Currywurst und die Lage der Nation

„Auf eine Currywurst“ war Volker Bouffier am Mittwoch in Eltville.Foto: Heibel  Foto: Heibel

(chs). Ein „ziemlich aufregendes Wochenende“ habe er hinter sich, sagt Volker Bouffier. Und ohne „die Pirouetten von Horst Seehofer“ hätte alles viel schneller gehen...

Anzeige

ELTVILLE. (chs). Ein „ziemlich aufregendes Wochenende“ habe er hinter sich, sagt Volker Bouffier. Und ohne „die Pirouetten von Horst Seehofer“ hätte alles viel schneller gehen können. Da schwingt jener Groll mit, den sie in der CDU gegen die bayerische Schwesterpartei hegen, seit der CSU-Vorsitzende beinahe die Einheit der Union und damit die Bundesregierung zu Fall gebracht hätte.

Eigentlich ist der hessische Ministerpräsident an diesem Mittwochmittag nicht nach Eltville gekommen, um ein weiteres Mal die Weltlage zu erklären. Gedacht ist das Treffen, zu dem etwa 150 Mitglieder und Anhänger in den „Anleger 511“ gekommen sind, als zwangloses Get together. Titel: „Auf eine Currywurst mit Volker Bouffier“. Ein bürgernahes Veranstaltungsformat, das die hessische CDU – mal zum Mittagsimbiss, mal zum Frühstück – derzeit für den Wahlkampf testet. Am Morgen war Bouffier auf einen Kaffee in Kriftel. Nun also Station im „schönsten Wahlkreis Hessens“, wie die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper zum Auftakt sagt.

Der Versuchung, auch diesen lockeren Ausflug an die Rheingauer Riviera für eine kleine Vorlesung zu nutzen, kann Bouffier dann aber doch nicht widerstehen. Nach Seehofer knöpft er sich auch US-Präsident Donald Trump vor, der „die atlantische Gemeinschaft zerdeppert“. Heute sei Nordkoreas Diktator Kim Jong Un Trumps bester Freund, morgen Putin und übermorgen der türkische Präsident Erdogan, lästert der Ministerpräsident. Mit dem Ausflug in die Außenpolitik („Die Sehnsucht nach Amerika hat sich erledigt“) baut Bouffier die gedankliche Brücke nach Deutschland. Einem „tollen Land“, das große Anziehungskraft auf Zuwanderer ausübe. Beifall erhält der Regierungschef für seine Mahnung, Migranten sollten „mit uns, aber nicht neben oder gegen uns leben“.

Eine halbe Stunde dauert die Rede. Viel Zeit, mit Volker Bouffier „ganz ungezwungen ins Gespräch zu kommen“, wie es in der Einladung der örtlichen CDU hieß, bleibt da nicht mehr.