Musikschule Lauterbach unterrichtet weiter

Berthold Möller bietet den Schülern derzeit digitalen Schlagzeug- und Percussionunterricht an. Foto: Scheuer

„Die Solidarität unserer Schüler und Eltern ist gegeben“, freut sich Klaus Scheuer, der Leiter der Musikschule Lauterbach. Zwar darf in den Räumen der Schule wegen der...

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LAUTERBACH. (an). „Die Solidarität unserer Schüler und Eltern ist gegeben“, freut sich Klaus Scheuer, der Leiter der Musikschule Lauterbach. Zwar darf in den Räumen der Schule wegen der Corona-Pandemie kein Unterricht mehr stattfinden, doch habe es aus diesem Grund noch keine Kündigungen gegeben. Er könne deswegen auch die insgesamt 24 Lehrkräfte, die auf Honorarbasis arbeiten, weiter bezahlen. Unterricht wird weiterhin angeboten, jedoch in digitaler Form. Diese Solidarität der Eltern und Schüler sei jedoch nicht selbstverständlich und könne auch nicht ewig weitergehen, so Scheuer.

400 Musikschüler

Auch die Lauterbacher Musikschule gehört zu den im Verband der Musikschule (VdM) organisierten öffentlichen Musikschulen. Mit ihren etwa 400 Schülerinnen und Schülern zähle sie zu den kleinen Schulen im Verband, was jedoch nichts an den bundesweiten Standards des VdM ändere, fachlich qualifizierte Angebote über das gesamte Spektrum der Musik von Klassik bis Pop anzubieten. Auch in Lauterbach werde die Finanzierung des Angebots zu fast 80 Prozent durch Unterrichtsgebühren gedeckt. Doch an der Lauterbacher Musikschule freue man sich derzeit über die Solidarität von Eltern und Schülern, so Klaus Scheuer, denn anders als an anderen hessischen Musikschulen nähmen die Schüler der Lauterbacher Musikschule die Onlineangebote begeistert an. „Es wird mir sehr oft signalisiert, dass es den Schülern richtig Spaß macht“, sagt Scheuer. „Sie sind richtig heiß drauf.“ Das sei sicher zum Teil darauf zurückzuführen, dass kein Schulunterricht stattfand und die Schüler wegen der Ausgangsbeschränkungen weniger als sonst mit ihren Freunden unternehmen könnten.

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„Bislang gibt es noch keine Rückforderung von Gebühren.“ Schulleiter Klaus Scheuer führt dies auf die hohe Wertschätzung zurück, welche die Musikschule bei Schülern und Eltern genieße. Das Unterrichten per Skype oder WhatsApp habe sich inzwischen eingespielt, und jetzt seien ja erstmal die Osterferien. „Die Lehrkräfte und die Schüler mussten sich erstmal in die neuen Arbeitsstrukturen hineinfinden“, berichtet Scheuer. An einigen Orten im Vogelsbergkreis scheitere diese Form des Unterrichts jedoch an der schlechten Internetverbindung. Deswegen gehe es nicht in allen Fällen.

Wie es nach den Osterferien weiter geht, wisse noch niemand. Dauerhaft sei der digitale Musikunterricht nämlich keine Lösung. „Bei der Elementaren Musikpädagogik in Großgruppen von rund zwölf Kindern, wie sie direkt an der Musikschule oder an Kindertagesstätten angeboten wird, stößt er an seine Grenzen. Hier können bestenfalls ganze Unterrichtseinheiten mit Bewegungsspielen und Liedern an die Eltern gesendet werden“, so die Einschätzung des Schulleiters. Die Eltern würden die Inhalte dann gemeinsam mit den Kindern umsetzen. Unterricht in Ensemble- und Ergänzungsfächern mit noch größerer Personenzahl lasse sich jedoch kaum digital ersetzen.

Auch der Bereich Inklusion, ein Schwerpunkt der Lauterbacher Musikschule, könne auf digitalem Weg nicht bearbeitet werden. Dieser digitale Unterricht sei aus der Not heraus geboren und kein vollwertiger Ersatz. Denn der persönliche Kontakt zwischen den Schülern und Lehrern sei wichtig und durch nichts zu ersetzen. Die jetzt angewendeten und in der Praxis ausprobierten digitalen Unterrichtstechniken können nach Scheuers Einschätzung jedoch auch später, in der Zeit nach Corona, als Ergänzung des herkömmlichen Unterrichts dienen.

„Zur Existenzfrage wird die aktuelle Situation besonders für die an den Musikschulen tätigen, selbständigen Honorarlehrkräfte“, führt Klaus Scheuer weiter aus. Hierzu verweist der hessische VdM-Landesvorsitzende Michael Eberhardt in einer Pressemitteilung auf die beiden Staatsminister des Hessischen Wirtschafts- und des Finanzministeriums, „die nun klar zum Ausdruck gebracht haben, dass Zuschüsse nicht nur an Unternehmen, sondern auch an Vereine, Verbände, Solo-Selbstständige sowie Künstlerinnen und Künstler gewährt werden können, die zudem nicht zurückgezahlt werden müssen“. Zu den ersten Informationen gehöre auch, dass das Regierungspräsidium Kassel sowohl für die öffentlichen Musikschulen als auch für die Honorarlehrkräfte Ansprechpartner für alle Anträge auf Soforthilfe ist. Auch die Musikschule Lauterbach gehöre theoretisch zum Kreis derer, die einen solchen Zuschuss beantragen können. Aber „wir haben momentan noch keine Einnahmeausfälle“, spricht dies aus Scheuers Sicht dagegen. „Die grundsätzliche Finanzierung unserer Musikschule ist momentan gesichert.“ Sie dürfe, falls sie solche Zuschüsse bekommt, auch keine Honorare an die Lehrkräfte mehr zahlen. Für diese selbständigen Musiklehrer, die an der Einrichtung als Honorarkräfte arbeiten, würde das dann laut Aussage des Schulleiters bedeuten, dass sie Grundsicherung beantragen müssten, also zu „Hartz-IV-Empfängern“ würden. Mit anderen Worten: „Die Musikschule Lauterbach und unsere Lehrkräfte fallen durch das Raster.“

Momentan komme die Musikschule also noch über die Runden. Die Frage sei, wie es dann ab Mai weitergehe. Auf jeden Fall würden sich wohl alle wieder auf einen gemeinsamen Unterricht freuen. Für ihn selbst bedeute Musik sehr viel. Deswegen spiele er oft abends am Fenster – sehr zum Vergnügen auch der Nachbarn, die sich jedesmal darüber freuen würden.