Maarer Grundschüler begeistern sich für Humperndincks...

Ein musikalisch-märchenhaftes Vorweihnachtsprogramm für die Grundschüler bot die Gudrun-Pausewang-Schule Maar. In der Sporthalle der Schule gastierten für einen Tag die...

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MAAR. Ein musikalisch-märchenhaftes Vorweihnachtsprogramm für die Grundschüler bot die Gudrun-Pausewang-Schule Maar. In der Sporthalle der Schule gastierten für einen Tag die Künstler der Kammeroper Dresden unter Leitung von Thomas Ender. Nach dem Grundgedanken der Aufführung, die sonst schwer erreichbaren Opern in die Schulen zu bringen, boten sie mit einer Kammerfassung von Engelbert Humperndincks romantischer Märchenoper "Hänsel und Gretel" ein großartiges Erlebnis und konnten Schüler und Lehrer gleichermaßen begeistern.

Mit einfachen Mitteln, nämlich vorzugsweise Pappe, Farbe und Bauschaum, zauberte man das schöne Bühnenbild - Nachmachen erwünscht. Als weitere Überraschung erwies sich für viele der Anfang des Stücks, denn das Schauspiel hatte gar kein Sandmännchen, die Position sollte aus dem Publikum besetzt werden. Enders' geschultes Auge fiel auf Emma Caspar, die im blauen Gewand eine tolle Theaterstatistin abgab und fortan im Publikum auf ihren Einsatz wartete. Auch kam der musikalische Start überraschend, denn der Erzähler erzählte gar nicht immer. Er stand auch nicht immer vorne, sondern fing hinter dem Publikum an zu singen und lief herum. Mit einer gewaltigen Kraft und Dynamik in der Stimme zog Charakterbariton Ender mit einem Ruck alle Blicke auf sich.

Der examinierte Diplom-Gymnasiallehrer für Deutsch und Musik steht nach seinem Gesangsstudium schon seit 1999 der Kammeroper Dresden vor und weiß selbst mit den Kleinsten umzugehen. Kein einziges Mal verlor er bei seinen Szenen im Stück die Aufmerksamkeit: Auf potenzielle Unruheherde ging er zu und sang sie einfach weg. Durch die Positionswechsel der Darsteller, aber auch durch die abwechslungsreiche Komposition der Szenen entstand ein lebendiges Bild des Märchens, was überzeugen konnte.

Für Jubel sorgte auch Emmas Auftritt, der zum Abschluss mit großer Anerkennung der Mitschüler und einem Lebkuchenhaus als Gage geehrt wurde. Während Sandmännchen Emma in der Waldszene mit Seifenblasen Hänsel und Gretel fröhlich stimmte, lief es für die beiden nicht ganz so gut. Denn leider aßen sie dabei alle Erdbeeren und wurden von der Mutter in den Wald gejagt, wo sie es nach dem Knabbern am Häuschen mit der Hexe aufnehmen mussten. Man kennt die Geschichte. Zum Schluss wanderte die Hexe aber auch in Maar in den Ofen und die Geschwister kamen mit dem Leben davon.

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Ein paar Änderungen zum Originalmärchen merkte Ender aber an. Die Mutter war hier die leibliche und der Vater war Besenbinder. Daher musste Hänsel Besen binden und behinderte im Besenkampf Gretel am Sockenlöcher stopfen, bis die beiden dabei den Topf mit der Milch herunterwarfen. In der ursprünglichen Version passierte dies der wütenden Stiefmutter. Mehr alltäglich und weniger verstrickt gestaltete man so die Geschichte, die von der Aufführung her aber ganz dem Herzen des Autors entsprungen sein soll.

"Bei einer Vorstellung in München kam eine von der Darbietung sehr angetane, ältere Dame zu uns und sagte, dass ihr Ur-Urgroßvater das so ähnlich aufgeführt haben muss - im Wohnzimmer. Es war tatsächlich die Ur-Urenkelin von Engelbert Humperndinck", berichtete Enders im Anschluss an der Stück. Diese habe ihm erzählt, dass das Stück früher als Zimmerstück konzipiert war und erst für die Aufführung am deutschen Nationaltheater in Weimar für die Bühne umgestrickt und verlängert wurde. Was die Schüler in Maar damit geboten bekamen, sollte von Art und Länge her also gut Humperndincks Ur-Originale entsprechen und war damit noch etwas exklusiver. Denn das bekommt man auf den Theaterbühnen sonst nicht zu sehen.

Wie die Grundschüler feststellten, verlor sich der Text leicht im typischen Operngesang und war nicht immer einfach zu verstehen. Das Märchen war aus diesem Grund bewusst gewählt, denn die Texte waren nicht ganz unbekannt und das Ohr konnte geschult werden. "Ein Männlein steht im Walde" kannte wirklich jeder und besonders "Brüderchen komm tanz mit mir" regte dazu noch zum Mitmachen an. Ein fröhliches Lachen, Klatschen und Stampfen fügte sich in die musikalische Begleitung.

Diese musikalische Begleitung wurde live am Piano dargeboten und brauchte auch keine Ergänzung - Kammeroper eben. Interessant war für das Stück auch die Akustik der Sporthalle: Es "hallte" in der Halle, klanglich aber sauber und den hervorragenden Stimmen in keiner Weise abträglich. Bestimmt war auch hier für die Schüler hörenswert, wie man ohne technische Verstärkung eine Sporthalle mit Ton füllte. Nur der geheimnisvolle Knall zu den Hexenzaubern, der war etwas sehr laut, wie viele Schüler fanden und an dem in der Fragerunde deshalb auch ganz unwissenschaftlich die Hexe schuld war.

Unzählige weitere Fragen beantwortete Ender den Kindern als Lehrer, erklärte die Stimmlippen und warum kleine Menschen höher singen können. Abgeschlossen mit dem Spaß, seine Kollegen im Unterricht mit dem Klangversuch eines Lineals an der Tischkante zu erfreuen, war der Mittwoch für alle sicher eine tolle Erfahrung, die Humperndincks Märchenoper als wunderschönes Erlebnis hinterlässt.