Hessen führt Maskenpflicht ein

aus Coronavirus-Pandemie

Thema folgen
14.04.2020, Sachsen-Anhalt, Halle (Saale): Mitarbeiter der Feuerwehr und der Stadt verteilen auf dem Wochenmarkt in Halle/Saale Mund-Nasen-Schutzmasken. Besucher und Händler des Wochenmarktes müssen ab sofort einen Mundschutz tragen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ob beim Einkauf, in Bussen oder in Bahnen: Hessen führt eine Maskenpflicht ein. Sie soll bereits ab kommendem Montag gelten. Bei Verstößen droht ein Bußgeld.

Anzeige

WIESBADEN. Am Ende wirkte die schwarz-grüne Landesregierung wie eine Getriebene: Sachsen hatte als erstes Bundesland die Maskenpflicht bei Einkäufen und im Nahverkehr eingeführt. Bayern war gefolgt, dann auch andere Bundesländer. In Hessen selbst hatte Hanau längst schon zur Maske geraten, auf die dann auch Frankfurt vehement drängte. Und so verkündete am Dienstag zunächst die Staatskanzlei in Wiesbaden und schlussendlich Sozialminister Kai Klose, dass es nun auch in Hessen eine Maskenpflicht geben werde.

Zu tragen ist freilich nur der einfache Mundschutz, der nicht seinen Träger, sondern die Menschen um ihn herum vor dem Coronavirus schützen soll. Die komplexeren medizinischen Masken bleiben dem medizinischen Personal vorbehalten. Und Klose mahnte, es müsse weiterhin klar sein, dass mit der Maskenpflicht keine Aufhebung des Abstandsgebots und Kontaktverbots einhergehe. Die Masken dürften nicht zu einem trügerischen Schutz führen.

Die Maskenpflicht soll ab kommenden Montag im Nahverkehr und bei Einkäufen gelten. Wer wiederholt dagegen verstößt, muss ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro zahlen.

Anzeige

Bislang war Hessens Landesregierung den Kampf gegen das Corona-Virus vergleichsweise gemütlich angegangen. Geschadet hat das glücklicherweise nicht: Von der Pandemie ist das Bundesland nur moderat betroffen. Bis Dienstag war die Zahl der bestätigten Infektionen in Hessen auf 7_305 gestiegen. Das hat in den Kliniken zu keinen dramatischen Kapazitätsengpässen geführt: Es gibt noch mehr als 900 freie Beatmungsbetten im Lande.

Auch wenn Hessen zu Beginn dieser Woche die pandemiebedingten Einschränkungen gelockert hat, sieht Sozialminister Klose keinen Anlass zur Entspannung. „Wir dürfen weiterhin nicht leichtsinnig werden“. Das Virus sei noch da. Der Minister hofft darauf, dass es bald einen Impfstoff gibt. Denn: „Impfen ist die wirksamste präventive Maßnahme“. Mit einem Impfstoff ist nach Expertenmeinung allerdings nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen. Der Kurs der Landesregierung ist im Landtag selbst weitgehend unumstritten. SPD-Chefin Nancy Faeser jedenfalls unterstützt die Maskenpflicht. Und auch die Linken glauben, dass das Tragen von Masken ein Beitrag zur weiteren Eindämmung der Pandemie sein kann. Nur der FDP fiel auf, dass Klose noch vor wenigen Tagen allenfalls eine Empfehlung, Maske zu tragen, aussprechen wollte, weil es keinen Sinn mache, die Bürger zu etwas zu verpflichten, was man nicht liefern könne.

Ganz offenkundig ist in der Krise wenig Platz für Zwist. Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, lobt die Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und der Hessischen Krankenhausgesellschaft als „weiterhin hervorragend“. Die hessische Pandemie-Statistik belege, dass der „gemeinsame Kraftakt“ erfolgreich ist.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) vertritt die niedergelassenen Ärzte. Diese behandelten sechs von sieben Covid-19-Patienten ambulant, sagt Dastych. „Das ist eine Erklärung dafür, dass uns Szenarien wie in anderen Länder erspart geblieben sind“. Es gebe eine „überragende Bereitschaft“ der niedergelassenen Kollegen, Covid-19-Patienten zu versorgen.

Anzeige

So gibt es 52 Schwerpunktpraxen in Hessen, die sich um solche Patienten kümmern. Dastych geht davon aus, dass auch dieses Netzwerk der Schwerpunktpraxen einen Beitrag dazu geleistet hat, den Kliniken Luft zu verschaffen. Gleichwohl haben jetzt Beschäftigte der Uni-Klinik Frankfurt ihren Unmut über die durch Corona weiter gestiegenen Arbeitsbelastung geäußert. Sie fordern unter anderem eine Erschwerniszulage von 500 Euro monatlich, ausreichend Ruhezeiten und vor allem genügend Schutzkleidung.

Alle Infos zu Corona

Was müssen Sie über das Coronavirus Sars-CoV-2 wissen? Was empfehlen die Experten? Wie hat sich die Ausbreitung des Virus entwickelt? Welche Symptome weisen Kranke auf? Wie viele Menschen sind aktuell infiziert, wie viele wieder genesen? Welche Folgen hat der Stillstand des öffentlichen Lebens für die Menschen? Für die Wirtschaft? Und wie kann man angemessen mit der Gesundheitsgefährdung umgehen? Wie ältere Menschen schützen? Welche Läden sind geschlossen, welche offen? Wo gibt es Hilfsangebote für Risikogruppen?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie unter anderem in den Übersichtsartikeln zum Thema, die wir hier für Sie zusammengestellt haben. Aber auch an anderer Stelle in unserem Dossier gibt es viele gute und zuverlässige Informationen rund um die Coronakrise, den Umgang damit sowie jede Menge Wissen kompetenter Experten. Klicken Sie sich rein.

Unsere ständig aktualisierte Übersicht zur Lage in Hessen und Rheinland-Pfalz finden Sie hier, darin aktuelle Videos und Hintergründe aus den Städten Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Gießen, Wetzlar, Worms und der gesamten Großregion.

Eine Sammlung ständig aktualisierter Daten, in Karten und Grafiken anschaulich visualisiert mit Unterstützung unserer Partner, den Datenspezialisten von 23Grad.

Auf Fragen unserer Leser haben wir Expertenwissen eingeholt. Die Antworten gibt es hier in einem ersten und hier in einem zweiten Teil.

Von Christoph Cuntz