Bildungspolitik: Minister Lorz rückt die Qualität in den...

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz sieht die Schulen vor neuen Herausforderungen wie der Digitalisierung.Foto: dpa  Foto: dpa

Die hessische Landesregierung hat das neue Schuljahr unter das Motto Bildungsqualität gestellt. Schulen und Lehrer müssten dabei unterstützt werden, ihr Leistungsvermögen...

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WIESBADEN. Die hessische Landesregierung hat das neue Schuljahr unter das Motto Bildungsqualität gestellt. Schulen und Lehrer müssten dabei unterstützt werden, ihr Leistungsvermögen und ihre ganze Qualität zum Einsatz bringen zu können, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in einer Regierungserklärung im Landtag. Ziel sei die Bildung aller charakteristischen Eigenschaften der Schüler. Auch die Schulen müssten sich auf den gesellschaftlichen Wandel beispielsweise durch die Digitalisierung einstellen. Auch der Wandel im Familienleben, etwa durch Berufstätigkeit beider Elternteile, verändere die Anforderungen an das Bildungssystem. Leitgedanke der Landespolitik bleibe die individuelle Förderung der Schüler.

Schulleiter-Fortbildung in ganz Hessen

Die Lehrerbildung sei Dreh- und Angelpunkt der Qualitätssicherung. „Hierauf werden wir unser Augenmerk richten, denn schulische Qualität steht und fällt mit der Qualität der Lehrkräfte“, sagte Lorz. Das Pilotprojekt zur Qualifizierung künftiger Schulleiter habe sich bewährt und solle in diesem Schuljahr in ganz Hessen eingeführt werden. 500 Anmeldungen für das Programm lägen bereits vor.

Ein weiterer Schwerpunkt sei die Förderung der Grundschulen, die prägend für den weiteren Bildungsweg der Kinder seien, so der Minister. Zur Unterstützung der Lehrer würden zum 1. Februar 400 Sozialpädagogen eingestellt, die Konrektoren an Grundschulen würden besser besoldet. Zentrale Aufgabe für die Schulen sei die Vermittlung der Rechtschreibkompetenz. Daher sei ein Grundwortschatz eingeführt worden. „Die Beherrschung der Bildungssprache Deutsch ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Schullaufbahn“, meinte Lorz.

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Dazu gehöre auch die Unterstützung der Eltern durch Nachmittagsangebote. Inzwischen nähmen 167 Schulen am „Pakt für den Nachmittag“ teil.

Aus Sicht der SPD sind die Maßnahmen für Inklusion und Nachmittagsunterricht halbherzig, die Verbesserungen für Grundschulen kämen zu spät. „Die Regierungserklärung war nicht mehr als der Beipackzettel einer Packung Beruhigungspillen“, sagte der bildungspolitische Sprecher der Sozialdemokraten, Christoph Degen. Auf die drängendsten Probleme, den Lehrermangel und die hohe Zahl von Lehrkräften ohne pädagogische Ausbildung, habe die Landesregierung keine Antwort. Schwarz-Grün könne noch so viele Stellen aus dem Hut zaubern. Wenn sie nicht oder nur mit geringqualifizierten Kräften besetzt werden könnten, werde aus Flickwerk keine Qualität. Degen forderte eine bessere Bezahlung der Grundschullehrer und die Einrichtung echter Ganztagsschulen. Beim Pakt-Angebot gehe es nur um Nachmittagsbetreuung, also nicht um eine bessere Unterrichtsqualität.

So argumentierte auch Gabi Faulhaber (Linke). Der „Pakt für den Nachmittag habe mit mehr Chancengerechtigkeit oder Qualitätsverbesserung“ nichts zu tun. Sie forderte von der Landesregierung außerdem, die aus ihrer Sicht grundsätzlich richtigen Verbesserungen im Doppelhaushalt 2018/2019 auf Dauer festzuschreiben.

Die Regierungskoalition sei in den vergangenen dreieinhalb Jahren mit Scheuklappen durch die Bildungslandschaft marschiert, kritisierte der FDP-Schulpolitiker Wolfgang Greilich. Er forderte ein Konzept für alle, die von einem Lehramt ins andere wechseln wollten. Es sei eben nicht einerlei, ob man Mathematik oder Deutsch an Haupt-, Realschule oder Gymnasium unterrichte, oder ob man den jüngsten Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen solle.

Die Bildungspolitiker der Koalition, Mathias Wagner (Grüne) und Armin Schwarz (CDU), wiesen die Vorwürfe der Opposition zurück. Seit Beginn der Legislaturperiode seien die Weichen in Richtung Bildungs- und Chancengerechtigkeit gestellt worden, sagte Wagner. Die Bilanz könne sich sehen lassen.