„Keine Fake-News, alles ist wahr“

Das Männerballett beim stimmungsvollen Abschluss auf der Bühne. Fotos: Weil  Foto:

(sw). Michelbachs Narren lassen sich lange Zeit, dann aber schlagen sie kräftig zu. Traditionell am Rosenmontag ist die Fremdensitzung in der kleinsten Narrhalla der...

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MICHELBACH. Michelbachs Narren lassen sich lange Zeit, dann aber schlagen sie kräftig zu. Traditionell am Rosenmontag ist die Fremdensitzung in der kleinsten Narrhalla der Großgemeinde, was der fröhlichen Stimmung alles andere als abträglich ist.

Natürlich war kein Platz mehr frei, als Torsten Stürtz, der Vorsitzende des 1. Faschingsclubs Michelbach seine „Lieben“ begrüßte. Darunter auch Abordnungen aus fast allen Faschings- und Carnevalsvereinen der Großgemeinde und erstmals ein Prinzenpaar, Prinzessin Sophia I. und Prinz Jens I. von den Sichenhäuser Niddernarren. „Wir haben die närrische Zahl von 111 an Gästen überschritten“, freute sich der Vorsitzende.

Für den stimmungsvollen Auftakt sorgte die Garde aus Merkenfritz, für die Torsten Stürtz die erste Stimmungsrakete im Verlauf des vierstündigen Programms zünden ließ. Als „Antialkoholiker“ stellte sich Ortsvorstehr Holger Becker vor. Seine Parole lautete: Kampf gegen den gefährlichen Volksfeind. Aber das nahm der Redner in schlichter Mönchskutte nicht ganz so ernst, denn er mahnte seine Zuhörer: „Vorsicht, trinkt nicht zu viel Wasser“. Dass es auch anders – ohne Wasser – geht, demonstrierte er während seines Vortrags reichlich.

Warum Betzenrods Jonas Repp den Beinamen „Partymaus“ trägt, wurde schnell klar: Ein lustiger Vortrag garniert mit immer neuen Witzen, ist sein Markenzeichen, wobei der Vertreter des BCC sich vom Gelächter auf den Bankreihen nicht selten selbst anstecken ließ.

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Ein bisschen Lampenfieber hatte er, aber dann war es soweit: Heiko Vierheller stand im Mittelpunkt. Als „einarmiger Geiger“ kam er auf die Bühne, ausstaffiert mit Besen und Weidenrute, die er zu Musikinstrumenten umfunktionierte. Dem Publikum offerierte er die schwere Aufgabe, zu seinem Schiller-Text den Refrain zu singen.

Die Tagesschau in Michelbach – kein Problem, wenn Michael Beuler, gestandener Niddernarr auf der Bühne Platz nimmt. „Pikantes“ an Neuigkeiten hatte er im Nachrichtengepäck. Als die Michelbacher Narren im vergangenen Jahr ihr 22. Jubiläumsfest feierten, wurde das Geschehen von mehreren Videokameras überwacht. Die Auswertung erfolgte erst jetzt und machte ein „schweres Vergehen“ des 1. FCM-Chefs öffentlich. Für die letzten Bissen seiner Wurst stibitze sich Torsten Stürtz den Senf vom Teller seines Tischnachbarn.

Nach der Pause wurde der Stimmungspegel mit einer zünftigen Hüttengaudi in die Höhe getrieben. Die „Jungs von der Hütte“ ließen sich nicht lumpen, intonierten krachende Stimmungshits.

Nach so viel Ausgelassenheit musste Heiko Vierheller erst einmal „Ruhe“ in die Reihen bringen. Nur mit Mühe schleppte er sich in die Bütt. „Aisch ho so asche Schmerze“, ließ der Leidgeplackte wissen. Woher das Unwohlsein kommt, war ihm ein Rätsel: „Der Doktor sagt, aisch hätt Wasser in de Knie, Aber ich trink doch nur Bier“.

Aus dem nahen Rudingshain stürmte die nächste Tanzgruppe in den Saal. Die an die Minibühne angepasste Formation präsentierte sich bei ihrem Eiszeittanz zunächst als tapsige Pinguine und dann als liebreizende Elfen.

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Sich bewegen nach dem Frühstück, das war genau das Richtige für das Ehepaar Udo (Udo Adler) und Astrid (Astrid Wingefeld). Vor allem, weil der Ehemann vom Vorabend noch verkatert ist. Zum Glück gibt es den Radiosender „1. FCM“, der täglich die Sendung „Fit und streck, der Speck muss weg“ ausstrahlt. Doch wegen einer Panne wird kurzfristig eine Kochsendung ins Programm genommen. Und so kommt es zu köstliche Szenen, wenn die Gattin den Anweisungen des Radiosprechers (Hans-Herrmann Alt) folgt und ihren Udo mit Öl einreibt, mit Pfeffer, Salz und Paprika würzt, auf eine Pfanne setzt und schließlich den Strunk abschneiden soll. Dann war die Bühne frei für die Betzenröder „Häselsbuwe“, gestandene Mannsbildern in feschen Lederhosen. Zu krachender Hüttenmusik ließen sie ihre strammen Waden wirbeln, was die Männer stark aufheizte. Da ließen sie die Hemden fallen, was bei dem weiblichen Teil der Narrenschar spontanes Entzücken auslöste.

Hans-Herrmann Alt als der legendäre Michelbacher Postbote hat immer Gewichtiges zu verkünden. Im Gegensatz zum Weltgeschehen geht es in Michelbach noch gesittet zu: „Bei uns gibt es keine Fake-News, alles ist wahr“. Zu den wahren Begebenheiten aus dem Dorf gehört ein zweckentfremdeter Haustürschlüssel, die Tücken der Vorbereitung auf das FCM-Jubiläumsfest oder der Besuch im Frankfurter Fußballstadion, wenn auf der Heimfahrt schon mal in den falschen Zug eingestiegen wird. Sehr vergnüglich war auch die Schilderung über einen Haustürschlüssel, der irrtümlich in eine falsche Jackentasche landete.

Wie immer war das FCM-Männerballett beim abschließenden Stimmungshöhepunkt gefordert, was den Tanzbegeisterten als amerikanische Basketballer und Tom Jones als Gast im schneidigen Anzug bestens gelang.