweltschonenden Grundwassergewinnung, so Arnold. Ein Grundwassergleichenplan oder hydraulische Wirkungsbeziehungen, die für mittlere oder niedrige Grundwasserstände ermittelt wurden, seien zwischen 20 und 30 Jahre gültig - von veralteten Grundlagen, von denen im Gutachten des Schottener Umweltbüros gesprochen werde, könne also keine Rede sein. Die vom Umweltbüro Schotten behauptete "Entkopplung der Grundwasserneubildung von Niederschlägen" widerspreche naturwissenschaftlichen Grundlagen.

Das anhaltend trockene und heiße Wetter zeige, dass der Klimawandel auch in unserer Region angekommen sei, so der Vorstandsvorsitzende weiter. Experten seien sich darin einig, dass dieser neben der allgemeinen Erwärmung mit den damit einhergehenden Nachwirkungen auch verstärkt zu extremen Wetterlagen führen werde. "Es wird erwartet, dass sich die Neubildungsphasen auf kürzere Zeiträume im Winterhalbjahr konzentrieren. Das würde zwar zu stärkeren saisonalen Schwankungen führen, jedoch sind es vor allem die Niederschläge im Winter, die entscheidend für die Grundwasserneubildung sind. Weniger Frosttage würden beispielsweise dazu führen, dass es mehr Tage gibt, an denen Niederschläge in den Boden und in die Grundwasserleiter eindringen können."

Der Vorstandsvorsitzende des Energie- und Wasserversorgers verweist in diesem Zusammenhang neben den Vorträgen zum Thema auf die am 28. August an die Stadt Schotten versandte Stellungnahme zu deren fünf Anträgen zu diesem Thema (unsere Zeitung berichtete). Die Stadt Schotten hatte gefordert, neue aktualisierte Untersuchungen unter Worst-Case-Bedingungen mit Einbeziehung der Absenkbereiche der Niddaer Wasserwerke vorzunehmen, die Förderung in Rainrod sofort einzustellen, auf die erteilte wasserrechtliche Erlaubnis zu verzichten, die Fördermengen auf zwei Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr zu reduzieren sowie Grenzgrundwasserstände als frühzeitiger Vorwarnwert zu erhöhen.

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Dazu erklärt Arnold, dass sich die Grundwasserentnahme in Rainrod im Einklang mit der wasserrechtlichen Genehmigung befinde. "Bei der Ableitung der Wasserrechte wurden auch die Erfahrungen der 1970-er Jahre, insbesondere die damalige Trockenperiode, mitberücksichtigt." Zudem stehe der Rückgang der Grundwasserentnahme im Gewinnungsgebiet Rainrod gerade nicht im Zusammenhang mit einem Nachlassen der Ergiebigkeit der Entnahmebrunnen. Es sei vielmehr der "sichtbare Ausdruck unserer umweltschonenden Grundwassergewinnung". Es sei unstrittig, dass der Klimawandel die Wasserversorgung vor große Herausforderungen stellen werde. "Deshalb haben wir die Initiative ergriffen und Kommunen - darunter auch Schotten - dazu ermutigt, kommunale Wasserkonzepte zu erarbeiten, die in das übergreifende teilräumliche Wasserkonzept Oberhessen einfließen." Die von der Stadt Schotten geforderte Worst-Case-Betrachtung werde Bestandteil dieser Wasserkonzepte sein.

Die geforderte vorläufige Einstellung der Förderung im Gewinnungsgebiet Rainrod lehnt Arnold mit Verweis auf die wasserrechtliche Bewilligung und Erlaubnis ab. Zum letzten Antrag, der Erhöhung der Grenzgrundwasserstände als frühzeitige Vorwarnung, erklärt der Vorstandsvorsitzende, dass man seit jeher mit Vorwarn- und Eingriffswerten arbeite, die den Grenzgrundwasserständen vorgeschaltet seien. "Das ist elementarer Bestandteil unseres vorausschauenden Wassermanagements." Die Grundwassergrenzstände wurden anhand bodenkundlicher und landschaftsökologischer Kriterien festgelegt. Die Höhe der Grundwasserneubildung spiele hier im Vergleich zur Dynamik der Witterung nur eine untergeordnete Rolle.

"Wir sprechen hier von einem hochkomplexen System mit zahlreichen Eingangsfaktoren. Die Menschen der Region dürfen sich allerdings sicher sein, dass wir als regionaler Versorger diese Situation genau beobachten", erklärt Joachim Arnold abschließend. Die Ovag ist beispielsweise Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main, die eine Studie zur Grundwasserneubildung in Auftrag gegeben hatte. Deren Ergebnis: Das sogenannte Grundwasserdargebot wird sich in den kommenden 20 bis 30 Jahren nur moderat ändern.