Hessen: Höchststand der Covid-Fälle Ende November erwartet

aus Coronavirus-Pandemie

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Derzeit ist die Anzahl verfügbarer Intensivbetten in Hessen ausreichend.  Foto: dpa

Derzeit werden 1456 Patienten in den hessischen Kliniken behandelt, doch die Zahlen steigen. Wieso der Leiter des Planungsstabes, Prof. Jürgen Graf, dennoch zuversichtlich ist.

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WIESBADEN. Wiesbaden. Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) rechnet damit, dass in den Kliniken des Landes Ende November/Anfang Dezember der Gipfel der Belegung mit Covid-19-Patienten erreicht sein wird. Die Effekte, die mit der zum Monatsbeginn eingeführten, drastischen Kontaktbeschränkungen zu erwarten sind, zeigten sich in der stationären Belegung mit einer Verzögerung von zwei bis vier Wochen, so der Minister.

Mit Stand vom Montag wurden in hessischen Kliniken 1456 Patienten, die an Corona erkrankt warten, behandelt, 1148 von ihnen werden auf normalen Stationen – deren Zahl ist jetzt schon höher als im Frühjahr.

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Weitere 308 Covid-19-Patienten waren so schwer erkrankt, dass sie auf einer Intensivstation verlegt werden mussten. Jürgen Graf vom Universitätsklinikum Frankfurt sagte, damit sei bei Patienten, die wegen Corona auf eine Intensivstation behandelt werden mussten, der Stand „wie zur schwierigsten Zeit im Frühjahr“ erreicht. Graf ist Leiter des „Planungsstabes stationäre Versorgung Covid-19“.

Wie berichtet, haben Kliniken wegen der vielen Corona-Patienten bereits damit begonnen, planbare Eingriffe zu verschieben. So hatte kürzlich das Sana Klinikum in Offenbach angekündigt, nicht dringend notwendige Operationen und Behandlungen zu verschieben. Sozialminister Klose sagte jetzt, mit dem Bund werde die Diskussion geführt, ob planbare Eingriffe generell zu verbieten seien. Im Falle eines solchen Verbotes müsse der Bund den Krankenhäusern die Einnahmeausfälle ersetzen.

Von 2133 Intensivbetten sind 1715 belegt

Klose schließt derzeit freilich aus, dass es in Hessen zu einem landesweiten Verbot planbarer Eingriffe kommt. „Derzeit gibt es dafür noch keine Notwendigkeit“. Ein Verbot solle allenfalls für einzelne Versorgungsgebiete in Hessen ausgesprochen werden.

Hessen ist in sechs Versorgungsgebiete aufgeteilt. In drei dieser Regionen – in Gießen/Mittelhessen, Frankfurt/Offenbach sowie Darmstadt/Südhessen – ist die Warnstufe zwei ausgerufen. Dort müssen die Krankenhäuser jetzt zum einen weitere Intensivbetten bereitstellen und dürfen zum anderen Patienten, bei denen dies medizinisch vertretbar ist, in Kliniken anderer Bezirke weiterschicken. Eine Folge davon ist unter anderem, dass 16 Patienten aus der stark mit Corona belasteten Region Frankfurt/Offenbach in eine Klinik der Versorgungsregion Kassel verlegt worden war.

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Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind in Hessen 2133 Intensivbetten verfügbar, von denen 1715 belegt sind. Weitere 948 Intensivbetten können notfalls binnen sieben Tagen zusätzlich aufgestellt werden. Engpass ist freilich das Fachpersonal, das auf Intensivstationen eingesetzt wird. Jürgen Graf, Leiter des Planungsstabes, schließt nicht aus, dass dort gegebenenfalls auch Pflegekräfte eingesetzt werden, die keine entsprechende Fachausbildung haben. Er zeigt sich optimistisch, dass das vorhanden Potenzial an Intensivbetten nicht ausgereizt werden muss.

Auffällig hoch ist de Zahl der gemeldeten Todesfälle

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Dienstag für Hessen 1702 neue positive Testergebnisse. Auffällig hoch war die Zahl der gemeldeten Todesfälle: 28 mehr als am Vortag. Hessen werde „genau hinschauen“, wie die bundesweit geltenden Maßnahmen wirkten, sagte Klose. An den Regeln für Hessen will Klose vorerst nichts ändern: „Wir haben gegenwärtig nicht vor, die landesweite Verordnung anzupassen.“

Dem Vernehmen nach will die Landesregierung allerdings zu Mitte des Monates nochmals prüfen, ob sie bei weiter steigenden Fallzahlen die bislang geltenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens weiter verschärft.

Von Christoph Cuntz