Lauterbacher unter den Besten in Hessen

Freude in der Stadtbücherei über den Hessischen Leseförderpreis (von links): Sabrina Recknagel, Maria Geberlein, Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, Bücherei-Leiterin Petra Scheuer, Alisa Wohlfahrt und Kim Beermann. Foto: Rausch

Jetzt ist es raus: Das Lauterbacher Team gehört zum vierten Mal zu den Gewinnern des Hessischen Leseförderpreises und erhält ein Preisgeld von 4000 Euro.

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LAUTERBACH. Dass sie zu den Nominierten gehören - das wussten die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei schon länger. Nur nicht, für welchen Preis. Aber jetzt ist es raus: Das Lauterbacher Team gehört zum vierten Mal zu den Gewinnern des Hessischen Leseförderpreises und erhält ein Preisgeld von 4000 Euro.

Die Lauterbacher Bücherei ist ein gern gesehener Gast bei den Veranstaltungen des Hessischen Leseförderpreises. 2008, 2010 und 2018 gehörten sie bereits zu den Gewinnern, wurden aber sonst immer wieder eingeladen, um mit Lauterbacher Schülern Bookslams im Rahmenprogramm der Veranstaltung aufzuführen. "In diesem Jahr wäre die Preisverleihung am 4. Dezember gewesen", berichtet Petra Scheuer, Leiterin der Lauterbacher Stadtbücherei. "Das war immer eine tolle Sache. Aber wir freuen uns natürlich trotzdem, dass wir zu den Preisträgern gehören." Weitere Preise gingen nach Diedenbergen, Frankenberg, Oberursel und Rüsselsheim.

Die Lauterbacher wurden für ihr "Spar-Buch" ausgezeichnet: Das Projekt, das vom Team bereits 2019 gestartet wurde und seitdem fest zum Konzept der Einrichtung gehört, überzeugte die Jury aufgrund seiner "herausragenden Nachhaltigkeit", wie es in der Urkunde heißt. "Die Idee kommt von Ilona Fuchs aus Lollar. Wir haben sie damals gefragt, ob wir diese übernehmen dürfen, und haben sie für uns überarbeitet und angepasst", erklärt Petra Scheuer das Projekt. In vier Grundschulen und acht Kindergärten wurden große hölzerne "Spar-Bücher" aufgestellt, in die die Kinder Lesemünzen für jedes gelesene Buch einwerfen konnten. "Das war ein wahnsinniger logistischer Aufwand", berichtet Petra Scheuer. Informationsgespräche mussten geführt werden. Designerin Ute Kirst entwarf Flyer, Plakate und die Optik der "Spar-Bücher", die von einer Klasse der Vogelsbergschule in Lauterbach gebaut wurden. Finanziell unterstützt wurde die Aktion vom Förderverein und von der Hessischen Leseförderung. Danach folgten Vollversammlungen an jeder Schule oder Kindertagesstätte, wo Petra Scheuer und ihre Mitarbeiterin Kim Beermann eine kleine Show mit einem eigens getexteten Lied aufführten, um den Kindern die Idee der "Spar-Bücher" zu erklären. "Unter dem Motto ,Wer liest, gewinnt' konnten dann die Mädchen und Jungen Münzen für ihre Schule oder Kita sammeln." Der Gewinner wurde dann prozentual ermittelt, damit auch kleine Gruppen eine Chance haben, zu gewinnen.

Im Januar 2020 kamen 80 Gäste zur Preisverleihung - von jeder Einrichtung auch eine Abordnung von zwei Kindern. Insgesamt kamen 2403 Lesemünzen zusammen. Preise und Urkunden gab es für alle; die vorderen Plätze wurden mit Sitzsäcken belohnt. "Wir hatten einen so großen Interessentenkreis wie noch nie erreicht: Über 1400 Kinder besuchten die teilnehmenden Einrichtungen. Immer wieder wurden Kinder in der Stadtbücherei angemeldet, damit sie auch Lesemünzen sammeln konnten", fasst Petra Scheuer freudig zusammen. "Das ist eine schöne Aktion und sehr nachhaltig, weil sie weiterläuft. Es hat allen sehr viel Spaß gemacht, und 2019 wurden soviele Kinderbücher ausgeliehen wie noch nie zuvor. 189 Neuanmeldungen hatten wir ebenfalls zu verzeichnen." Das "Spar-Buch" habe viele Kinder in die Bücherei gebracht und dabei geholfen, dass sie das Lesen für sich entdecken. "Denn die Münzen wurden nur an die Kinder persönlich ausgegeben." Durch Corona kam die zweite Runde der "Lese-Spar-Bücher" etwas ins stocken, doch das Team merkt, dass die Nachfrage nach den Münzen bereits wieder gestiegen ist. Und sobald es wieder möglich ist, soll es eine neue Kampagne geben, um die Kinder wieder ans Sammeln der Lesemünzen zu erinnern.

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Nicht nur das Team der Bücherei freut sich über den Preis, auch Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller ist stolz: "Das ist eine große Auszeichnung nicht nur für die Bücherei, sondern auch für das Engagement von Petra Scheuer. Sie macht ihre Arbeit mit viel Herzblut und identifiziert sich mit der Einrichtung weit über das normale Maß hinaus."

Konkrete Pläne, wofür das Preisgeld verwendet werden soll, gibt es noch nicht: "Im Moment dürfen wir keine Aufenthaltsqualität bieten. Aber eigentlich würde ich gerne die Jugendbibliothek chilliger machen", wünscht sich Petra Scheuer. Sie könnte sich auch einen "Maker-Space" vorstellen, an dem sich die Kinder und Jugendlichen an einer Action-Kamera, an einer Nähmaschine, einer Slack-Line, einem 3-D-Drucker oder vielen anderen Dingen ausprobieren können. Denn auch eine Bücherei muss sich immer wieder neu erfinden, neue Angebote machen und mit der Zeit gehen. "Es gibt ganz tolle Ideen, die Bücherei zu einem Treffpunkt zu machen. Überall sonst, wo sich Jugendliche treffen können, herrscht nämlich Konsumzwang. Das gibt es hier nicht. Die Dänen und die Holländer haben da sehr interessante Konzepte bereits vielfach mit Erfolg umgesetzt, um die Büchereien auch zu einem Ort der Begegnung und des Verweilens zu machen", ist Petra Scheuer begeistert. Es wird also auch noch in Zukunft immer wieder Neues in der Lauterbacher Stadtbücherei zu entdecken geben...