Eintracht Frankfurt: Zufrieden mit einer 2:5-Niederlage

aus Eintracht Frankfurt

Thema folgen
Gelson Fernandes (links) und Stefan Ilsanker nach Frankfurts Tor zum 3:1.  Foto: dpa
© dpa

Das Spiel in München war einseitig und ging klar verloren. Doch viele zeigen sich bei der Eintracht zufrieden. Auch weil sie wissen, wie wichtig das nächste Spiel ist.

Anzeige

FRANKFURT. Einen Punkt oder gar einen Sieg konnte beim FC Bayern München niemand bei und von der Frankfurter Eintracht erwarten. Dass eine 2:5 (0:2)-Niederlage in der Eigenbeschau aber so positiv gesehen wird wie nach diesem über 75 der 90 Minuten einseitigen Spiel, ist dennoch erstaunlich. Trainer Adi Hütter sprach seiner Mannschaft ein Kompliment für eine „ordentliche Leistung“ aus. „Wir hatten das Gefühl, dass man hier etwas hätte mitnehmen können“, sagte der zweifache Torschütze Martin Hinteregger. Und Gelson Fernandes attestierte seinem Team, „dass wir das Spiel gegen einen starken Gegner phasenweise offen gestalten konnten“. Hinter all diesen schöngefärbten Aussagen steht die Erkenntnis, dass die Frankfurter nach fünf Niederlagen in Folge mitten im Abstiegskampf stecken und am Dienstag im Heimspiel gegen den SC Freiburg ein erstes eminent wichtiges Spiel um die sportliche Existenz führen müssen. „Die Bayern sind nicht unsere Kragenweite“, sagte Sebastian Rode klar und deutlich, „ab Dienstag gilt´s“. Und der Trainer fordert: „Wir werden und müssen anfangen zu gewinnen.“

Hütter traut seiner Mannschaft zu, dass sie sich gegen „Gegner auf Augenhöhe“, die nun ohne Ausnahme bis zum Saisonende folgen, aus dem Schlammassel befreit. Eines freilich sollte er dabei nicht vergessen: Gegen alle acht Gegner, die nun bis zum Saisonende noch folgen, hat die Eintracht in der Vorrunde kein einziges Spiel gewonnen. Das müsste Warnung genug sein. „Uns wird spielerisch der Knopf aufgehen“, prophezeit der Trainer dennoch. Dabei will er aufbauen auf die zarten Verbesserungen im Spiel bei den Bayern. „Viel besser“ als noch vor Wochenfrist gegen Mönchengladbach sei die Leistung gewesen, die Mannschaft habe taktisch diszipliniert gespielt. „Das war Okay“, sagt Hütter.

Anzeige

Zumindest ein Debakel verhindert

War es das wirklich? In der ersten Halbzeit war es ein Spiel auf ein Tor gewesen, wie früher manchmal auf dem Bolzplatz. Den Münchner Kasten hätte man getrost abbauen können, Manuel Neuer bekam keinen einzigen Ball zu halten. Zehn Minuten konnte die Eintracht die Bayern vom eigenen Strafraum entfernt halten, dann kamen die Einschläge dem Tor immer näher. Die Münchner hatten bis zur Pause ein halbes Dutzend Gelegenheiten, nutzten nur zwei durch Leon Goretzka und Thomas Müller. Nach dem 3:0 46 Sekunden nach der Pause durch Robert Lewandowski schien der Eintracht sogar ein Debakel zu drohen. Dass zumindest dies verhindert werden konnte, erklärt wohl die zart positiven Kommentare nach dem Spiel. Sogar die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ titelte, dass die Leistung „Besser als befürchtet“ gewesen sei. So weit ist es also schon gekommen.

Der Blick aufs Spiel in der leeren Allianz-Arena, wo die Eintracht seit zwanzig Jahren nicht gewinnen kann, war durch die zwischenzeitlichen Anschlusstreffer von Hinteregger ein wenig verklärt. Was ausschließlich mit Blick auf das so wichtige Spiel gegen Freiburg erklärbar und nachvollziehbar ist. Was aber die wahren Leistungsunterschiede auch nicht im Ansatz kaschieren konnte. Der Trainer hatte wohl auch bei seinen Aufstellungen und Einwechslungen schon Freiburg im Kopf, auch wenn er dies so nie zugeben würde. Das Makoto Hasebe keine Minute spielen durfte, kann nur daran gelegen haben, dass der 36 Jahre alte Japaner seine Kräfte für Freiburg schonen sollte. Dass die Viererkette geblieben ist, obwohl sie seit Wochen keine Stabilität mehr bringt (4:18 Tore in den letzten fünf Spielen), war dem ebenfalls geschuldet. Gegen Freiburg wird sicher anders gespielt. Das André Silva einmal mehr alleine auf weiter Flur stand, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein und muss dringend verändert werden.

Noch immer individuelle Schwächen

Was geblieben ist, sind die individuellen Schwächen. Almamy Touré, hinter dessen Rücken Thomas Müller das 1:0 vorbereiten konnte, der ausgewechselte Evan Ndicka, der am Ball geradezu hilflos wirkte, und der eingewechselte Djibril Sow, der völlig verunsichert ist, haben sich keineswegs verbessert, sondern befinden sich weiter in einem tiefen Leistungstal. Dass Stefan Ilsanker über hart geführte Zweikämpfe nicht hinauskommt, war keine Überraschung. Von Danny da Costa und Gelson Fernandes konnte bei ihren ersten Einsätzen nach Monaten nun wirklich nicht viel mehr erwartet werden als Fleiß und Hingabe. All das zusammen macht es für den Trainer schwierig, nun die richtige Mischung für die nächsten Spiele zu finden.

Hütter aber bleibt optimistisch. „Ich will meiner Mannschaft immer Mut, Glaube und Überzeugung mitgeben“, sagt er. Es ist die Stärke des österreichischen Fußball-Lehrers, immer an das Positive zu glauben. Und es ist seine Pflicht. Zwei große Krisen hat Hütter bei der Eintracht schon überstanden, am Anfang seiner Amtszeit im Frühherbst 2018 und am Ende des letzten Jahres. Jetzt muss er zum dritten Mal beweisen, dass er es kann, eine Mannschaft aus dem Tief zu führen und den freien Fall zu verhindern. Was diesmal ungleich schwieriger sein könnte, denn es bleibt wenig Zeit, um zu reparieren, was kaputt gegangen ist.

Anzeige

Von Peppi Schmitt