Lauterbacher Gastronomen: „Probleme ohne Ende”

Rainer Dietz in der Küche seines "Posthotels Johannesberg". Ihn plagen die hohen Kosten ebenso wie die Personalsorgen. In der Küche fehlen ihm drei Mitarbeiter.

Hans Schmidt und Rainer Dietz klagen über hohe Kosten in allen Bereichen. Nicht nur die Energiekrise, sondern auch Personalnot macht den Wirten zu schaffen.

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LAUTERBACH/VOGELSBERGKREIS. "Probleme ohne Ende". Das sind die ersten Worte von Hans Schmidt vom "Jägerhof" in Maar bei unserem Gespräch. "Da", mit diesem Wort zeigt er die aktuelle Preisankündigung des Gasversorgers für den "Eulenfang" und den "Jägerhof" mit Hotel und Restaurantbetrieb. "8660 Euro im Monat, seither waren es um 2500", sagt der Gastronom.

Die Fixkosten seien um 25 Prozent gestiegen, also Strom, Löhne und Versicherungen. Getränke, Gemüse, Hygiene, Fleisch und seien wesentlich teurer geworden. "Die Wäscherei hat stark erhöht", zählt er einen weiteren Preistreiber auf. Die Löhne würden weiter ansteigen, nicht zu vergessen die Inflation. Erschwerend hinzu komme der Personalmangel in der Branche. Alles andere als rosig.

"Wir müssen deshalb die Preise erhöhen, aber nicht in dem Maße, wie es eigentlich erforderlich wäre", sagt der Küchen- und Metzgermeister. Für das Glas Cola 0,2 beispielsweise hat er bisher 1,50 Euro genommen, das kostet jetzt 1,80 Euro, beim Bier ist es ähnlich: 0,3 gibt es jetzt für 2,70 (vorher 2,40) und 0,5 für 4,20 (3,80). "Da sind wir im Vergleich zu den Kollegen in Fulda immer noch günstiger", sagt er. Bei den neuen Bierpreisen bleibe die Stammkundschaft aus. Viele Maarer Stammgäste träfen sich regelmäßig am späten Nachmittag an der langen Theke, redeten, würfelten und hätten bisher ihre "Schoppen" getrunken. Seien sie bisher in zweistelliger Zahl erschienen, seien es jetzt nur noch eine Handvoll "Schocker".

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Hans Schmidt blättert in einem Ordner mit Dankesschreiben seiner zufriedenen Kunden. Die sind gut fürs Gemüt. © Schobert
Rainer Dietz in der Küche seines "Posthotels Johannesberg". Ihn plagen die hohen Kosten ebenso wie die Personalsorgen. In der Küche fehlen ihm drei Mitarbeiter. ©

Auch beim Essen müsse er die Preise anpassen. Seither habe er im Einkauf für das Kilo Roastbeef mit Knochen 11 Euro bezahlt, jetzt koste es 16 Euro, beim Abhängen verliere das Edelfleisch dann noch etwa 35 Prozent an Gewicht.

Hans Schmidt bietet nach eigenem Bekunden nun auch Speisen im "einfachen Preissegment" bis zwölf Euro an, auch am Mittag. Corona-Hilfen im oberen fünfstelligen Bereich müsse er zurückzahlen. "Das kann ich nur in Raten machen." Der Gastronom rechnet für 2023 mit einer enormen Steigerung der Fixkosten. Auch die zahlreichen Kontrollen der Behörden belasteten den Betrieb. Das alles lasse ihn nachts nicht mehr gut schlafen. "Ich bin Koch und Metzger mit Leib und Seele, aber so gefällt mir mein Beruf nicht mehr", klagt der Maarer.

Ich bin Koch und Metzger mit Leib und Seele, aber so gefällt mir mein Beruf nicht mehr.

HS
Hans Schmidt Maarer Gastronom

"Ich befürchte den Niedergang unserer Branche, aber nicht nur dieser, sondern auch die der Bäcker, Metzger und Landwirte", sagt der 65-jährige Gastronom. In den vergangenen Jahren habe sich die Anzahl dieser Berufszweige halbiert. Das alles gehöre für ihn zum immateriellen Kulturerbe. Das sei identitätsstiftend, werde von menschlichem Wissen und Können getragen und von Generation zu Generation weitergegeben. Die Kneipe habe in ihrer Funktion als gesellschaftlicher Kitt und Mittelpunkt der Gesellschaft ausgedient.

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Wenn es ganz schlimm wird, dann holt Hans Schmidt seinen Ordner herbei, in dem er viele Dankesschreiben seiner zufriedenen Gäste abgeheftet hat: "Jedes Essen bei Dir ist ein Genuss", "Es hat uns sehr gut gefallen", "mustergültig organisiert", "für uns war es das gelungenste Familientreffen", "hellauf begeistert", "Hans hält mit seiner Großzügigkeit seine Gäste bei Laune". "Was Sie (und Ihre Mannschaft!) leisten, ist buchstäblich fast unfassbar und gleichzeitig einmalig", heißt es in diesen Schreiben. Solches Lob entschädige ihn wenigstens für einen Moment für all den Stress in Sachen Kostensteigerung und über Hand nehmende Bürokratie, gesteht Schmidt.

"Stärkere Politik für den Mittelstand"

Und er ist nicht allein mit seinen Sorgen um seine Zunft. Rainer Dietz, seit 41 Jahren Inhaber des "Posthotels Johannesberg" in Lauterbach ist Vizepräsident der IHK Gießen-Friedberg. In dieser Funktion hat er in der jüngsten Vollversammlung seine Sorgen zum Ausdruck gebracht. "Gerade in der Gastronomie zeigt sich die ungewisse Lage. Die stark gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie können wir nicht komplett an unsere Gäste weitergeben. Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie bedeuten zudem, dass viele Gäste noch sehr vorsichtig sind. Und das ist ein Gästepotenzial, das wir brauchen." Konkret wünscht er sich eine stärkere Mittelstandspolitik, die die Eigenständigkeit der Betriebe stärke. In seinem Lauterbacher Unternehmen, mit Restaurant, großem Saal und Hotel ist er derzeit "planlos". Er könne noch nicht planen, denn er wisse noch nicht, wie hoch seine Gas- und Stromkosten in diesem Jahr sein würden.

Gerade in der Gastronomie zeigt sich die ungewisse Lage. Die stark gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie können wir nicht komplett an unsere Gäste weitergeben

RD
Rainer Dietz Chef des „Posthotel Johannesberg”

2022 zahlte er rund 45.000 Euro für Strom und 15.000 Euro für Gas. Neue Preise könne er aus diesem Grunde noch gar nicht kalkulieren. Er wisse aber, dass ab Februar alles teurer werden müsse. So werde bei ihm das Bier (0,3 Liter) 2,70 Euro kosten, bereits im Herbst hatte er den Preis um zehn Cent auf 2,50 angepasst. Das Stammessen, derzeit für 8,50 Euro zum Mitnehmen, werde ab Februar neun Euro kosten. Die Rückzahlung der Corona-Beihilfe im fünfstelligen Bereich, Steuern, höhere Löhne, Inflation, Energie... "all das können wir nicht umlegen", sagt er. So sei etwa das Fleisch für ihn um 30 Prozent teurer geworden.

Neben den höheren Kosten plagen Rainer und Gisela Dietz auch Personalsorgen. Der afghanische Koch habe gekündigt, er möchte in die Heimat zurück. Eine Küchenhilfe, die kleine Kinder habe, möchte am Wochenende frei haben. "Mir fehlen in der Küche drei Leute, im Service sind wir derzeit noch gut aufgestellt", sagt Rainer Dietz. Es werde wohl künftig Veränderungen geben müssen, kündigt er an.