4,6 Millionen Euro für Polizeieinsätze bei Fußballspielen

Großer Andrang beim Fanmarsch des 1. FC Kaiserslautern im Vorfeld des Zweitliga-Topspiels gegen den Hamburger SV. Das macht auch der Polizei zusätzliche Arbeit.
© Tommy Rhein

Die vergangene Fußballsaison in Rheinland-Pfalz war teuer für den Steuerzahler: Die Einsatzkräfte mussten zig Tausende Stunden leisten. Spitzenreiter war ein Zweitligist.

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Mainz. Zum Fußball gehören vielerorts auch Polizeieinsätze. In der Bundesliga, zweiten Bundesliga, Regionalliga Südwest, Oberliga Rheinland-Pfalz/Saarland, in DFB- und Verbandspokal sowie bei einem DFB-Länderspiel und einem Relegationsspiel kamen in der Saison 2022/2023 tausende Arbeitsstunden von Polizisten zusammen: genau 73.512 Stunden. Das geht aus einer Kleinen Anfrage des Landtagsabgeordneten Matthias Lammert (CDU) hervor. Bezahlt werden sie von den Steuerzahlern.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium kommt insgesamt auf Personalkosten der Polizei von fast 4,6 Millionen Euro für die Fußballsaison 2022/2023. In der Saison zuvor, während der Pandemie, waren es nur 3,6 Millionen Euro und rund 59.000 Stunden von Einsatzkräften.

2022/2023 verursachten Polizeieinsätze für den 1. FC Kaiserslautern fast die Hälfte der Gesamtkosten, wie aus der Antwort des Ministeriums hervorgeht: Beinahe 2,2 Millionen Euro entfielen auf den Zweitligisten. Für den 1. FSV Mainz 05 in der ersten Bundesliga waren es nur knapp 1,2 Millionen Euro. Laut der Internetseite „Faszination Fankurve“ kommen durchschnittlich mehr Zuschauer zu Spielen des 1. FCK als zu Mainz 05. Auch die schwierigere Anreise zum Stadion in Kaiserslautern würden größere Polizeieinsätze nötig machen.

245.000 Euro für VfR Vormatia – 2200 Euro für TSV Schott Mainz

Aber auch in den unteren Ligen ist Polizei dabei. Ihre Einsätze in der Regionalliga Südwest verursachten zum Beispiel für den VfR Wormatia 08 Worms Kosten von 245.000 Euro, für 1. FSV Mainz 05 II rund 44.000 Euro. In der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saarland sind die Beträge deutlich geringer: SV Alemannia Waldalgesheim (knapp 4400 Euro), SV 1919 Mainz-Gonsenheim (knapp 3700 Euro), TSV Schott Mainz (2200 Euro).

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Auch bei DFB-Pokalspielen und bei anderen Pokalspielen in Rheinland-Pfalz war die Polizei vor Ort. Spielte der 1. FC Kaiserslautern, kostete das rund 148.000 Euro. Für den 1. FSV Mainz 05 war es deutlich weniger (61.000 Euro). Das DFB-Länderspiel Deutschland-Peru im März in Mainz verursachte Kosten von gut 40.500 Euro.

Zehn Polizisten wurden verletzt

Die Einsätze sind für die Beamten mitunter gefährlich. Zehn Einsatzkräfte sind laut Ministerium in der vergangenen Saison durch Fremdeinwirkung verletzt worden, neun bei Spielen des 1. FC Kaiserslautern. Außerdem wurden insgesamt 25 Stadionverbote ausgesprochen, davon 18 gegen Anhänger des 1. FSV Mainz 05 und drei gegen Fans des 1. FC Kaiserslautern. Stadionverbote seien jedoch eine privatrechtliche Maßnahme der Vereine und des DFB, erläutert das Ministerium. Die Polizei könne Aufenthalts- und Betretungsverbote verhängen. Das kam 2022/2023 achtmal vor, traf sieben Fans von Mainz 05 und einen von Fortuna Düsseldorf.

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Der Abgeordnete Lammert will in seiner Anfrage auch wissen, wie der Sachstand einer Gesetzesänderung ist: Danach könnte die Deutsche Fußballliga (DFL) an den Kosten der Polizeieinsätze beteiligt werden. Auch Rechnungshöfe und der Bund der Steuerzahler befürworten diese Idee. Im Stadtstaat Bremen gibt es seit einigen Jahren eine solche Gebührenordnung. Allerdings streiten sich der Verein SV Werder Bremen und die Deutsche Fußballliga vor Gerichten, ob und wenn ja, wer zahlen muss. Auch der Bund der Steuerzahler (BDS) Rheinland-Pfalz wünscht sich eine freiwillige und bundeseinheitliche Lösung unter Beteiligung von DFL, DFB und Profivereinen. BDS-Geschäftsführer René Quante sagt: „Das würde auch Rechtsstreitigkeiten wie in Bremen verhindern.“