Vom ökologischen Aspekt überzeugt

Sie sind von dem patentierten Frontschmetterlings-Mähwerk überzeugt (von links): Willi Zinnel, der Vorsitzende des Imkervereins Nidda-Schotten, Sandra Hampel, die Söhne Josef und Loris, Nikolai Hampel und Geschäftsführer Max Bannaski (BB Umwelttechnik). Foto: Weil  Foto: Weil

(sw). „Die Vorteile überwiegen für mich“, sagt Bauer Nikolai Hampel, der mit seiner Frau Sandra und seiner Familie den „Sonnenhof“ am westlichen Stadtrand von...

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SCHOTTEN. (sw). „Die Vorteile überwiegen für mich“, sagt Bauer Nikolai Hampel, der mit seiner Frau Sandra und seiner Familie den „Sonnenhof“ am westlichen Stadtrand von Schotten betreibt. Der ökologisch engagierte Landwirt benutzt zum Bewirtschaften seiner Wiesen ein neuartiges, so genanntes Frontschmetterlings-Mähwerk.

Das patentierte System, das mit einem Doppelmesser-Schnittwerk arbeitet, wurde von BB-Umweltechnik aus Bernbeuren im Allgäu entwickelt. „Unser Mähwerk ist deutlich leichter und hat nur etwa ein Fünftel des Leistungsbedarfs für den Antrieb wie ein herkömmliches Kreiselmähwerk, bringt aber annähernd die gleiche Leistung“, sagt Geschäftsführer Max Bannaski. Nikolai Hampel hat es vor allem der ökologische Aspekt angetan. Kreiselmähwerke arbeiten mit der hohen Rotation der Messer. Sie schlagen das Gras ab, besonders wenn die Schneiden unscharf sind. Es entsteht eine unsaubere Schnittkante. Der größte Nachteil ist aber die Sogwirkung, die sich unter der Steinfangschürze bildet. Dadurch wird der größte Teil von Insekten, anderen Kleintieren wie Amphibien oder auch Wild, die eine Wiese bevölkern, beim Mähen getötet.

„Das ist auch ein Problem für unsere Honigbienen“, weiß Willi Zinnel, der Vorsitzende des Imkervereins Nidda-Schotten. „Alle Hautflügler haben bei Kreiselmähwerken kaum eine Chance“, so der Experte. Das schonende Mähen hatte auch Nikolai Hampel überzeugt. „Ich bin über das Internet auf das Angebot des Unternehmens aus dem Allgäu gestoßen, von dem ich sehr angetan bin“, so der Schottener Landwirt.

Das wenig schonende Verfahren mit den Rotationsmähwerken hat Max Bannaski, Maschinenbauer und Bio-Bauer, zum Nachdenken gebracht, wie er erzählt. „Ich wollte mit den herkömmlichen Maschinen nicht mehr arbeiten. Daher habe ich nach einer schonenderen Lösung gesucht und nach langer Tüftelei bin ich auf das Zweimessersystem gekommen, eine Technik, die auch früher schon angewandt wurde.“ Eigentlich wollte der Maschinenbauer das neue Mähwerk nur für den Einsatz im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb nutzen. Doch daraus ist mittlerweile eine Firma mit elf Mitarbeitern geworden, die ihre Produkte landwirtschaftlichen Betrieben anbietet.

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Bei dem Mähsystem arbeiten zwei scharfe Messer gegenläufig, die mit einem Scherenschnitt das Grünfutter gerade abschneiden. Dies verbessert auch deutlich das Wiederaufwuchsverhalten der Pflanzen. Ein weiterer Vorteil ist die geringere Futterverschmutzung. Bei Rotationsmähwerken werden dagegen bei der Mahd beispielsweise Maulwurfhaufen im ganzen Futter verteilt.

Bei dem Mähen mit dem Zweimessersystem wird die Mahd nach dem Schnitt gleichmäßig und homogen abgelegt, was das Trocknen begünstigt. Über verschieden hohe Gleitkufen kann zudem die Schnitthöhe flexibel eingestellt werden. Das ermöglicht „Luft“ zum Boden, was wiederum lebenserhaltend für Wiesenbewohner sein kann. Eine Fangschürze ist nicht nötig, da beim Schneiden kein Sog entsteht. Kleintiere haben daher eher die Möglichkeit, zu „fliehen“, als dies bei einem Kreiselmähwerk möglich ist.

Der „Frontschmetterling“ besteht aus einem knapp drei Meter breiten Mähwerk, das über zwei seitlich angebrachte 3,75 Meter lange Schneidwerke auf eine Arbeitsbreite von zehn Metern verbreitert werden kann. Das gesamte System wird elektronisch gesteuert, das Frontmähwerk und die beiden seitlichen Mähwerke lassen sich auch einzeln betreiben. Die Schneidwerke können hochgeklappt werden, sodass sich eine Transportbreite von rund drei Metern ergibt. „Beim Transport muss man etwas aufpassen, das bedarf schon etwas Gewöhnung“, weiß Nicolai Hampel. Ein größerer Nachteil des Systems ist nach den Erfahrungen des Schottener Landwirtes der hohe Wartungsbedarf. Bei einem kontinuierlichen Einsatz müssen die Messer einmal am Tag geschliffen werden. Dazu bieten die Allgäuer einen Schleifautomaten an, der das Schleifen zwar „zur unproblematischen Erledigung zwischendurch“ macht, aber recht teuer in der Anschaffung ist. Das trage auch insgesamt zu mehr Kosten gegenüber Kreiselmähwerken bei, aber die ökologischen Vorteile machten dies mehr als wett, so Hampel.

Nur ein „Schönheitsfehler“ sei die Tatsache, so Hampel, dass sich beim Mähen, wenn das Grünfutter länger ist und am Boden liegt, Streifen bilden. Grund ist der seitlich am Mähwerk angebrachte Antrieb. Dadurch wird nicht das gesamte Schnittgut von den Messern erfasst. „Das ist aber nur optisch ein Manko, wirtschaftlich gesehen hat das überhaupt keine Bedeutung“, sagt Nicolai Hampel.

Sehr günstig sei das wesentlich geringere Gewicht des Zweimessermähwerks gegenüber einem Rotationsmähwerk. „Ich kann zum Mähen einen kleineren Traktor einsetzen, was sich wiederum für die Bodenverdichtung günstiger auswirkt“, so der Schottener Landwirt.