Über Wahrheit und Toleranz

Der Idsteiner Gospelchor beim Festakt in der restaurierten Unionskirche.Foto: wita/Udo Mallmann  Foto: wita/Udo Mallmann

„Unterschiede überwinden, gemeinsam feiern“ – so heißt das Motto, unter das die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im Reformationsjahr die Feierlichkeiten...

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IDSTEIN. „Unterschiede überwinden, gemeinsam feiern“ – so heißt das Motto, unter das die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im Reformationsjahr die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Nassauischen Union gestellt hat.

Auf den Tag 200 Jahre später war die erst kürzlich nach langjähriger Restaurierung wiedereröffnete Unionskirche in der Idsteiner Altstadt am Freitagabend Mittelpunkt und Kulisse des offiziellen Festaktes für das Jubiläum. Kirchenpräsident Volker Jung begrüßte außer zahlreichen Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft in Hessen und Rheinland-Pfalz auch den ehemaligen evangelischen Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack, als Festredner. In seinem Vortrag unter der Überschrift „Wie viel Kompromiss verträgt die Wahrheit?“ machte Noack sich Gedanken über das Wesen, die Schwierigkeiten und die Chancen einer Union, deren Grundlage nichts Geringeres sei als eine Annäherung verschiedener Bekenntnis-Wahrheiten.

„Ein allzu banaler Toleranzbegriff“

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„Union sei nicht ein „Schwamm drüber““, pointierte Noack, der in der heutigen Gesellschaft einen „allzu banalen Toleranzbegriff“ wahrnimmt. Indifferenz sei das heute gängige Rezept, das er mit dem Schlagwort „Frieden statt Wahrheit“ bezeichnet – mit der Folge, dass niemand mehr wage, für seine Wahrheit einzustehen und zu kämpfen. Union – das sei einerseits ein Bekenntnis zu gemeinsamen Grundlagen, andererseits aber dennoch auch ein Ringen um unterschiedliche Auffassungen von Wahrheit, so Noack. Das Beispiel der am Wochenende in Idstein vielfältig gefeierten Nassauischen Union könne in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts dort taugen, wo Menschen aus einer festen Bindung an Überzeugungen lebten und handelten.

200 Jahre Union der lutherischen und reformierten Protestanten, 500 Jahre Reformation – der Kirchenpräsident der pfälzischen Landeskirche, Christian Schad, zugleich Vorsitzender der Union Evangelischer Kirchen in Deutschland, wagte in seinem Grußwort den Vorstoß, ob es denn nicht an der Zeit sei, mit den katholischen Brüdern gemeinsam das Abendmahl zu feiern. In einer Talkrunde, moderiert von Martin Vorländer vom evangelischen Medienhaus in Frankfurt, erhielt Weihbischof Thomas Löhr aus Limburg gleich eine Gelegenheit zur Antwort. 300 Jahre, die es allein bis zur ersten protestantischen Union gebraucht habe, zeigten ihm: „Erstens, es braucht Geduld und zweitens, es gelingt.“ Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der hessische Kultusminister Ralph-Alexander Lorz, die in dieser Runde das Thema Auseinandersetzung und Einigung aus der weltlichen Sicht beleuchteten, betonten die Wichtigkeit konstruktiver Auseinandersetzung, um zu guten und befriedenden Lösungen zu kommen. Dieser müsse Raum eingeräumt werden, was Lorz auch und gerade im deutschen System des Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen erfüllt sieht.

In einer zweiten Talkrunde erläuterte die Idsteiner Pfarrerin Daniela Opel-Koch das Bildprogramm der 38 Deckengemälde aus dem 17. Jahrhundert, die als großformatige Ölgemälde zum Einzigartigen der Idsteiner Kirche gehören. Idsteins Bürgermeister Christian Herfurth und der Vorsitzende des örtlichen Kirchenvorstandes, Jörg Fried, lobten das Engagement der Idsteiner Bürger für ihre Kirche im Rahmen der fünfjährigen Restaurierungsphase, in der unter anderem über Bildpatenschaften und zahlreiche Aktionen erfolgreich Fundraising betrieben wurde.