Sechs Schwerpunkt-Krankenhäuser für Infizierte in Hessen benannt

aus Coronavirus-Pandemie

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Kai Klose (Grüne), Minister für Soziales und Integration in Hessen. Foto: dpa

Ein Planungsstab bereitet die stationäre Versorgung einer großen Zahl von Coronapatienten in Hessen vor. Dabei wurden sechs Krankenhäuser als Schwerpunktkliniken benannt.

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WIESBADEN. Der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat einen Krisenstab zur Sicherung der ärztlichen Versorgung in den Krankenhäusern gebildet. Damit soll der erwartete Ansturm auf die Kliniken beim Anstieg der Zahl Erkrankter nach einer Infektion mit dem Coronavirus besser bewältigt werden. Zum Leiter des Krisenstabs wurde der Ärztliche Direktor der Frankfurter Uniklinik, Jürgen Graf, ernannt. Der Medizinprofessor teilte mit, dass bereits sechs Krankenhäuser in Hessen als Schwerpunktkliniken dafür ausgesucht wurden. Sie sollen sowohl die Koordination zwischen allen Krankenhäusern in der jeweiligen Region als auch mit den niedergelassenen Ärzten übernehmen. Auch sollen in diesen Kliniken die Patienten mit den schwersten Krankheitssymptomen behandelt werden.

Es handelt sich um das Klinikum Kassel für Nordhessen, das Klinikum Fulda für Osthessen, die Universitätsklinik Gießen/Marburg für Mittelhessen, die Helios HSK-Klinik in Wiesbaden für Westhessen, die Frankfurter Uniklinik für das Rhein-Main-Gebiet und das Klinikum Darmstadt für Südhessen. Insgesamt stehen nach den Angaben Kloses und Grafs in Hessen 1.800 Betten auf Intensivstationen mit Beatmungsgerät zur Verfügung. Nach geltenden Vorschriften seien nicht alle voll betriebsfähig, weil die Untergrenze für das Personal nicht erreicht sei. Allerdings seien die entsprechend engen Vorschriften wegen der Krise ausgesetzt worden und weiteres Pflegepersonal für die Intensivstationen werde bereits umgeschult.

Insgesamt zeigte sich Graf optimistisch, dass die Kapazitäten der hessischen Krankenhäuser zur Bewältigung des Ansturms ausreichen werden. Das gelte jedenfalls, wenn die von Bund und Land erlassenen Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus Wirkung zeigen. Wenn dagegen mit einer schnellen und ungebremsten Ausweitung der Ansteckung alle Betroffenen auf einmal behandelt werden müssten, werde es knapp. Graf kündigte Besuche in den sechs koordinierenden Krankenhäusern noch in dieser Woche an. Er zeigte sich überzeugt, dass diese zur Behandlung gerade der am schwersten erkrankten Patienten auch von Expertise und Personalausstattung am besten geeignet seien. Auch zur Ausstattung mit Schutzkleidung sei die jetzt gewählte zentrale Lösung die beste.

Laborkapazitäten sollen ausgeweitet werden

Minister Klose räumte ein, dass es noch Engpässe bei den Tests auf das Coronavirus gebe. Die Lage habe sich aber seit der Weisung entspannt, gezielt Menschen zu testen, die Kontakt zu Infizierten hatten oder aus Risikogebieten kamen. Für einen vorsorglichen Test aller Interessierten reichten die Kapazitäten nicht aus. Klose berichtete aber von einer Ausweitung auch der Laborkapazitäten für die Untersuchung auf Infektion mit dem Coronavirus. Dazu zähle die die Einbeziehung von bislang für den Blutspendedienst genutzter Labore in Frankfurt.

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Die Zahl mit dem Virus infizierter Menschen stieg laut Sozialministerium bis Montag um 85 auf nunmehr 1352 an. Klose sagte aber, es sei noch zu früh, von einer Verlangsamung des Anstiegs zu sprechen, da am Wochenende in den einzelnen Orten nicht immer alle Fälle ins Meldesystem eingepflegt würden. Die Stadt Offenbach meldete am Montag den vierten Todesfall mit Coronavirus in Hessen. Es handele sich um eine 89-jährige Person mit Vorerkrankungen, die am Sonntag gestorben sei. Nähere Angaben dazu wurden nicht gemacht.

Von epd