Schutzgemeinschaft Vogelsberg plant Mahnwache auf dem Römerberg

Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg will am Römerberg in Frankfurt auf katastrophale Schäden durch Grundwasserentnahme aufmerksam machen. Symbolfoto: dpa

Mit einer ganz besonderen Aktion will die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) auf die Probleme der fortschreitenden Grundwasserentnahme im Vogelsberg aufmerksam machen.

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. Vogelsbergkreis (sw). Mit einer besonderen Aktion will die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) auf die Probleme der fortschreitenden Grundwasserentnahme im Vogelsberg aufmerksam machen. "Wasserentzug + Klimawandel = der Naturraum stirbt" unter diesem Motto kündigt der Verein am morgigen Freitag, 3. Juli, eine Mahnwache an. Veranstaltungsort ist der Römerberg in Frankfurt. Hier war die Schutzgemeinschaft bereits 2016, um auf die schädlichen Auswirkungen im Vogelsberg durch die Grundwasserförderung für das Rhein-Main-Gebiet aufmerksam zu machen. Derzeit werden jährlich rund 40 Millionen Kubikmeter in den Fördergebieten abgepumpt und in den Rhein-Main-Ballungsraum geleitet.

Neben der SGV tritt auch die Aktionsgemeinschaft "Rettet den Burgwald" als Veranstalter auf. Unterstützend dabei sind die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Naturfreunde Hessen und Frankfurt sowie der Kreisverband Frankfurt des BUND Hessen.

Anlass für die Kundgebung mitten in der Mainmetropole sind "die immer katastrophaleren Naturraumschäden durch den Grundwassermangel, der auch dem ungezügelten Wasserverbrauch des Rhein-Main-Gebietes zu verdanken ist", so Cécile Hahn, die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Vogelsberg. Ihre ehrenamtlich agierende Gemeinschaft kritisiert die ihrer Meinung nach unverminderten Ansprüche des Ballungsraums, sich weiterhin zum größten Teil mit Grundwasser aus dem Vogelsberg, der Burgwaldregion und dem Hessischen Ried versorgen zu können. So würden die Wasserwerke des Versorgungsverbundes Rhein-Main zu große Mengen Grundwasser entnehmen. "Ausgerechnet in Trockenzeiten steigern sie ihre Fördermengen auf ein Maximum", so Dr. Otto Wack, der wissenschaftliche Berater der Schutzgemeinschaft. Mit der Mahnwache wollen die Veranstalter zudem "den Magistrat der Stadt Frankfurt an seine vor Jahren gegebene und bis heute nicht erfüllten Versprechen erinnern, effektiv gegen den enormen Wasserimport vorzugehen", heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung. "Mit der Aktion wird auch die Untätigkeit der Frankfurter Stadtregierung ins Licht der Öffentlichkeit gestellt", betont Wack.

Statt der weiteren Grundwasserentnahme sei ein vorausschauender Schutz der Wasservorräte und der Natur angesagt. Dafür müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, so viel wie möglich Grundwasser im Boden zu belassen. Allerdings spielten auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle. "Viele Wassergesellschaften verdienen am Trinkwasserverkauf recht gut", stellt Wack fest. Der Wissenschaftler fordert daher schon seit Jahren die ortsnahe Nutzung von Wasservorkommen in den Ballungsräumen. Das würde das Grundwasser in den ländlichen Fördergebieten entlasten. Die Wasserversorgung Rhein-Main beziehungsweise die dafür verantwortliche Politik müsse sich dieser Verantwortung endlich stellen. Mit der Mahnwache wollen die Veranstalter die politischen Entscheidungsträger der Stadt Frankfurt an ihre "gegebenen, aber nicht eingelösten versprechen" erinnern, die Wassereigenversorgung zu verstärken und Trinkwasser durch die Verwendung von Brauchwasser einzusparen, zum Beispiel bei der Toilettenspülung. "Der Rhein-Main-Ballungsraum muss endlich die Verschwendung von importierten Trinkwasser beenden", stellen die veranstaltenden Umweltverbände eine klare Forderung auf.

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Angesprochen ist aber auch die Bevölkerung in dem Großstadtverbund, schonend mit Grundwasser durch ein entsprechendes Verbrauchsverhalten umzugehen. "Damit können Natur und Wasserversorgung durch das Schonen des Grundwassers wieder vereinbar werden", so die SGV-Vorsitzende. Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Forderungen der Verbände seien vorhanden. Das spiegele sich auch im gemeinsam mit der Landesregierung und vielen Institutionen erarbeiteten "Hessischen Leitbild für ein integriertes Wassermanagement Rhein-Main." Auch im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen sei Entsprechendes nachzulesen. Nun müsse sich Frankfurt endlich am Lösen der Wasserprobleme beteiligen.

Um die Problematik der austrocknenden Naturräume auch optisch ins rechte Licht zu rücken, werden die Veranstalter der Mahnwache viel Aufwand betreiben. Geplant ist, mit einem Lkw mit vertrocknetem Bäumen aus dem Vogelsberg und einem entsprechend bestückten Tieflader samt Bagger auf dem Römerberg vorzufahren. Dazu gibt es mehrfach kurze Aufführungen und Bilder der Naturschädigungen im Vogelsberg. Die Umweltverbände weisen auf die besonderen Regularien wegen der Corona-Pandemie hin. So wird das Areal der Mahnwache von dem übrigen Römerberggelände abgegrenzt. Pflicht sind Mund-Nasen-Schutz und das Einhalten von Sicherheitsabständen. Die Veranstalter kündigen Kontrollen an und bitten gleichzeitig um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen.