Was Künstler und Magnete gemeinsam haben...

Ilona Sauer vom Projekt FLUX stellt zusammen mit Nadja Soukup, Gabriele Szepanski, Anka Hirsch und Andreas Goldberg (von links) ein ungewöhnliches Kunstprojekt vor. Dreh- und Angelpunkt wird des Ambiente des Schloss Eisenbach sein. Foto: Rausch

"Magnetfeld Eisenbach: Anziehung - Aufladung - Ausstrahlung" ist ein äußerst spannendes Projekt auf Schloss Eisenbach.

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LAUTERBACH. "Magnetfeld Eisenbach: Anziehung - Aufladung - Ausstrahlung" - wer das Motiv auf einem Plakat oder einem Flyer sieht, bleibt erst mal stehen. Magnetfeld? Künstlerresidenz? In Eisenbach? Was dahintersteckt, ist ein äußerst spannendes Projekt, in dessen Verlauf alles erlaubt ist, alles entstehen kann, nichts entstehen muss, an dem sich aber alle beteiligen können. Genauer erklären es Ilona Sauer, FLUX-Projektleiterin, die Künstlerinnen Nadja Soukup und Anka Hirsch sowie die Vertreter der beteiligten Gruppen der Stadtjugendpflege, Andreas Goldberg, und Gabriele Szepanski von den Schottener Sozialen Diensten.

FLUX ist ein vom Land Hessen gefördertes Programm, das die Vielfalt des Theaters in all seinen Facetten auch abseits der Metropolen unter die Leute bringen will. Das Programm an sich existiert bereits seit 2008, seit 2015 gibt es sogenannte Künstlerresidenzen. Ab Juni wird sich eine davon für drei Monate auf Schloss Eisenbach, gelegen bei Lauterbach, befinden. "Es wird in diesem Jahr vier Residenzen in Hessen geben", informiert Ilona Sauer. "Gefördert durch die Sparte ,Kulturkoffer' geht es dabei darum, zusammen mit der Bevölkerung unterschiedliche Formate auszuprobieren. Jede Künstlerresidenz hat ihre eigene Handschrift, immer sind mehrere Generationen daran beteiligt." Es seien stets ganz unterschiedliche Künstler, die sich auf ein derartiges Projekt einließen. Oft würden diese mit unterschiedlichen Gruppen Leerstände in den Gemeinden wieder zum Leben erwecken, "eine neue Urbanität in den Gemeinden herstellen". Es gehe darum, neue Strukturen zu schaffen, neue Wege der Kommunikation zu entdecken und Gruppen neu zusammenzubringen.

In Eisenbach wird das Konzept etwas anders sein: Statt hinauszugehen, wollen die Akteure interessierte Menschen anlocken. "Daher ist das Bild des Magnetes auch so toll", schwärmt Ilona Sauer, denn es gehe darum, viele Menschen zusammenzubringen, die sich gegenseitig in ihrer Art und in ihrer Arbeit bereichern - eben "aufladen".

Die künstlerische Leitung übernehmen Anka Hirsch, die als Musikerin schon lange auf Schloss Eisenbach wohnt, und ihre Kollegin, die Schauspielerin und Dramaturgin Nadja Soukup vom Theaterlabor INC Darmstadt. "Ich finde es ganz toll, dass es so viele verschiedene Fäden gibt, die hier zusammengeknotet werden können", ist Anka Hirsch schon voller Vorfreude auf das kommende Vierteljahr, das am 6. Juni beginnen wird. In der Künstlerresidenz soll es darum gehen, Freiräume mit anderen Augen zu betrachten, Blickwinkel zu verändern, künstlerischen Prozessen nachzuspüren und die kulturelle Arbeit in der Region zu beleben.

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Natürlich spielen auch Musik und Theater eine Rolle. Zum Beispiel Jan Kotts Interpretation von Hamlet. "Bei ihm geht es darum, dass das Sein vorbestimmt ist. Die Frage ist nun, ob Menschen mit Beeinträchtigungen dies auch so sehen. An diesen Geschichten können wir uns ,reiben' und vieles über uns herausfinden. Und daraus entsteht dann das Stück", erklärt Nadja Soukup. Mit dabei ist auch bildende Künstlerin und Bühnenbildnerin Martina Zirngast, "die mit ihren Masken und Materialien auch für spannende Ideen und Impulse sorgen wird", ergänzt Anka Hirsch.

Doch nicht jeder muss unbedingt die Bühne entern, wenn er es nicht möchte. Das gemeinsame Erleben steht viel eher im Mittelpunkt der Künstlerresidenz. "Ich möchte die Räume hier offen anbieten. Es gibt auch Lücken im Terminkalender für andere Interessenten, die vielleicht hier drei Tage an ihrem Roman schreiben möchten", beschreibt Anka Hirsch nur eine von unzähligen Möglichkeiten. Es wird Konzerte geben, Musiker werden Eisenbach besuchen und mit jedem, der möchte, etwas gemeinsam auf die Beine stellen. Die "Kulturwerkstatt Wagon" wird einen Workshop anbieten, die Weltmusikerinnen der Acht Ohren werden ihr Probenwochenende in Eisenbach verbringen und ein Kinder-Musiktheater vorbereiten, Filmemacher Sven Wernikowski wird ebenfalls vor Ort sein. Autor und Dramaturg Norbert Ebel wird sich auch an der Residenz beteiligen. "Es geht ums Ausprobieren", fasst Ilona Sauer zusammen. "Es dürfen auch Dinge mal nicht funktionieren, es können aber auch Bilder oder Fotografien entstehen oder ganz andere Projekte. Die Menschen können einfach da sein, experimentieren, improvisieren - auch ohne auf eine Bühne zu gehen."

Mit dabei sind auch die Schottener Sozialen Dienste. "Ich betreue hauptsächlich Menschen mit psychischen Problemen. Wir als Institution nehmen schon lange an solchen kreativen, inklusiven Projekten teil. Begegnungen mit anderen Menschen zu zulassen, ist zum Beispiel eines unserer Themen." Stadtjugendpfleger Andreas Goldberg hofft, dass sich auch die Jugendlichen des interkulturellen Jugendtreffs, die im vergangenen Jahr mit ihrem Projekt "Yallah Yallah Ratz Fatz" auf viel Interesse gestoßen waren, an der Künstlerresidenz beteiligen. Unter anderem steht ein Zusammenkommen mit einem Flüchtlingsprojekt in Darmstadt auf dem Plan. "Ich bin schon gespannt auf die Jungs und die Gruppe afghanischer Frauen", freut sich Anka Hirsch auf neue Blickwinkel. "Die Natur und der ganze Ort können hier von uns genutzt werden." Dokumentiert wird alles auf einer großen Scheunenwand, aber auch per Video und Facebook.

Kontakt

"Ich finde diesen offenen Prozess einfach klasse. Es kann so vieles passieren. Und vielleicht ergibt sich auch die eine oder andere Veranstaltung" - alle Nicken bei diesem Satz und können es kaum erwarten, dass es mit der Künstlerresidenz losgeht. Wer sich auf dem Laufenden halten möchte, kann dies über die Facebook-Seite "Magnetfeld Eisenbach". Der LA wird ebenfalls immer wieder mal bei der "magnetischen Künstlerresidenz" vorbeischauen.